Ab dem 1. Januar 2027 wird das Altersvorsorgedepot zum Nachfolger der Riester-Rente und damit zum neuen, staatlich geförderten Vorsorgeprodukt. Das Interesse der Sparer ist vorhanden, das Wissen dagegen dünn. Mehr als jeder Dritte der 18- bis 55-Jährigen hält die Eröffnung eines solchen Depots für wahrscheinlich. In der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 47 Prozent. Dies ergab eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die von Commerzbank und comdirect beauftragt wurde. Gleichzeitig kennen viele Befragte das neue Altersvorsorgedepot kaum. Ein noch kleinerer Teil kann einschätzen, wie hoch die eigene Rentenlücke tatsächlich ausfällt.
Grundlage der Reform ist das Altersvorsorgereformgesetz. Der Bundestag verabschiedete es am 27. März 2026, der Bundesrat billigte es am 8. Mai 2026. Im Bundesgesetzblatt erschien das Gesetz Ende Mai 2026. Damit steht der gesetzliche Rahmen für den Nachfolger der Riester-Rente seit Monaten fest. Offen ist dagegen, wie schnell Banken, Sparkassen und freie Vermittler ihre Kunden für das neue Produkt gewinnen.
YouGov befragte dafür vom 30. Juli bis 3. August 2026 insgesamt 1.517 Personen zwischen 18 und 55 Jahren. 38 Prozent halten die Eröffnung eines Altersvorsorgedepots für sehr oder eher wahrscheinlich. Bei Familien mit zwei oder mehr Kindern steigt dieser Wert auf 55 Prozent. Das Interesse konzentriert sich damit vor allem auf junge Menschen und auf Familien.
Altersvorsorgedepot statt Riester-Rente: Das ändert sich für Sparer
Im Unterschied zur Riester-Rente kommt das Altersvorsorgedepot ohne eine garantierte Kapitalerhaltung aus. Es öffnet die geförderte Altersvorsorge erstmals breit für den Kapitalmarkt, etwa in ETFs, Fonds oder Anleihen. Der staatliche Zuschuss beim Altersvorsorgedepot richtet sich dabei nicht nach dem Einkommen, sondern ausschließlich nach der Höhe des eigenen eingezahlten Betrags.
| Jährliche Eigenleistung | Höhe der staatlichen Förderung |
|---|---|
| Bis zu 360 Euro | 50 Cent für jeden eingezahlten Euro |
| Zwischen 360,01 und 1.800 Euro | 25 Cent für jeden eingezahlten Euro |
| Höchstbetrag der Grundzulage | 540 Euro jährlich |
| Zulage pro Kind (ab einem Eigenbeitrag von 300 Euro) | Maximal 300 Euro je Kind und Jahr |
Wer den vollen Eigenbeitrag von 1.800 Euro im Jahr einzahlt, erhält bis zu 540 Euro Grundzulage. Familien kommt zusätzlich die Kinderzulage von bis zu 300 Euro je Kind und Jahr zugute. Voraussetzung dafür ist ein Eigenbeitrag von mindestens 300 Euro.
Rentenlücke unbekannt: Wissen hinkt dem Interesse hinterher
Trotz des grundsätzlichen Interesses zeigt die Umfrage eine deutliche Schwäche. Lediglich 39 Prozent der Teilnehmer wissen, wie hoch ihre individuelle Rentenlücke ausfällt. Gleichzeitig gehen 60 Prozent davon aus, im Ruhestand finanziell Abstriche machen zu müssen. 57 Prozent vermuten, dass ihr Alterseinkommen nicht ausreichen wird, um den derzeitigen Lebensstandard zu halten. Wer seine persönliche Lücke nicht beziffern kann, hat jedoch kaum eine Grundlage für die passende Sparrate.
Hinzu kommt: Rund ein Drittel der Befragten hatte zum Zeitpunkt der Erhebung kaum oder gar keine Informationen zu dem neuen Produkt erhalten. Von den 935 Teilnehmern, die das Altersvorsorgedepot bereits kannten, fühlten sich 56 Prozent schlecht oder gar nicht informiert. Genau hier setzt die Initiative „Nicht einfach klicken!“ an, die gezielt über die Fallstricke bei der Produktwahl aufklären will. Außerdem bezeichnen sich 38 Prozent der Befragten selbst als unerfahren in der Wertpapieranlage.
Bemerkenswert ist zudem ein zweiter Befund: 70 Prozent wollen bei der Geldanlage im Altersvorsorgedepot selbst entscheiden. Gleichzeitig wünschen sich 45 Prozent dabei die Begleitung durch einen Anlage- oder Wertpapierberater. Thomas Schaufler, der im Vorstand der Commerzbank für das Privat- und Unternehmerkundengeschäft verantwortlich ist, leitet daraus eine klare Konsequenz ab: „Wer das Altersvorsorgedepot versteht, wird es auch nutzen. Aufklärung ist hier der Schlüssel.“
Warum Beratungsqualität über den Erfolg des Altersvorsorgedepots entscheidet
Für Banken und Vermittler heißt das: Nicht allein das Produkt entscheidet über den Vertriebserfolg. Mehr als die Hälfte, konkret 56 Prozent der Befragten, würde ein Altersvorsorgedepot lieber bei einem Anbieter abschließen, mit dem bereits eine Geschäftsbeziehung besteht. Bestehende Kundenverbindungen werden damit zu einem wichtigen Zugangsweg für das neue Vorsorgeprodukt. Wie groß der Wettbewerbsdruck auf die Anbieter dabei ist, beschreibt auch Assekurata-Experte Heermann im Interview zum Altersvorsorgedepot.
Für 80 Prozent der Befragten ist außerdem entscheidend, dass der Anbieter das Produkt leicht verständlich darstellt. 62 Prozent erklärten, eine unkomplizierte Eröffnung würde ihre Abschlussbereitschaft erhöhen. Damit rückt die Erklärbarkeit des Altersvorsorgedepots in den Mittelpunkt des Vertriebs.
Bankentest 2027 bewertet erstmals die Vorsorgeberatung
Dass sich der Wettbewerb stärker an der Beratungsqualität entscheidet, zeigt auch die Testbranche. Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH mit Sitz in Herrsching hat ihren jährlichen Bankentest „BESTE BANK vor Ort 2027“ um Kriterien zur Altersvorsorge erweitert. Die Tester prüfen künftig unter anderem, wie sichtbar und verständlich eine Bank ihre Positionierung zur Altersvorsorge darstellt. Hinzu kommt, wie leicht sich Informationen zur Rentenlücke finden lassen und ob digitale Rechner zur Verfügung stehen.
Nach eigenen Angaben testet die Gesellschaft jährlich mehr als 100 Bankstandorte bundesweit mit verdeckten Testkäufern. Die Bewertung umfasst fünf Kategorien: den Digital-Check mit 30 Prozent Gewichtung, Kundenorientierung und Beratungsqualität mit je 25 Prozent sowie Servicequalität und Nachbetreuung mit je zehn Prozent. Das Motto des Tests 2027 lautet „Verlässliche Beratung. Digitale Orientierung. Starke Vorsorge.“















