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BVK-Chef im Interview: „Altersvorsorge ist zu komplex, um sie als Massensparplan darzustellen“

Michael H. Heinz
Foto: Christian Daitche
Michael H. Heinz

Ein Kostendeckel von 1,5 Prozent und ein standardisiertes Altersvorsorgedepot stehen im Zentrum der Reformdebatte. BVK-Präsident Michael H. Heinz sieht darin Risiken für Beratungsqualität und Produktvielfalt – und fordert im Cash.-Interview klare Nachbesserungen.

Reicht ein Kostendeckel von 1,5 Prozent aus Ihrer Sicht aus, um eine qualifizierte Beratung und Betreuung durch Vermittler wirtschaftlich darstellbar zu machen – oder gefährdet er langfristig den Beratungsmarkt?

Heinz: Die ganze Diskussion um einen Kostendeckel verkennt, dass die Beratungsleistung der Vermittler zur privaten Altersvorsorge aufwendig, zeitintensiv und – aufgrund der Vielzahl von infrage kommenden Produkten – komplex ist. Der Fokus bei der Reform der privaten Altersvorsorge sollte also nicht auf den Kosten liegen, sondern darauf, ob es den Vermittlern möglich sein wird, möglichst viele Verbraucher von der Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge mit den für sie passenden Produkten zu versorgen. In dieser Hinsicht ist für uns ein Kostendeckel von 1,5 Prozent nicht das Hauptaugenmerk. Aus Sicht des BVK gefährdet zudem ein pauschaler Kostendeckel von 1,5 Prozent langfristig die Beratungsqualität und die wirtschaftliche Basis der Vermittlerbetriebe. Ein starres Kostenlimit ignoriert auch betriebswirtschaftliche Realitäten und greift in die Produktgestaltung ein. Ein Deckel setzt zudem Fehlanreize und mindert die Produktvielfalt.


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Wie kann ein reguliertes Altersvorsorgedepot so ausgestaltet werden, dass sowohl kostengünstige Kapitalanlage als auch persönliche Beratung ihren Platz haben – ohne dass Vermittler gegenüber Direktangeboten strukturell benachteiligt werden?

Heinz: Wir fordern, dass auch bei neuen, kapitalmarktorientierten Produkten – wie dem Altersvorsorgedepot – eine verpflichtende Beratung verankert bleibt, da Altersvorsorge komplex ist und Fehlentscheidungen schwerwiegende Folgen haben. Eine rein digitale oder unbegleitete Standardlösung ohne Beratung lehnt der BVK klar ab, weil sie Verbraucher überfordern und zu unpassenden Entscheidungen führen kann. Aber es ist auch die Frage, ob einer nachhaltigen Reform der privaten Altersvorsorge gedient ist, wenn Millionen von Vorsorgenden ein Standardprodukt und dazu noch ohne Beratung angeboten wird, das ihren Lebensverhältnissen und Zukunftswünschen nicht entsprechen wird.

Welche konkreten Änderungen am Konzept des Altersvorsorgedepots wären aus Ihrer Sicht notwendig, damit das Produkt tatsächlich mehr Menschen in die private Altersvorsorge bringt – und nicht die gleichen Akzeptanzprobleme bekommt wie Riester?

Heinz: Die Altersvorsorge sollte sich nicht auf das Altersvorsorgedepot allein beschränken, sondern die ganze Bandbreite von Vorsorgeprodukten wie etwa Fonds-, Renten und Lebensversicherungen beinhalten. Schließlich ist es nicht jedermanns Sache, sein Altersvorsorgevermögen an der volatilen Börse anzulegen und im Alter in sichere Assets umzuschichten, ganz abgesehen davon von der Frage, wie ein Altersvorsorgedepot das Langlebigkeitsrisiko abzusichern in der Lage sein wird. Die Produkte müssen zudem so kalkuliert sein, dass qualifizierte Beratung bezahlbar bleibt. Starre 1,5‑Prozent‑Limits verkennen die notwendige Beratungsintensität und bedrohen die Produktqualität. Der BVK kritisiert ausdrücklich die Idee eines „standardisierten Produktes ohne Beratung“. Altersvorsorge ist zu komplex, um sie als Massensparplan ohne persönliche Begleitung darzustellen. Eine verpflichtende Beratung ist ein entscheidender Akzeptanzfaktor. Auch Eingriffe wie die geplante Streckung der Abschlusskosten (Zillmerung) gefährden die betriebswirtschaftliche Basis der Vermittlerbetriebe und damit die Beratungsinfrastruktur.

DIe Fragen stellte Kim Brodtmann, Cash.


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