„Die Vorfälle verdeutlichen ein grundlegendes Problem: Das Sicherheitsbild vieler Unternehmen endet häufig bei der zentralen IT. Diese kann gut geschützt sein, während Wartungsanschlüsse oder separate Mobilfunkverbindungen direkte Zugänge zu betrieblichen Anlagen eröffnen. Ohne vollständige Transparenz über diese Verbindungen unterschätzen Unternehmen ihre tatsächliche Angriffsfläche.
Hinzu kommt die oft unklare Verantwortungsverteilung zwischen Herstellern, Wartungsdienstleistern und Betreibern. Jeder kontrolliert nur einen Teil der Anlage. Fehlt eine eindeutige Gesamtverantwortung, können Sicherheitslücken bestehen bleiben - die wirtschaftlichen Folgen trägt letztlich der Betreiber.
Besonders kritisch ist, dass viele Unternehmen ähnliche Steuerungen und technische Plattformen einsetzen. Ein einmal erfolgreicher Angriffsweg lässt sich dadurch potenziell über Unternehmens- und Landesgrenzen hinweg wiederholen. Aus einer einzelnen Schwachstelle kann so ein branchenweites Risiko werden.
Selbst wenn Sicherheitsupdates verfügbar sind, ist ihre Umsetzung nicht immer kurzfristig möglich. Wartungsfenster, lokale Zugangsanforderungen und die begrenzte Verfügbarkeit autorisierter Spezialisten können die Behebung verzögern. Sind viele Standorte gleichzeitig betroffen, wird die Wartungskapazität zum Engpass. Auch regulatorische Anforderungen müssen deshalb die praktische Umsetzung durch Anbieter und Betreiber berücksichtigen.
Entscheidend ist letztlich nicht nur, wie schnell sich eine Anlage technisch wiederherstellen lässt, sondern wie viel Zeit bis zum unumkehrbaren wirtschaftlichen Schaden bleibt. Verdorbene Lebensmittel oder ausgefallene Produktion lassen sich durch eine spätere Wiederherstellung nicht retten. Unternehmen müssen ihre Reaktionszeiten deshalb an den tatsächlichen betrieblichen Schadensgrenzen ausrichten. Welche Folgen dabei Priorität haben, ist eine Entscheidung der Geschäftsleitung.“
Autor Andrew Saula, Director of Cyber Risk bei Baobab Risk Solutions












