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Cyberangriffe mit KI: Neue Angriffsdynamik, altbekannte Lücken

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Ermittlerin im Profil vor leuchtenden Netzwerk-Monitoren in einem nächtlichen Cybercrime-Kontrollraum.
KI-generiertes Bild (OpenAI)
Die KI beschleunigt Cyberangriffe auf bekannte Schwachstellen.

Künstliche Intelligenz macht Cyberangriffe schneller und stärker automatisiert. Neue Angriffswege braucht sie dafür selten. Zahlen des Digitalverbands Bitkom zeigen, dass Schäden meist an altbekannten Lücken entstehen. Für Unternehmen verschiebt sich damit die entscheidende Frage. Von Tobias Mongelli

Künstliche Intelligenz (KI) macht Cyberangriffe schneller, automatisierter und skalierbarer. Dafür braucht es nicht zwangsläufig neue Angriffsmuster. Oft reichen bekannte Schwachstellen in Systemen, die bislang nicht ausreichend abgesichert sind. KI sorgt vor allem dafür, dass solche Lücken schneller und systematischer ausgenutzt werden können.

Entscheidend ist deshalb weniger, wer angreift oder wie ein Angriff erfolgt, sondern wie gut ein Unternehmen als Ziel aufgestellt ist - und wie sich das eigene Risiko frühzeitig erkennen, reduzieren und absichern lässt.

Die neue Dynamik beginnt bei bekannten Schwachstellen

Cyberangriffe sind für Unternehmen längst ein bekanntes Risiko. 58 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben in den vergangenen zwölf Monaten einen Schaden durch Cyberangriffe erlitten. Für Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage insgesamt beziffert Bitkom den Schaden 2026 auf 211 bis 270,8 Milliarden Euro. 76 Prozent davon entfallen auf Cyberattacken.


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Gleichzeitig verändert sich die Art, wie Angriffe ablaufen. Die aktuelle Bitkom-Studie zeigt ein zunehmendes Angriffsgeschehen und deutliche Anzeichen dafür, dass Künstliche Intelligenz die Angriffsmuster verändert.

Beide Entwicklungen gehören zunehmend zusammen: Das Schadenspotenzial von Cyberangriffen ist erheblich, während KI die Geschwindigkeit und Skalierbarkeit von Angriffen verändert. Die Frage ist deshalb nicht mehr nur, welche neuen Angriffsmethoden entstehen. Entscheidend ist auch, was passiert, wenn KI auf Schwachstellen in Unternehmen trifft.

KI macht bekannte Schwachstellen gefährlicher

Phishing, gestohlene Zugangsdaten, offene Sicherheitslücken oder Fehlkonfigurationen sind keine neuen Angriffspunkte. Künstliche Intelligenz verändert jedoch, wie schnell und systematisch Angreifer diese Schwachstellen ausnutzen können. Informationen lassen sich schneller auswerten und Angriffsschritte automatisieren.

Noch einen Schritt weiter gehen autonome KI-Agenten. Anders als “klassische” KI arbeiten sie nicht nur einzelne Befehle ab, sondern können Aufgaben selbstständig planen, ausführen und ihr Vorgehen anpassen. Im Cyberangriff bedeutet das: Das System kann auf Basis der vorgegebenen Ziele selbst entscheiden, welcher Schritt als Nächstes ausgeführt wird, ohne dass ein Angreifer jeden Vorgang einzeln steuern muss.

Wie weit die Automatisierung bereits reicht, zeigen dokumentierte Fälle aus 2026: In einem Angriff führte ein KI-System 17.000 einzelne Aktionen aus. Was sonst viele manuelle Arbeitsschritte erfordern würde, konnte damit weitgehend automatisiert ablaufen. Bei einem weiteren, im Juli 2026 bekannt gewordenen Angriff arbeiteten mehrere KI-Agenten parallel, identifizierten verwundbare Schnittstellen und suchten nach alternativen Angriffspfaden.

Die Schwachstellen selbst sind dabei oft nicht neu - neu ist die Geschwindigkeit, mit der sie ausgenutzt werden können. Genau das stellt Unternehmen vor eine neue Herausforderung: Wie schnell und effektiv können Lücken identifiziert und geschlossen werden, wenn Angreifer sie schneller finden und einfacher ausnutzen können.

Wo KI auf offene Türen trifft

Häufig treffen Angriffe auf Lücken, die im Unternehmen bereits vorhanden sind. Die aktuelle Bitkom-Studie zeigt, wo diese besonders häufig liegen: 59 Prozent der geschädigten Unternehmen nennen eine unzureichende Erkennung von Sicherheitsvorfällen als wichtigsten Grund dafür, dass ein Angriff zum Schaden führte. Es folgen Fehlkonfigurationen von IT-Systemen mit 57 Prozent und ein unzureichendes Identitäts- und Zugriffsmanagement mit 55 Prozent. Technische Schwachstellen nennen 50 Prozent.

Gerade diese bekannten Lücken können durch KI an Bedeutung gewinnen. Ein Angreifer muss nicht mehr jeden möglichen Zugang oder jede Fehlkonfiguration manuell prüfen. KI-gestützte Systeme können Informationen schneller auswerten, potenzielle Angriffspunkte identifizieren und mehrere Schritte miteinander verbinden. Je automatisierter dieser Prozess abläuft, desto weniger Zeit bleibt Unternehmen, einen Angriff zu erkennen und einzugreifen.

Das gilt besonders für Identitäten und Zugriffsrechte. Ein kompromittiertes Benutzerkonto kann zum Ausgangspunkt für weitere Schritte werden, wenn Berechtigungen zu weit reichen, Passwörter in Klartext gespeichert werden oder zusätzliche Schutzmechanismen fehlen. Die Schwachstelle ist also häufig bekannt. Was sich verändert, ist die Geschwindigkeit, mit der ein Angreifer sie findet und ausnutzt.

Die richtigen Türen schließen

Entscheidend ist deshalb, diese Einfallstore nicht nur technisch zu schließen, sondern das eigene Risikoprofil regelmäßig zu überprüfen.  Dazu gehören vor allem sichere Zugänge, aktuelle Systeme und klare Regeln für Berechtigungen. Auch Zahlungsprozesse sollten nach dem Vier-Augen-Prinzip abgesichert werden. Hierbei ist es besonders wichtig, die Kontodaten des Empfängers zu prüfen und im Zweifel mit diesem zu validieren, da Unternehmen häufig einem Zahlungsumleitungsbetrug zum Opfer fallen. Ergänzend helfen ein guter E-Mail-Schutz, eine sinnvolle Trennung von Netzwerken und die Überwachung auffälliger Aktivitäten.

Wie wichtig der Schutz von Zugängen ist, zeigt ein einfaches Beispiel: Wird ein Passwort durch eine Phishing-Mail abgegriffen, sollte es allein noch keinen Zugang zu den Unternehmenssystemen ermöglichen. Ein zusätzlicher Sicherheitsmechanismus prüft deshalb, ob sich tatsächlich die berechtigte Person anmeldet - etwa mithilfe eines kryptografischen Schlüssels, der auf dem Gerät oder einem separaten Sicherheitsschlüssel hinterlegt ist. Das gestohlene Passwort allein reicht dann nicht mehr aus.

Für die Risikosteuerung ist dabei entscheidend, solche Maßnahmen nicht einmalig umzusetzen, sondern regelmäßig auf ihre Funktion zu überprüfen. Eine Cyberversicherung kann diesen Prozess begleiten, indem sie über Zusatzleistungen Risiken und Schwachstellen sichtbar macht und Ansatzpunkte für konkrete Verbesserungen liefert. So lässt sich das Sicherheitsniveau Schritt für Schritt an die tatsächliche Risikolage des Unternehmens anpassen.

Nicht der Angreifer entscheidet über den Schaden

Wer das eigene Cyberrisiko steuern will, muss deshalb den Blick weg vom Angreifer und hin zur eigenen Abwehr richten. Welche Systeme sind besonders kritisch? Sind die Systeme per Netzwerksegmentierung getrennt? Wo bestehen Schwachstellen? Welche Zugänge sind besonders schützenswert? Und wie schnell kann ein Unternehmen reagieren, wenn Schutzmaßnahmen dennoch versagen? Genau hier kann eine Cyberversicherung mehr leisten als die reine finanzielle Absicherung eines Schadenfalls. Sie kann Teil einer aktiven Risikosteuerung sein. Im Mittelpunkt steht die Frage, wo die individuellen Schwachstellen eines Unternehmens liegen und welche Maßnahmen das Risiko konkret reduzieren können. Risikoanalysen, Sicherheitschecks und die gezielte Verbesserung technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen helfen dabei, die eigene Angriffsfläche systematisch zu verringern.

Gerade im Umgang mit KI gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Wenn Angreifer Schwachstellen schneller identifizieren und Angriffsschritte stärker automatisieren können, müssen Unternehmen ihr Sicherheitsniveau regelmäßig überprüfen und anpassen. Risikosteuerung wird damit zu einem fortlaufenden Prozess: Risiken erkennen, Schutzmaßnahmen verbessern und deren Wirksamkeit regelmäßig überprüfen. Kommt es trotz aller Prävention zu einem Angriff, ergänzt die Cyberversicherung die Vorsorge um die Unterstützung im Ernstfall. Ein rund um die Uhr erreichbares Incident-Response-Management kann dabei helfen, einen Vorfall schnell einzuordnen, einzudämmen und die nächsten Schritte einzuleiten. Die Cyberversicherung verbindet damit Risikosteuerung und Prävention mit finanzieller Absicherung und Unterstützung im Ernstfall. Entscheidend ist nicht, woher ein Angriff kommt, sondern wie gut das Unternehmen aufgestellt ist, wenn er kommt.

Tobias Mongelli ist als Senior Incident Response Manager und Forensiker bei Perseus Technologies GmbH tätig. Er verfügt über langjährige Erfahrung in Digitaler Forensik und Incident Response. Zuvor war er als Incident Responder und Forensiker und Co-Lead des Incident Response Teams der DACH Region bei Accenture Cybersecurity tätig.

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