Der Hackerangriff auf das Landesnetz der Berliner Verwaltung hat eine Debatte ausgelöst, die weit über die Hauptstadt hinausweist. Franziska Geier, Geschäftsführerin des Cyberversicherers Stoïk, sieht in dem Vorfall einen Beleg dafür, dass öffentliche Einrichtungen denselben Bedrohungen ausgesetzt sind wie privatwirtschaftliche Unternehmen – mit dem Unterschied, dass sie häufig noch sensiblere Bürgerdaten verwalten.
Nach Angaben des Berliner Senats waren bereits seit Anfang August Daten aus dem Landesnetz abgeflossen, bevor der Angriff überhaupt bemerkt wurde. Hinter dem Vorfall soll laut Berichten eine seit Jahren aktive Erpressergruppe stecken. Das Land Berlin hat eine Lösegeldforderung öffentlich bestätigt und zugleich erklärt, sich nicht erpressen zu lassen. Ob auch personenbezogene Daten betroffen sind, lässt sich nach aktuellem Stand nicht ausschließen.
„Der Hackerangriff auf das Landesnetz der Berliner Verwaltung zeigt, wie verwundbar öffentliche Einrichtungen sind“, sagt Geier. Für Bürgerinnen und Bürger, deren Daten möglicherweise kompromittiert wurden, können die Konsequenzen nach ihrer Einschätzung weitreichend sein.
Gestohlene Daten als Werkzeug für weiteren Betrug
Gelangen Zugangsdaten oder Passwörter in Umlauf, lassen sie sich nach Geiers Darstellung unmittelbar für Folgeangriffe missbrauchen oder über das Darknet verkaufen. Auch andere sensible Informationen – etwa Inhalte aus Bußgeldbescheiden oder Verwaltungsakten – eigneten sich für gezielten Identitätsbetrug. Kriminelle könnten damit im Namen Betroffener auftreten, Verträge abschließen oder mit vermeintlichem Insiderwissen gezielt Druck auf einzelne Bürger oder Mitarbeiter ausüben.
„Für Makler und Versicherer wird das damit früh zu einem wichtigen Beratungsthema“, sagt Geier. Die Geschäftsführerin sieht in dem Berliner Vorfall Anlass, Cyberrisiken bei öffentlichen Auftraggebern stärker in den Beratungsfokus zu rücken. Prävention und schnelle Reaktion im Ernstfall seien gerade für Kommunen und Verwaltungen entscheidend, die regelmäßig mit sensiblen Daten arbeiteten, betont Geier. Regelmäßige Sicherheitsprüfungen könnten helfen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und zu schließen, bevor Angreifer sie ausnutzen.
Schnelle Reaktion als kritischer Erfolgsfaktor
Kommt es dennoch zu einem Vorfall, müsse unbefugter Zugriff zügig unterbunden und betroffene Systeme müssten isoliert werden. Stoïk hält nach eigenen Angaben ein hausinternes CERT rund um die Uhr bereit und passt das Bedingungswerk laufend an neue Bedrohungslagen an, damit der Versicherungsschutz mit der aktuellen Risikolage Schritt halte.
„Vorfälle wie dieser machen deutlich, dass Verwaltungen und Kommunen dieselben Risiken tragen wie Unternehmen, teils sogar mit sensibleren Daten der Bürger“, sagt Geier. Das Unternehmen versichert nach eigenen Angaben öffentliche Einrichtungen und Kommunen. Verantwortliche in Verwaltungen sollten nach Auffassung von Geier das Thema Cyberrisiko ernst nehmen und frühzeitig auf eine Kombination aus technischer Prävention und passendem Versicherungsschutz setzen.













