Die Wald-Kolumne: Mehrwert Finanzberatung

Dr. Matthias Wald
Foto: Aaron Leithaeuser
Matthias Wald, Swiss Life Deutschland

Über die fünf wichtigsten Erkenntnisse des Swiss-Life-Vorsorgereports. Kolumne von Dr. Matthias Wald, Swiss Life


Der jährliche Swiss-Life-Vorsorgereport zeigt, wie wichtig eine qualitative hochwertige und für alle verfügbare Finanzberatung ist: 32 Prozent der Befragten gaben an, überhaupt nicht in ihre Altersvorsorge zu investieren. Hier sind die Beratenden gefragt, um diese große Gruppe der Bevölkerung vor flächendeckender Altersarmut zu schützen. Denn die Sorge vor Altersarmut ist real. 52 Prozent der Befragten gaben an, Angst vor fehlenden Finanzmitteln im Ruhestand zu haben. Das Thema ist präsent, aber es scheint Hürden zu geben, dass trotzdem ein großer Teil nicht aktiv wird. In dieser Ausgabe beleuchte ich die die fünf wichtigsten Erkenntnisse des Reports und welchen Mehrwert die Finanzberatung schafft.

Der Vorsorgereport untersucht das Spar- und Anlageverhalten der Menschen auf Basis von Kundendaten von Swiss Life Deutschland und einer korrespondierenden sowie repräsentativen Marktforschung durch YouGov. In dieser Ausgabe wurde die Entwicklung des Vorsorgeverhaltens der letzten Dekade und der letzten 18 Monate im Kontext der hohen Inflation und Zinswende betrachtet.

Leider investieren Frauen weniger in ihre finanzielle Zukunft als Männer. Ungleiche Verdienstmöglichkeiten und die Übernahme von Familienpflichten sind nur einige Faktoren, die dazu beitragen. Für Frauen bedeutet das meist weniger Einkommen und damit weniger Möglichkeiten, Geld für ihre spätere Lebensphase anzusparen. Im Ruhestand rächt sich das doppelt. Keine Vorsorge ist also keine Option, denn schon mit kleineren Beiträgen kann einiges bewirkt werden. Darum ist es wichtig, Frauen für das Thema zu gewinnen und ihnen Chancen zur Stärkung ihrer finanziellen Unabhängigkeit aufzuzeigen.

Es liegt auch an der Gesellschaft, das Bewusstsein für die Bedeutung der Altersvorsorge von Frauen zu schärfen und eine inklusivere Finanzkultur zu schaffen. Dabei ist auch die Gewinnung weiblicher Talente für die Finanzbranche ein wichtiger Faktor. Finanzen sind Vertrauenssache und darum ist es wichtig, dass die Kundinnen und Kunden die Möglichkeit haben, den oder die für sich am besten passende/n Finanzberater/-in zu wählen. Positiv zu sehen ist, dass die Beratung mittlerweile frühzeitiger in Anspruch genommen wird. Sicherlich auch dadurch bedingt, dass mehr junge Menschen den Beruf als Finanzberaterin oder Finanzberater für sich als sinnstiftenden Karriereweg erkannt haben und einen guten Zugang zu ihren Kundinnen und Kunden finden. Die Kundschaft wird aber nicht nur jünger, sondern erkennt auch neue Chancen für sich.

Chancen für die junge Generation

Die Aktienkultur in Deutschland ist seit jeher eher schwach ausgeprägt. Aber in den letzten Jahren hat sich das etwas verändert und ein bemerkenswerter Trend ist zu beobachten: Immer mehr junge Menschen entscheiden sich dafür, in Aktien zu investieren. Diese Verschiebung im Investorenprofil bringt eine neue Dynamik in den Finanzmarkt und bietet gleichzeitig spannende Chancen für die junge Generation. Ein Faktor dafür ist sicherlich die Zugänglichkeit des Marktes. Jede und jeder kann mittlerweile über Apps Aktienhandel betreiben. Doch um nachhaltig Rendite zu erzielen, braucht es das entsprechende Know-how. Daher ist aus meiner Sicht ein weiterer wichtiger Faktor die Finanzberatung. Die Finanzberaterinnen und Finanzberater schaffen Verständnis für diese Anlageform, zeigen Chancen auf und machen aber gleichzeitig transparent auf die Risiken aufmerksam. Mit einem individuellen Anlageplan, der auf den Zielen, der Risikobereitschaft und den finanziellen Möglichkeiten der Kundin oder des Kunden basiert, wird ein guter Einstieg geschaffen.

Es ist ermutigend zu sehen, dass die Jüngeren sich aktiv mit ihren Finanzen auseinandersetzen und Verantwortung für ihre finanzielle Zukunft übernehmen. Und es ist auch wichtig, dass aktiv neue Wege gegangen werden, da konservativere Optionen mit 100 Prozent Garantie stark an Attraktivität verloren haben.

Seit Jahren sind Riesterverträge ein fester Bestandteil der Altersvorsorge in Deutschland. Seit dem letzten Jahr und der erneuten Rechnungszinssenkung ist die Zahl der abgeschlossenen Riesterverträge aber stark rückläufig. Der Rechnungszins betrug zeitweise 4 Prozent, wurde jedoch aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase mehrmals gesenkt (aktuell 0,25 Prozent). Diese drastische Senkung hat zu einem Umdenken bei den potenziellen Riester-Sparerinnen und -sparern geführt. Riester ist den allermeisten ein Begriff und war auch ein beliebtes Altersvorsorgeprodukt, gerade bei Frauen. Im Vergleich zu anderen Anlageformen wie beispielsweise privaten Rentenversicherungen oder Fondssparplänen erscheint vielen die Riesterrente aber nicht mehr rentabel genug. Die Rentabilität ist zwar bei anderen Produkten meist höher, aber eben auch die Komplexität. Daher müssen nicht nur die Vorteile, sondern auch die Nachteile beleuchtet werden. Darum ist viel Aufklärungsarbeit zu leisten, damit die Menschen flächendeckend privat vorsorgen. Denn die wenigsten werden etwas abschließen, das sie nicht verstehen. Und gerade in der aktuellen Phase ist es umso wichtiger, sich finanziell für die Zukunft abzusichern.

Boom beim Bausparen

Die steigenden Preise für Waren und Dienstleistungen belasten die finanzielle Situation vieler Haushalte. Eine Reaktion auf die Mehrausgaben sind Einsparungen an anderer Stelle. Bei der Altersvorsorge zu sparen wäre aber fatal. Darum wird gerade in einer solchen Phase die Bedeutung einer qualifizierten Finanzberatung für die Sicherung einer selbstbestimmten Zukunft noch deutlicher. Eine der größten Herausforderungen bei hoher Inflation ist es, den Wert der Ersparnisse langfristig zu erhalten. Das, was heute ausreichend erscheint, kann in einigen Jahren möglicherweise nicht mehr genug sein, um den Lebensstandard im Ruhestand aufrechtzuerhalten. Beratung ist daher wichtig, der Kundschaft die Auswirkungen der Inflation auf ihre Altersvorsorge zu verdeutlichen und für weitsichtige Maßnahmen zu werben. Die Beratenden können bei der Gestaltung einer inflationsgeschützten Vorsorge unterstützen, die den individuellen Herausforderungen gerecht wird. Unter anderem durch das frühzeitige Erkennen von Marktchancen, wie die Entwicklung beim Bausparen zeigt.

Seit einiger Zeit erleben wir einen bemerkenswerten Boom beim Bausparen, der durch den Anstieg des Leitzinses ausgelöst wurde. Das Bausparen bietet eine attraktive Kombination aus Spar- und Kreditkomponenten. Durch regelmäßiges Sparen wird Eigenkapital aufgebaut, das später als Grundlage für die Finanzierung einer Immobilie dienen kann. Gleichzeitig sichert man sich durch den Abschluss eines Bausparvertrags bereits heute niedrige Zinsen für die Zukunft. Der aktuelle Boom des Bausparens ist aber nicht nur ein Resultat des Anstiegs des Leitzinses, sondern auch das Ergebnis einer vorausschauenden Finanzberatung. Das Produkt war viele Jahre unattraktiv und in gerade in der jüngeren Generation vermutlich weitestgehend unbekannt. Genau diese Möglichkeit und Chance zu erkennen, schafft für die Kundinnen und Kunden einen echten Mehrwert. Breit aufgestellte Finanzvertriebe greifen auch auf ein Netzwerk von Immobilienexpertinnen und -experten zurück und können mit ihrem Branchen- und Marktverständnis unmittelbar unterstützen, indem sie Marktprognosen antizipieren und auf ein umfangreiches Portfolio von Angeboten zurückgreifen oder alternative Anlageformen ermitteln und dazu beitragen, Risiken für Kunden abzufedern, wie zum Beispiel einen zu schnellen Zinsanstieg, der verhindern kann, dass sie ihre Träume von der eigenen Immobilie verwirklichen können.

Die Beratenden unterstützen ihre Kundinnen und Kunden dabei ihre individuellen finanziellen Ziele zu definieren und anschließend mit maßgeschneiderten Lösungen, diese auch zu erreichen. Damit schaffen sie für die Kundinnen und Kunden langfristig finanzielle Stabilität, Sicherheit und Wohlstand. Gleichzeitig vermitteln die Beratenden Finanzwissen und helfen dabei, eine finanzielle Kompetenz aufzubauen. Das ist elementar für die Vorsorge in Deutschland. Denn nur wenn die Menschen die Wichtigkeit privater Vorsorge erkennen und ermutigt sowie befähigt werden selbst aktiv zu werden, können wir flächendeckende Altersarmut nachhaltig verhindern.

Matthias Wald ist Leiter Vertrieb Swiss Life Deutschland und Vorstand des Votum-Verbands.

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