Das Geldvermögen der Deutschen nähert sich der 10-Billionen-Euro-Marke, das entspricht einer 10 mit zwölf Nullen. Mit 14 Millionen Menschen war die Aktienkultur hierzulande niemals ausgeprägter als heute und zahlreiche Leitindizes – also wichtige Börsenbarometer wie der deutsche DAX oder der globale MSCI World – markieren neue All-Time-Highs, sprich: die Kurse stehen so hoch wie nie zuvor. Diese Rekord-Zahlen vermitteln Optimismus und Leichtigkeit in Bezug auf Investitionsentscheidungen an den Kapitalmärkten, mahnen jedoch gleichzeitig zu einer kritischen Überprüfung des eigenen Risikomanagements – also der Frage: Wie viel Verlust könnte ich im Ernstfall verkraften?
Der Anteil der Menschen in Deutschland im Alter ab 14 Jahren, die in Aktien oder Aktienfonds bzw. ETFs investiert sind, ist seit seinem Tief zur Eurokrise 2010 mit ca. 13 % auf mittlerweile rund 20 % gewachsen. Das bedeutet: Jede fünfte Person in Deutschland investiert heute an der Börse, vor 15 Jahren war es noch jede achte. Insbesondere die Gruppe der 14-39-jährigen Anlegerinnen und Anleger ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, begleitet durch die einfache Verfügbarkeit und mediale Präsenz von ETF-Investments – Fonds, die automatisch einen ganzen Marktindex nachbilden und sich besonders für Einsteigende eignen. Im Umkehrschluss ist ein großer Teil des deutschen Geldvermögens jedoch noch immer in klassischen Zinsprodukten wie Tagesgeld oder Sparbuch geparkt – mit dem Risiko, dass die Rendite nicht mit der Inflation Schritt hält und das Geld dadurch Jahr für Jahr real an Kaufkraft verliert.
Eine hauseigene Erhebung in der Zielgruppe aktiver Anlegerinnen und Anleger im Alter von 20-40 Jahren hat gezeigt, dass 75 % der Befragten lieber auf Sicherheit und Planbarkeit setzen als auf maximale Rendite. Verlässlichkeit schlägt Hochrisiko. Nur 7 % sind sehr risikobereit, und für zwei Drittel der Befragten ist eine professionelle Unterstützung bei Marktschwankungen wichtig. Dies ist umso bedeutsamer, da in den vergangenen 15 Jahren die stärksten Markteinbrüche in Leitindizes wie dem DAX oder dem MSCI World „lediglich“ 25 % beziehungsweise 20 % verbuchten. Wer also 10.000 Euro investiert hatte, verlor zwischenzeitlich bis zu 2.500 Euro. Größere Marktverwerfungen – also heftigere Börsencrashs – beispielsweise infolge der geplatzten Dotcom-Blase (2000) oder der globalen Finanzkrise (2007/2008) ließen die Indizes hingegen um 52-68 % einbrechen, also mehr als doppelt so stark – ein Verlust von bis zu 6.800 Euro auf dieselben 10.000 Euro –, während die heutige Generation junger Anlegerinnen und Anleger noch keine aktive Erfahrung damit gesammelt hat.
Eine gute, persönliche Finanzberatung – idealerweise eine, die Menschen durch ihr gesamtes Leben begleitet – bedeutet daher weit mehr als die Auswahl der richtigen Finanzprodukte. Sie umfasst auch die Rolle als Sparringspartner in turbulenten Zeiten: Wer hilft mir, während eines Börsencrashs einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht panisch zu verkaufen? Die Wissenschaft nennt diesen Einfluss von Gefühlen auf Finanzentscheidungen „Behavioral Finance“ – und er ist einer der häufigsten Gründe, warum Anlegerinnen und Anleger trotz guter Produkte schlechtere Ergebnisse erzielen als möglich wäre.
Investieren in Zeiten historischer Höchststände ist daher weniger eine Frage des Bauchgefühls oder der Angst, den richtigen Moment zu verpassen, sondern vielmehr eine strategische Entscheidung für einen robusten und stabilen Finanzplan, der auch über künftige Krisen hinweg Bestand haben sollte – unabhängig davon, was die Märkte als nächstes tun.
Autor Dr. Matthias Wald ist Leiter Finanzvertriebe bei Swiss Life Deutschland.













