Wo stehen wir heute beim Thema Multi Asset, nach Jahren der Konsolidierung, Zinswende und geopolitischer Unsicherheiten?
Hemmer: Die Marktzahlen zeigen klar: Seit rund anderthalb Jahren geht es im Bereich Multi-Asset wieder bergauf. Nach einer langen Phase negativer Mittelabflüsse sehen wir nun wieder deutliche Zuflüsse. Das hängt mit mehreren Faktoren zusammen – unter anderem mit den gestiegenen Zinsen und der Suche nach stabiler Performance. Allerdings muss man sagen: Der Bedarf war nie weg. Nur die Produktperformance hatte enttäuscht. Viele Anleger erwarteten mehr Stabilität, als die Märkte hergaben. Gleichzeitig haben Modellportfolios oder ETF-Konstrukte zeitweise die Rolle klassischer Multi-Asset-Fonds übernommen. Aber das ändert sich wieder. Gerade im Vermittlermarkt spüren wir: Die Nachfrage nach langfristig soliden Strategien – besonders für die Altersvorsorge – ist wieder da. Multi Asset bleibt eine Allzwecklösung, wenn man Performance und Regulierungsausgleich miteinander verbinden will.
Ulbricht: Das deckt sich mit unseren Beobachtungen. Mischfonds machen bei uns immer noch etwa 20 Prozent des Gesamtbestands aus – trotz einer leichten Verschiebung hin zu ETFs und anderen Produktlinien. Die Ukraine-Krise und der Zinsanstieg haben sicher für Verunsicherung gesorgt, doch entscheidend ist: Es kommt auf das Produkt an. Manche Strategien litten stark unter der Zinswende, andere konnten profitieren. Entscheidend ist die Mischung. Wir halten Multi Asset weiterhin für ein wichtiges Segment – als Beimischung oder auch als Basisbaustein. Und ja, die positive Tendenz der letzten anderthalb Jahre spüren wir ebenfalls.
Berisha: Ich würde beiden zustimmen, aber mit einer Ergänzung: Der Bedarf ist da, doch wir müssen als Branche besser erklären, wofür Multi Asset heute steht. Das Allheilmittel „ETF“ kann langfristig keine alleinige Antwort sein. In der Altersvorsorge, wo Kunden 20 oder 30 Jahre vorausplanen, brauchen wir Strategien, die Chancen und Risiken ausbalancieren. Wir arbeiten seit über 20 Jahren rein quantitativ – also systembasiert – und konnten dadurch die turbulenten Marktphasen der letzten Jahre recht gut meistern. Für mich ist klar: Aktive Fonds werden weiterhin gebraucht. Und Multi Asset ist dafür ein ideales Feld.
Welche Rolle sollte Multi Asset künftig spielen – über die Altersvorsorge hinaus?
Ulbricht: Im Bereich langfristiger Anlagen, etwa bei Long-Term Investment Funds (LTIFs), ist Multi-Asset gerade für Retail-Kunden ein hervorragender Einstieg. Ein zu früher Fokus auf nur eine Assetklasse – sei es Aktien, Anleihen oder Infrastruktur – wäre falsch. Bei liquiden Produkten ist Multi Asset zudem eine komfortable Lösung: entweder als Basisinvestment oder als Ersatz einer Vermögensverwaltung. Wichtig ist, dass der Berater im Kundengespräch genau weiß, welche Funktion das Produkt erfüllt. Und natürlich: ETFs sind kein Allheilmittel. Entscheidend ist das Gesamtportfolio – und die Beratung dazu.
Hemmer: Ich sehe das ähnlich. Multi Asset öffnet den Zugang zu professioneller Vermögensverwaltung – auch für kleinere Anleger. Ein Anleger kann mit kleinen Sparbeiträgen im Monat an Strategien teilhaben, die sonst nur wohlhabenden Kunden offenstehen. Darum sehe ich Multi Asset als Basisinvestment, gerade in der Altersvorsorge. Aber auch Family Offices schätzen die Flexibilität solcher Konzepte, besonders wenn sie unconstrained gemanagt werden.
Berisha: Das ist ein wichtiger Punkt. Viele Privatanleger erwarten Erträge, aber möglichst ohne Kosten. Diese Rechnung geht nicht auf. Aktives Management kostet – aber es liefert auch Mehrwert. Wir sehen das besonders im Anleihebereich: In den letzten drei Jahren haben aktive Manager hier enorme Outperformance erzielt. Multi-Asset-Strategien, die aktive Elemente enthalten, werden wieder stärker gefragt sein.

Verluste laufen zu lassen und Gewinne
zu begrenzen. Reaktive KI, richtig eingesetzt, schützt uns vor diesen Fehlern.“
Wenn die Märkte steigen, braucht man doch gar kein aktives Management, oder?
Hemmer: Das ist ein klassischer Trugschluss. Die letzten zehn Jahre waren von Liquidität und Zinspolitik geprägt – das war ein „einfacher“ Markt. Doch in Phasen des Umbruchs, wie wir sie derzeit erleben, zeigt sich der Wert des aktiven Managements. Ein Beispiel: Der MSCI-Index verlor an einem Tag 16 Prozent – ein passiver Anleger teilt diesen Verlust, während ein aktiver Anleger die größten Auswirkungen abwenden konnte. Dies zeigt, wer aktiv Risiken managt und begrenzt. Solche Wendepunkte verdeutlichen, dass aktives Management unerlässlich ist, aber nicht nur in volatilen Zeiten sinnvoll ist. Aktives Management ermöglicht Portfoliodiversifizierung, Zugang zu schwer zugänglichen Vermögenswerten und natürlich die Chance, in jedem Marktumfeld eine Outperformance zu erzielen.
Darüber hinaus erleben wir derzeit erneut größere Unsicherheit – geopolitisch, makroökonomisch und technologisch. Der KI-Hype und die Fokussierung auf wenige Technologieaktien zeigen: Breite Diversifizierung und fundierte Recherche sind wichtiger denn je.
Wenn die Märkte steigen, braucht man doch gar kein aktives Management, oder?
Hemmer: Das ist ein klassischer Trugschluss. Die letzten zehn Jahre waren von Liquidität und Zinspolitik geprägt – das war ein „einfacher“ Markt. Doch in Phasen des Umbruchs, wie wir sie derzeit erleben, zeigt sich der Wert des aktiven Managements. Ein Beispiel: Der MSCI-Index verlor an einem Tag 16 Prozent – ein passiver Anleger teilt diesen Verlust, während ein aktiver Anleger die größten Auswirkungen abwenden konnte. Dies zeigt, wer aktiv Risiken managt und begrenzt. Solche Wendepunkte verdeutlichen, dass aktives Management unerlässlich ist, aber nicht nur in volatilen Zeiten sinnvoll ist. Aktives Management ermöglicht Portfoliodiversifizierung, Zugang zu schwer zugänglichen Vermögenswerten und natürlich die Chance, in jedem Marktumfeld eine Outperformance zu erzielen.
Darüber hinaus erleben wir derzeit erneut größere Unsicherheit – geopolitisch, makroökonomisch und technologisch. Der KI-Hype und die Fokussierung auf wenige Technologieaktien zeigen: Breite Diversifizierung und fundierte Recherche sind wichtiger denn je.
Ulbricht: 2022 war ein Jahr, das viele Strategien auf den Prüfstand stellte. Der alte Reflex „Steigt Butter, steigt Käse“ – also: Laufen Aktien, laufen auch Anleihen – funktionierte nicht mehr. Deshalb ist Allokation das A und O. Strategische und taktische Steuerung sind wichtiger als je zuvor. ETFs sind kein Ersatz für aktives Management. Sie funktionieren in Aufwärtsphasen, können aber in fallendenMärkten auch Verluste verstärken.
Berisha: Und das Jahr 2022 hat auch gezeigt, dass Flexibilität entscheidend ist. Ein System, das auf Marktsignale reagiert, konnte rechtzeitig aussteigen. Wir haben in jener Phase mit unseren quantitativen Modellen ein Minus von nur vier bis zehn Prozent verbucht – trotz der schwierigen Märkte. Multi-Asset-Produkte müssen flexibel sein, um zwischen Anlageklassen zu wechseln. Nur so lassen sich Risiken abfedern.
Wie steuern Sie das konkret? Zum Beispiel beim Thema Duration?
Berisha: Unsere Modelle sind so aufgebaut, dass sie selbst erkennen, wann umgeschichtet werden muss.. Wir handeln einmal pro Woche – die Duration ändert sich also dynamisch. In Phasen wie 2022 war das entscheidend: Wir konnten rechtzeitig Risiko abbauen. Unsere Datenbasis umfasst rund 10.000 Investmentideen, aktiv wie passiv. Diese Datenmenge kann ein Mensch kaum verarbeiten. Genau hier liegt die Stärke systematischer Modelle.
Hemmer: Wir steuern Duration sehr aktiv – zwischen minus 4 und plus 10 Jahren. Negative Duration ist kein theoretisches Konzept, wir setzen sie tatsächlich ein. Denn die größte Gefahr sehen wir weiterhin in der Inflation. Deshalb agieren wir derzeit sehr vorsichtig. Solch aktives Management rechtfertigt auch die Management-Fee. Flexibilität und Erfahrung sind entscheidend – vor allem, wenn man in Sekunden reagieren muss.
Ulbricht: Das ist genau der Punkt: Aktives Rentenmanagement ist heute wichtiger denn je. Unternehmensanleihen, Staatsanleihen, Laufzeiten – all das verändert sich rasend schnell. Wer hier starr investiert bleibt, verliert.

Viele Multi-Asset-Fonds sind sehr komplex. Verstehen Vermittler überhaupt, was in diesen Produkten steckt?
Ulbricht: Deshalb haben sie uns. Wir analysieren die Fonds, prüfen die Zusammensetzung und stellen den Beratern über Tools wie Depotauswertungen oder Top-Fonds-Listen transparente Informationen zur Verfügung. Ich bin kein Freund überkomplexer Konstruktionen. Man muss Produkte verständlich halten – auch aus Haftungsgründen. Unsere Aufgabe ist, dem Berater Orientierung zu geben, damit er seine Kunden gut beraten kann.
Hemmer: Multi-Asset kann sowohl Basisinvestment als auch Beimischung sein. Entscheidend ist, dass das Produkt transparent ist. Wenn ich als Anbieter meinen Investmentprozess nachvollziehbar erkläre, gewinne ich Vertrauen. Gerade nach einigen „Krisenprodukten“ der Vergangenheit sind Berater vorsichtiger geworden. Transparenz ist heute die wichtigste Währung.
Wenn man auf das aktuelle Marktumfeld blickt – Zinsen, Geopolitik, USA, Trump, Social Media –, wie positioniert man sich da richtig?
Ulbricht: Wir leben seit Jahren mit permanenten Störgeräuschen – politisch, wirtschaftlich, kommunikativ. Trotzdem steht der Markt, wo er steht. Viele wundern sich darüber. Doch man darf sich nicht täuschen: Buy and Hold funktioniert heute nicht mehr so einfach. Wir sind vermutlich im letzten Drittel eines langen Marktzyklus. Das spricht für aktives Management und Risikokontrolle. Themen wie Überalterung, veränderte Anlegerstrukturen und konjunkturelle Abkühlung zwingen uns, Strategien anzupassen.
Hemmer: Wir müssen jeden Tag neu entscheiden. Früher konnte man langfristige Prognosen machen, heute ist tägliches Monitoring entscheidend. Viele gängige Korrelationen funktionieren nicht mehr – etwa zwischen Aktien und Anleihen. Selbst klassische „sicheren Häfen“ wie US-Dollar oder Staatsanleihen versagen phasenweise. Daher braucht es Manager, die aktiv reagieren. Statische Modelle reichen nicht mehr aus.
Das Stichwort KI ist mehrfach gefallen. Wie nutzen Sie Künstliche Intelligenz im Portfoliomanagement?
Berisha: Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit quantitativen, algorithmusbasierten Modellen. Das ist im Grunde klassische KI – nur nannte man es früher nicht so. Unser System lernt nicht selbstständig, sondern folgt klaren, vordefinierten Regeln. Wir wissen jederzeit, warum eine Entscheidung getroffen wurde. Momentum-getrieben investieren wir dort, wo Trends nach oben zeigen – und steigen aus, wenn sie kippen. Das funktioniert seit Jahren stabil.
Hemmer: Wir sprechen intern lieber von Augmented Intelligence – also von KI als Unterstützung, nicht als Ersatz menschlicher Entscheidungen. Zum einen nutzen wir KI, um Prozesse zu beschleunigen: Datenanalyse, Sentiment-Erkennung, Marktkorrelationen. Zum anderen ist KI selbst ein großes Investmentthema. Technologien, die unseren Alltag verändern – von automatisierten Services bis zu Demografie-Assistenzsystemen –, eröffnen enorme Chancen. Natürlich wird auf diesem Weg auch viel Geld verbrannt werden. Aber wer Gewinner und Verlierer identifizieren kann, wird profitieren.
Ulbricht: KI hilft uns im Tagesgeschäft, etwa bei Zahlenaufbereitung oder Research. Doch die finale Investmententscheidung bleibt bei uns Menschen. Ich glaube, das wird auch noch lange so bleiben – allein aus regulatorischen Gründen.
Berisha: Ich sehe das etwas anders. Wir haben bewusst entschieden, den Menschen nicht das letzte Wort zu lassen. Unsere Systeme handeln strikt nach Regeln – ohne emotionale Eingriffe. Denn wir Menschen neigen dazu, Verluste laufen zu lassen und Gewinne zu begrenzen. Reaktive KI, richtig eingesetzt, schützt uns vor diesen Fehlern.
Wiederholt sich Geschichte denn?
Berisha: Immer. Ich fühle mich derzeit ein bisschen wie in den späten 1990ern – damals konnte man auch kaum etwas falsch machen, bis der Neue Markt kam. Es gibt Parallelen: Euphorie, Technologieromantik, Bewertungsblasen.
Ulbricht: Ja, nur ist der Markt heute liquider. Damals gab es keine Derivate, keine Short-Positionen. Heute ist alles handelbar – das stabilisiert ein Stück weit, birgt aber auch Risiken.
Berisha: Und: Wir sind mit Informationen überflutet. Die Frage ist, ob wir Menschen überhaupt noch in der Lage sind, diese Daten sinnvoll zu verarbeiten. Regelbasiertes Vorgehen kann dabei helfen eine Zahlenflut emotionslos zu analysieren und so möglichst rationale Entscheidungen zu treffen.
Hemmer: KI wird vieles vereinfachen – aber sie kann keine Beratung ersetzen. Wenn ein Anleger ChatGPT fragt, wie er 10.000 Euro investieren soll, bekommt er vielleicht einen ETF-Mix, aber keine individuelle Einordnung seiner Situation. Genau hier bleibt der Mensch unersetzlich. Gute Berater haben heute Hochkonjunktur, weil die Märkte komplexer sind als je zuvor.
Ulbricht: Das sehen wir genauso. Unsere Berater fordern Transparenz, Schulung und Unterstützung – und sie bekommen sie. Webinare, Fondsmanager-Gespräche, Marktupdates. Das ist Servicequalität, und sie kostet Geld.
Berisha: Ja, und das wird oft vergessen. Wir konkurrieren mit günstigen ETFs und werden am MSCI World gemessen. Das ist absurd, denn Multi-Asset ist eben nicht 100 Prozent Aktien. Aber der Kostendruck ist real – und die Aufklärung umso wichtiger.

Welche Innovationen sehen Sie im Multi-Asset-Segment?
Hemmer: Wir haben unser Patrimoine-Team neu aufgestellt und die Methodik stark verändert. Das klingt nach klassischem Multi Asset, ist aber inhaltlich völlig anders – mit mehr Derivateeinsatz und aktivem Overlay-Management. Außerdem sehen wir Chancen im Bereich Emerging Markets Multi Asset – noch klein, aber mit großem Potenzial.
Berisha: Für uns ist die Integration von Kryptowährungen eine der spannendsten Entwicklungen. Seit Ende 2023 dürfen wir bis zu zehn Prozent eines Fonds in Krypto-ETPs investieren – mit sehr positiven Ergebnissen. Natürlich in homöopathischen Dosen, aber es diversifiziert und stabilisiert.
Ulbricht: Wir bleiben skeptisch gegenüber Krypto – nicht aus Desinteresse, sondern aus Überzeugung. Die hohen Schwankungen und fehlende regulatorische Stabilität machen sie (noch) nicht zu einem verlässlichen Bestandteil für die breite Altersvorsorgestrategie.
Wie groß ist der Preisdruck verglichen mit ETFs?
Hemmer: Für uns gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wir konkurrieren in Märkten, in denen passive Produkte nicht mithalten können, wie Multi-Asset-, Renten- oder alternative Anlagen, oder wir erzielen im Aktienbereich herausragende Ergebnisse. Im Multi-Asset-Sektor spüren wir den Druck weniger stark, da hier Service, Beratung und aktives Management entscheidend sind. Wer klar kommuniziert und Ergebnisse liefert, kann dem Preisdruck entgehen.
Berisha: Trotzdem werden wir natürlich verglichen – oft unfair. Der ETF-Hype ist riesig, aber langfristig werden sich die echten Mehrwerte zeigen. Aktives Management ist wieder auf dem Vormarsch, weil es in schwierigen Märkten schlicht notwendig ist.
Ulbricht: Und das muss auch bezahlt werden. Beratung, Transparenz und Risikomanagement sind Qualitätsmerkmale – keine Kostenfaktoren
Berisha: Was mich derzeit wirklich ärgert, ist die „Value for Money“-Diskussion der BaFin. Ich verstehe das Ziel, aber nicht die Umsetzung. Die Regulatorik fokussiert sich auf kurzfristige Kosten, anstatt langfristige Performance und Kundennutzen zu bewerten. Das führt zu falschen Anreizen und bevorzugt ETFs, die kurzfristig billig wirken, aber langfristig nicht immer sinnvoll sind.
Hemmer: Da bin ich ganz bei Ihnen. Wir haben den Regulierungs-Peak erreicht – 2024 war auf der DKM erstmals wieder mehr Produkt- als Paragraphendiskussion. Vielleicht geht es langsam wieder in die richtige Richtung.
Sollte die Politik die Fondsbranche stärker in die geplante Reform der Altersvorsorge einbeziehen?
Hemmer: Ich hoffe es. Die Eigenverantwortung der Bürger muss im Mittelpunkt stehen. Fondsbasierte Vorsorge ist der richtige Weg – steuerlich einfach und langfristig transparent. Andere Länder machen es vor.
Berisha: Ich bin skeptisch. Wir waren schon einmal weiter. Aber ich fürchte, es wird wieder ein Kompromiss, der ETFs bevorzugt und die Vielfalt der Anbieter einschränkt.
Ulbricht: Riester war verbrannt, PEP ist wieder da – die Geschichte wiederholt sich. Entscheidend wäre, endlich einfache Rahmenbedingungen zu schaffen.
Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten ein bis zwei Jahre für Multi Asset?
Hemmer: Kurzfristig wird KI der Markttreiber bleiben – mit allen Übertreibungen. Mittelfristig bis langfristig sehe ich die USA wieder stärker werden, gestützt durch kluge Notenbankpolitik. Außerdem lohnt der Blick nach Asien: China und andere Tech-Regionen bieten Chancen, die in klassischen Indizes kaum abgebildet sind.
Ulbricht: Ich rechne mit einer Konsolidierungsphase. Die KI-Story ist noch nicht vorbei, aber die Luft wird dünner. Vorsicht ist geboten – insbesondere bei hoch bewerteten Technologiewerten. Wir bevorzugen aktuell kurze Laufzeiten und Laufzeitfonds auf der Zinsseite.
Berisha: Ich stimme zu: Selektivität ist das Gebot der Stunde. KI steht erst am Anfang, aber die Märkte übertreiben. Wer Risiken aktiv steuert, wird profitieren.
Hemmer: Wir erleben epochale Veränderungen. Die USA haben durch weniger Regulierung klare Vorteile – in Europa bremsen Datenschutz und Bürokratie Innovationen. Das Beispiel Apple zeigt, wie weit Technik gehen könnte – wenn sie denn dürfte. Aber: Europa hat das Know-how. Es fehlt nur der Mut, schneller zu handeln. Wir dürfen uns von Bürokratie nicht selbst lähmen.
Ulbricht: Absolut. Es gibt in Europa exzellente Ansätze – in Spanien und Italien. Diese Länder entwickeln sich besser, als viele denken. Deutschland ist zu skeptisch, zu verkopft. Wir müssen wieder pragmatischer werden.
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