EZB lässt Leitzinsen stehen, Bauzinsen ziehen dennoch an

Jörg Utecht
Foto: Interhyp/Andreas Pohlmann, Tobias Lug
Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe

Die EZB hält die Leitzinsen stabil, doch für Immobilienkäufer steigen die Finanzierungskosten weiter. Entscheidend ist derzeit nicht der Blick nach Frankfurt, sondern an den Kapitalmarkt.

Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Für Immobilienkäufer ist diese Entscheidung jedoch nur bedingt relevant. Nach Einschätzung von Interhyp kommt es für die Entwicklung der Bauzinsen derzeit vor allem auf den Kapitalmarkt an.

Im Mittelpunkt steht dabei die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe. Sie gilt als wichtiger Orientierungswert für Immobilienkredite mit längerer Zinsbindung. Steigt sie, verteuern sich in der Regel auch Baufinanzierungen. Genau diese Bewegung ist zuletzt zu beobachten gewesen.

„Viele Kundinnen und Kunden warten auf ein Signal der EZB, doch für die Baufinanzierung sind die Entwicklungen am Kapitalmarkt relevanter“, erklärt Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe. „Während der Leitzins stagniert, sehen wir bei den Bauzinsen eine spürbare Aufwärtsbewegung auf im Schnitt fast 3,8 Prozent für zehnjährige Darlehen. Grund ist der Anstieg der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die aufgrund von Inflationssorgen zuletzt deutlich angezogen hat.“


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Wie hoch der persönliche Kreditzins ausfällt, hängt neben dem Marktumfeld vor allem vom Eigenkapital ab. Wer mit hohem Beleihungsauslauf finanziert und also wenig eigenes Kapital einbringt, muss sich bei zehnjährigen Darlehen inzwischen wieder auf Zinsen von mehr als vier Prozent einstellen.

Interhyp rechnet trotz der EZB-Entscheidung mittel- bis langfristig mit einem volatilen Umfeld auf erhöhtem Niveau. Utecht ordnet die Lage so ein: „Das aktuelle Zinsumfeld wird stärker von der Geopolitik und den Inflationserwartungen geprägt als von der EZB-Geldpolitik. Mein Rat an Kaufinteressierte: Wer eine passende Immobilie gefunden hat, sollte nicht auf einen baldigen Zinsabschwung spekulieren“.

Aus Sicht des Unternehmens gewinnen Beratung und Angebotsvergleich damit weiter an Bedeutung. „In einer so dynamischen Phase wie aktuell sind persönliche Beratung und der Vergleich von Angeboten wichtiger denn je. Wir beobachten aktuell, dass bei schnell ansteigenden Zinsen die Schere zwischen günstigeren und teureren Darlehen besonders weit auseinandergeht. Wer hier individuell vergleicht, findet oft Lösungen für das eigene Finanzierungsvorhaben.“

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