Das Bundeswirtschaftsministerium hat einen Referentenentwurf mit Stand 12. Oktober 2026 vorgelegt. Er regelt den Aufbau einer nationalen Gasreserve. Das Dokument stammt aus dem Ministerium von Katherina Reiche (CDU). Es sieht vor, die Reserve über eine Umlage auf Gaskunden zu finanzieren. Hintergrund ist auch der niedrige Gasspeicher-Füllstand: Am 13. Oktober 2026 waren die deutschen Speicher laut Bundesnetzagentur nur zu 60,3 Prozent gefüllt, deutlich weniger als in den Vorjahren.
Mit der Entscheidung für die Umlage wählt das Ministerium eine von zwei möglichen Finanzierungsvarianten aus. Reiche hatte im Sommer 2026 noch offengehalten, ob die Gaskunden oder der Bundeshaushalt die Reserve finanzieren; auch ein Mischmodell stand zur Debatte.
Was der Gesetzentwurf für die neue Gasreserve vorsieht
Die vorgesehene Reserve soll einen Umfang von 24 Milliarden Kilowattstunden umfassen, umgerechnet 24 Terawattstunden. Das entspricht rund zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität. Eine Sprecherin des Ministeriums hatte dieses Volumen bereits Anfang Juli 2026 angekündigt. Dem Entwurf zufolge soll die Menge genügen, um den Wegfall der wichtigsten deutschen Gasimport-Infrastruktur rund 30 Tage lang zu kompensieren.
„Die Gasreserve dient der Krisenvorsorge für Extremfälle, Sabotage und seltene Großereignisse“, heißt es im Entwurf. Die Reserve darf demnach erst genutzt werden, sobald die Bundesnetzagentur gemäß Gasnotfallplan die Notfallstufe erklärt - also ausschließlich in einer akuten Krisensituation. Der Aufbau selbst soll nach der geplanten Gesetzesänderung erst 2027 beginnen.
So viel sollen Gaskunden zahlen
Laut Entwurf fallen für die Reserve in den ersten zehn Jahren jährliche Kosten zwischen 247 und 308 Millionen Euro an. Finanzieren sollen diese Summe die Gaskunden über die neue Umlage. Für Privathaushalte bleibt die zusätzliche Belastung überschaubar, wie die folgende Übersicht zeigt.
| Haushaltsart | Verbrauch pro Jahr | Zusätzliche Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Wohnung im Mehrfamilienhaus | rund 13.000 Kilowattstunden | 3,77 Euro |
| Einfamilienhaus | rund 20.000 Kilowattstunden | 7,20 Euro |
Zum Vergleich: Die vorherige Gasspeicherumlage belief sich auf etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde und lief zum Jahreswechsel 2025/2026 aus. Die eingesparten Beträge mussten die Versorger ab Januar 2026 an ihre Kunden durchreichen. Den dadurch entstehenden Einnahmeausfall soll der Klima- und Transformationsfonds ausgleichen.
Niedriger Gasspeicher-Füllstand nährt Zweifel am Zeitplan
Der Gasspeicher-Füllstand liegt in diesem Jahr deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. Laut Gasspeicherfüllstandsverordnung müsste eigentlich bis zum 1. November jeder Speicher zu 80 Prozent gefüllt sein - ein Wert, der laut Branchenberichten 2026 nicht erreicht wird. Für sechs Porenspeicher, darunter Rehden und Uelsen, gilt ein reduzierter Zielwert von 45 Prozent. Zuvor lag die Vorgabe bei 90 Prozent.
Die Bundesnetzagentur bewertet die Gasversorgung trotz des niedrigen Gasspeicher-Füllstands als stabil und sieht die Versorgungssicherheit als gewährleistet an. Nach aktuellem Kenntnisstand hält sie das Risiko einer angespannten Versorgungslage für gering. Seit dem 1. Juli 2025 gilt im Gasnotfallplan die Frühwarnstufe.
Energiepolitiker sehen das kritischer. „Die angedachte Befüllung im nächsten Jahr kommt für diesen Winter zu spät. Hier droht erneut eine Zitterpartie“, sagt Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen und früherer Staatssekretär.
Patrick Graichen, von 2021 bis 2023 Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, geht davon aus, dass private Speichernutzer die Speicher in diesem Jahr nicht befüllen und der Staat am Ende einspringen muss. Zudem warnt er davor, sich bei leerlaufenden Speichern im kommenden Winter Erpressungsversuchen von US-Präsident Donald Trump auszuliefern.
Österreich ist bei der Gasreserve schon weiter
Verglichen mit anderen Ländern erscheint das deutsche Vorgehen langsam: Österreich unterhält schon jetzt eine strategische Gasreserve von rund 20 Terawattstunden. Sie ist mit jährlich rund 38,75 Millionen Euro deutlich günstiger kalkuliert als das deutsche Modell und bereits einsatzbereit. Die deutsche Reserve hingegen wird frühestens zur Wintersaison 2027/28 bereitstehen.
Industriekunden sollen den größeren Anteil tragen
Von den veranschlagten Jahreskosten zwischen 247 und 308 Millionen Euro sollen Industriekunden den größeren Anteil übernehmen. Für die laufende Heizperiode ändert der Entwurf ohnehin nichts: Maßgeblich bleibt zunächst der aktuelle Gasspeicher-Füllstand, denn der Aufbau der Reserve beginnt erst 2027.
Sebastian Heinermann, der die Energiespeicher-Initiative INES leitet, erinnert daran, dass die Gasknappheit 2022 rund neun Milliarden Euro an Kosten nach sich zog. Deshalb hält er eine Reserve für wirtschaftlich sinnvoll.













