Seit 2015 haben sich die Preise für deutschen Strom, Brent-Rohöl und europäisches Erdgas je nach Marktphase sehr unterschiedlich gemeinsam bewegt. Im Mittelpunkt der Analyse stehen nicht die absoluten Preisniveaus, sondern die Frage, wie eng die drei Märkte in Phasen erhöhter Belastung miteinander verknüpft sind. Verglichen werden dabei unter anderem der Ölpreisverfall 2015 und 2016, die europäische Energiekrise 2022 und 2023 sowie der Konflikt mit dem Iran mit ruhigeren Marktphasen.
Das auffälligste Muster zeigt sich beim Verhältnis von Strom und Gas. In normalen Zeiten ist die Korrelation vergleichsweise schwach. Nimmt der Energiestress zu, steigt sie jedoch deutlich an. Der Grund liegt in der Struktur des europäischen Strommarkts: In angespannten Phasen setzen häufig Gaskraftwerke den Grenzpreis. Preisschocks am Gasmarkt schlagen dann direkt auf die Grenzkosten der Stromerzeugung und damit auf den Strompreis durch.
Trotzdem bleibt die Korrelation auch in Krisenzeiten klar unter eins. Strompreise hängen nicht nur an Brennstoffkosten, sondern auch an wetterabhängiger Nachfrage, der Einspeisung erneuerbarer Energien, der Verfügbarkeit von Kraftwerken, Netzengpässen und regulatorischen Eingriffen. Diese Faktoren dämpfen die direkte Kopplung an den Gasmarkt.
Strommarkt reagiert in Krisen sensibler auf Gas
Hinzu kommt ein struktureller Wandel. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Rückbau konventioneller Kapazitäten ist die Volatilität am Strommarkt tendenziell gestiegen. Auch höhere System- und Absicherungskosten haben dazu beigetragen, dass Strompreise unter Druck bleiben, selbst wenn Gas langfristig an Bedeutung verlieren dürfte.
Deutlich schwächer ist dagegen der Zusammenhang zwischen Strom- und Ölpreisen. Brent ist kein maßgeblicher Inputfaktor für die europäische Stromerzeugung. Entsprechend wirkt Öl vor allem indirekt auf den Strommarkt, etwa über Inflationserwartungen oder allgemeine Risikoaufschläge an den Rohstoffmärkten. Eine enge direkte Kopplung ist deshalb auch in Krisenzeiten nicht zu erkennen.
Moderater fällt der Effekt zwischen Öl und Gas aus. In Stressphasen steigt ihre Korrelation zwar an, was auf gemeinsame Risiko- und Energiefaktoren wie geopolitische Schocks oder eine breitere Neubewertung von Energieknappheit hindeutet. Die unterschiedlichen regionalen und fundamentalen Treiber beider Märkte bleiben jedoch bestehen. Martin Moryson, Global Head of Economics, formuliert es so: „Die Energiekrise hat gezeigt, dass Gas kurzfristig weiterhin der entscheidende Preissetzer am Strommarkt ist – auch wenn der langfristige Trend klar in Richtung erneuerbarer Energien geht.“














