Wie hat sich der Residential-Markt dort seit der „Zinswende“ im Frühjahr 2022 entwickelt und wo steht er heute?

weiterhin zweigleisig aufgestellt.“ / Foto: Marc Oeder
von Wiedebach-Nostitz: Seit der Zinswende im Frühjahr 2022 verzeichnen wir im US-Residential-Markt eine deutliche Anpassung der Bewertungsniveaus. Die Cap Rates für Class-A-Apartmentanlagen, also das Verhältnis von Netto-Jahresmiete zu Kaufpreis, sind infolge der Leitzinserhöhungen der FED von rund 4,3 Anfang 2022 auf etwa 5,0 bis 5,5 Prozent, je nach Standort, Ende 2025 gestiegen – ein Niveau, das wir auch für unsere aktuellen Kalkulationen zugrunde legen. Trotz des herausfordernden Umfelds nutzt BVT aktiv Marktchancen: 2025 konnten wir mit dem bislang größten Projekt der Serie mit 386 Apartments und einem Investitionsvolumen von rund 141 Millionen US-Dollar einen wichtigen Ankauf realisieren; ein weiterer Projektankauf in Boston ist in Vorbereitung. Auf der Verkaufsseite haben wir Ende Januar eine große Apartmentanlage mit 366 Apartments bei Washington mit einer zweistelligen Rendite auf Projektebene veräußert, ein weiterer Verkauf ist in Umsetzung. Damit beläuft sich das Transaktionsvolumen in diesem Jahr bereits auf rund 250 Millionen US-Dollar – und weitere Verkäufe sind für 2026 geplant.
Welche Rolle spielen dabei die Politik von US-Präsident Donald Trump und die generelle politische Entwicklung in den USA?
von Wiedebach-Nostitz: Die USA setzen politisch stark auf Wachstum und Innovation, insbesondere in KI, Gesundheitstechnologie und Energieinfrastruktur, unterstützt durch umfangreiche staatliche Investitionsprogramme. Dies schafft neue Jobs, zieht qualifizierte Arbeitskräfte in Ballungsräume und stärkt die US-Wirtschaft als führenden Technologie und Produktionsstandort bei gleichzeitig unternehmensfreundlichem Umfeld. Das überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum und die verbesserten Fundamentaldaten, insbesondere das nach wie vor hohe Bevölkerungswachstum, führen dazu, dass US-Wohnimmobilien langfristig von stabiler Nachfrage und attraktivem Mietertragspotenzial profitieren.
Wie ist die Platzierung Ihrer US-Residential-Fonds in 2025 insgesamt gelaufen und was planen Sie für 2026?
von Wiedebach-Nostitz: Trotz des herausfordernden Marktumfelds konnten wir im letzten Jahr einen Publikumsfonds und ein Private Placement für institutionelle und semiprofessionelle Investoren erfolgreich ausplatzieren. Aktuell ist der Publikumsfonds BVT Residential USA 21 im Vertrieb, außerdem soll ein weiterer, nach luxemburgischem Recht strukturierter Fonds für institutionelle Investoren an den Start gehen.
Inwiefern unterscheidet sich der BVT Residential USA 21, den Sie unlängst in den Vertrieb gebracht haben, von den vorherigen Publikumsfonds der Serie?
von Wiedebach-Nostitz: Auch der neue Fonds setzt das seit über 20 Jahren bewährte Residential-Konzept fort. Wichtig für uns war jedoch, die neue Generation unserer BVT Residential Fonds als Artikel 8 Fonds gemäß Offenlegungsverordnung zu konzipieren und emittieren. Die ESG-Themen spielen bei unseren Anlegern eine immer wichtigere Rolle und gewinnen auch im Rahmen unserer Projektentwicklungen in den USA zunehmend an Bedeutung.
Mit einem Einzelkonzept für einen institutionellen Investor hat BVT kürzlich in ein Bürogebäude in Köln investiert. Sind auch wieder Publikumsfonds mit deutschen Immobilien geplant?
von Wiedebach-Nostitz: Die Assetklasse Immobilien Deutschland befindet sich aus unserer Sicht derzeit in einer Phase der Neuorientierung. Für institutionelle Investoren, die Investments umfassend prüfen können, haben wir unser Angebot gezielt weiterentwickelt und verzeichnen mit unseren Exklusiv-Konzeptionen der Ertragswertfondsserie eine sehr positive Resonanz – insbesondere im Depot-A-Bereich von Bankenpartnern. Auch in diesem Jahr sind weitere Spezial-AIF der Serie in Vorbereitung. Für die Auflage von Publikumsfonds sehen wir derzeit noch keine ausreichend breite Investorenbasis bei Privatkunden.
Sie haben daneben auf das Potenzial von Batteriespeichern als Schlüsseltechnologie für die Energiewende hingewiesen. Inwieweit planen Sie hier die Auflage von Fonds?
von Wiedebach-Nostitz: Batteriespeicher sind das Bindeglied zwischen erneuerbarer Erzeugung, Netzstabilität und Marktmechanismen und entwickeln sich zu einer eigenständigen Infrastruktur-Assetklasse mit langfristigem Potenzial. Für langfristig orientierte Sachwertstrategien sehen wir in Batteriespeichern einen attraktiven Baustein. Entsprechend prüfen wir aktuell, wie sich dieses Thema für Fondsvehikel umsetzen lässt – auch für Privatanleger. Mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energien und Infrastruktur und einem sehr erfahrenen und gut vernetzten Asset-Management-Team sehe ich unser Haus hier als einen prädestinierten Partner.
Über welche Vertriebsschienen platziert BVT die Publikumsfonds? Welchen Stellenwert hat insbesondere der 34f-Vertrieb?
von Wiedebach-Nostitz: Unsere Publikumsfonds werden klassischerweise im B2B-Vertrieb platziert. Dabei setzen wir auf die langjährige Zusammenarbeit mit zahlreichen 34f-Vertrieben, die für uns einen hohen Stellenwert haben. Ergänzend bieten wir Beratern eine digitale Zeichnungsmöglichkeit, die den Vertrieb zusätzlich erleichtert. Dass dieses Konzept erfolgreich ist, zeigt sich unter anderem am letzten Residential-Publikumsfonds, der trotz herausfordernden Marktumfelds stark nachgefragt war – rund 90 Platzierungspartner, darunter auch mehrere neue, waren aktiv beteiligt.
Planen Sie diesbezüglich Veränderungen der Schwerpunkte?
von Wiedebach-Nostitz: Nein.
Welche Rolle spielen Digitalisierung und insbesondere künstliche Intelligenz (KI) für Ihr Unternehmen und die Fonds beziehungsweise welche Ziele streben Sie in dieser Richtung an?
von Wiedebach-Nostitz: Digitalisierung und KI spielen für uns eine zentrale Rolle. Wir arbeiten intensiv daran, diese Technologien gezielt in unseren Prozessen und Fondsstrukturen einzusetzen – von der Analyse und Auswahl von Investments bis hin zur Optimierung im Asset Management und der Anlegerkommunikation. Unser Ziel ist es, uns in diesem Bereich als eines der führenden Häuser zu positionieren und die Chancen der digitalen Transformation konsequent für unsere Anleger zu nutzen.
Welches sind die längerfristigen strategischen Ziele der BVT – vielleicht nicht gleich für die nächsten 50, aber für die kommenden fünf bis zehn Jahre?
von Wiedebach-Nostitz: Strategisch bleibt BVT produktseitig breit und weiterhin zweigleisig aufgestellt: Wir halten auch künftig an Publikumsfonds fest und berücksichtigen damit sowohl den Retail-Bereich als auch institutionelle Investoren in unserer Ausrichtung. Gleichzeitig wollen wir unser Haus im Bereich Human Resources weiter professionalisieren und unsere Position als einerseits verlässlicher und langfristig orientierter, aber gleichzeitig auch innovativer Anbieter durchdachter Sachwertanlagen weiter stärken.












