Kostenloses Altersvorsorgedepot: Warum Experten vor dem Kleingedruckten warnen

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Finanzberaterin erklärt älterem Paar ein Vertragsdokument an einem Tisch
Bild: KI-generiert
Trade Republic macht das Altersvorsorgedepot 2027 kostenlos - Experten warnen: Die Kostenfreiheit ist nicht garantiert.

Trade Republic bietet das neue Altersvorsorgedepot 2027 ab Start komplett kostenlos an - ohne Depotgebühren, ohne Kosten für ETF-Sparpläne. Verbraucherschützer und Fachleute warnen jedoch: Die Kostenfreiheit ist freiwillig und nicht vertraglich garantiert. Was das für Sparer vor dem Start zum 1. Januar 2027 bedeutet.

Trade Republic verzichtet beim neuen, staatlich geförderten Altersvorsorgedepot 2027 von Anfang an auf sämtliche Gebühren. Das gab der Neobroker am 13. Oktober 2026 in einer Unternehmensmitteilung bekannt. Weder für die Depotführung noch für die Ausführung von ETF-Sparplänen sollen Kosten anfallen. Das Produkt selbst ist beschlossene Sache: Zum 1. Januar 2027 ersetzt es die bisherige Riester-Förderung.

Für ausgewählte ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard erstattet das Unternehmen zusätzlich die laufenden Produktkosten. Die Erstattung soll künftig monatlich statt quartalsweise erfolgen. Co-CEO Christian Hecker begründet den Schritt damit, dass bei mehr als 50 ETFs keine Fondskosten mehr anfielen. Die Summen fließen laut Unternehmen monatlich zurück in die Depots, sodass jeder Euro den Kunden zugutekommt. Trade Republic zählt nach eigenen Angaben weltweit mehr als zehn Millionen Kunden, davon rund fünf Millionen in Deutschland. Damit gilt das Unternehmen als größter Neobroker Europas.

Das Altersvorsorgedepot 2027 als Riester-Nachfolger

Den gesetzlichen Rahmen hatte der Bundestag bereits am 27. März 2026 beschlossen. Dem Altersvorsorgereformgesetz stimmten CDU/CSU und SPD zu, Die Linke votierte dagegen. AfD und Grüne enthielten sich, wie aus dem Textarchiv des Bundestags hervorgeht. Anders als die Riester-Förderung setzt das Altersvorsorgedepot auf die freie Anlage am Kapitalmarkt, kombiniert mit einer staatlichen Zulage. Für das öffentliche Standarddepot gilt zudem ein gesetzlicher Kostendeckel. Mehr als 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr sind nicht erlaubt. Ursprünglich waren 1,5 Prozent vorgesehen. Auch beim Anbieterwechsel zieht das Gesetz eine Grenze. Wer in den ersten fünf Vertragsjahren wechselt, zahlt je Seite höchstens 150 Euro. Ab dem sechsten Jahr ist der Wechsel kostenlos.

Die staatliche Förderung im Überblick

Beim Altersvorsorgedepot 2027 richtet sich die Förderhöhe nach dem Eigenbeitrag. Die Grundzulage beträgt 50 Cent für jeden eingezahlten Euro, solange der Eigenbeitrag 360 Euro im Jahr nicht übersteigt. Danach reduziert sie sich auf 25 Cent je Euro - und das gilt, solange der Eigenbeitrag 1.800 Euro nicht überschreitet. In der Spitze ergibt das bis zu 540 Euro pro Jahr. Mindestens 120 Euro jährlich muss ein Sparer einzahlen, um überhaupt gefördert zu werden. Zusätzlich gibt es eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro je Kind und Jahr. Wer den Vertrag vor dem 25. Geburtstag abschließt, erhält außerdem einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus.

Altersvorsorgedepot 2027 im Anbietervergleich: Trade Republic gegen Scalable Capital

Wie viele ETFs Trade Republic tatsächlich von Kosten befreit, beziffern Medien unterschiedlich. Das Fachportal extraETF spricht von 51 Fonds, davon 39 Aktien- und zwölf Anleihe-ETFs. Börse Online nennt dagegen lediglich „mehrere Dutzend“ und verzichtet auf eine konkrete Liste. Mit dem Angebot tritt Trade Republic gegen Scalable Capital an. Der Wettbewerber stellt beim eigenen Altersvorsorgedepot 16 ETFs kostenfrei. Auf das Standarddepot erhebt er bis Ende 2027 keine Kosten, danach maximal 0,15 Prozent.


Das könnte Sie auch interessieren:

AnbieterKostenfreie ETFsKosten StandarddepotWechselgebühr (erste fünf Jahre)
Trade Republic51 laut extraETF / „mehrere Dutzend“ laut Börse Online0 Prozent (freiwillige Zusage)bis zu 150 Euro pro Seite
Scalable Capital16bis Ende 2027 kostenfrei, danach höchstens 0,15 Prozenthöchstens 150 Euro je Seite
Gesetzlicher Rahmen-höchstens 1,0 Prozent Effektivkostenhöchstens 150 Euro je Seite, ab dem sechsten Jahr gebührenfrei

Der Haken: Kostenlos ist ein Versprechen, keine Garantie

Genau hier setzt die Kritik der Verbraucherschützer an. Die Erstattung der Fondskosten ist nach Medienberichten eine freiwillige Zusage und vertraglich nicht dauerhaft fixiert. Einen Rechtsanspruch auf eine unbegrenzte Fortführung dieser Konditionen haben Kunden deshalb nicht. Hecker selbst bezeichnet das kostenlose Altersvorsorgedepot als langfristiges Versprechen - „so wie die Zinsen“. Man verdiene damit kein Geld, verliere aber auch keines; die Konditionen seien nicht nur Marketing. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht dennoch eine Vertriebsstrategie: „Mit dem Abschluss eines Altersvorsorgedepots wird man ohnehin Kunde bei einer Bank. Er möchte Kunden binden, ihnen weitere Finanzprodukte verkaufen und einen späteren Wechsel unbequemer machen.“

Rechenbeispiel: Verivox und DIA uneins über den Nutzen

Wie stark sich geförderte und freie Anlage über ein Erwerbsleben unterscheiden können, hat das Vergleichsportal Verivox beispielhaft berechnet. Die Annahmen: Einstieg mit 25 Jahren, 150 Euro Sparrate im Monat, 7,5 Prozent Rendite. Bis zum 67. Lebensjahr kämen so rund 496.000 Euro zusammen - in einem nahezu kostenfreien ETF-Sparplan ohne staatliche Förderung. Im geförderten Altersvorsorgedepot 2027 blieben dagegen nur rund 111.000 Euro übrig, gerechnet mit dem gesetzlich zulässigen Höchstsatz von 1,0 Prozent. Rund 16.000 Euro fließen in dieser Rechnung als Kosten ab.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge widerspricht der Modellrechnung. Institutsvertreter Dr. Peter Schwark stellt klar: „Ein kostenfreies ETF-Depot existiert in der Realität nicht.“ Reale ETF-Kosten lägen typischerweise zwischen 0,2 und 0,5 Prozent im Jahr. Verivox lasse außerdem die Abgeltungsteuer im ungeförderten Vergleichsdepot komplett unberücksichtigt.

Wissenslücken bremsen die Nachfrage

Wie wenig Sparer über das neue Produkt wissen, zeigt eine YouGov-Erhebung im Auftrag von Commerzbank und comdirect. YouGov befragte dafür zwischen dem 30. Juli und dem 3. August 2026 insgesamt 1.517 Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren. 38 Prozent halten es für sehr oder eher wahrscheinlich, selbst ein Altersvorsorgedepot zu eröffnen. Von den 935 Personen, denen das Produkt bekannt war, gaben jedoch 56 Prozent an, sich schlecht oder überhaupt nicht informiert zu fühlen. Hecker bestätigt ebenfalls, dass in der Bevölkerung noch zu große Wissenslücken zum Altersvorsorgedepot bestehen. Daran müsse gearbeitet werden.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments