Neobanken wie Trade Republic, Scalable oder Revolut haben sich in den vergangenen Jahren fest im deutschen Markt etabliert. Besonders im Wertpapiergeschäft greifen Anleger zunehmend zu den schlanken, kostengünstigen Angeboten der digitalen Anbieter. Eine aktuelle Befragung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (Diva) in Kooperation mit Insa Consulere zeigt: Von den rund 2.000 im Juli befragten Bürgerinnen und Bürgern gaben mehr als die Hälfte an, ein Wertpapierdepot zu besitzen. Von diesen nutzt bereits jeder zweite auch einen Neobroker.
Vor allem jüngere Generationen sind treue Kunden der digitalen Banken. In der Gruppe der unter 29-Jährigen liegt der Anteil bei fast 60 Prozent, bei den unter 49-Jährigen bei ähnlich hohen Werten. Selbst bei den über 65-Jährigen vertraut noch jeder zehnte Depotbesitzer einem Neobroker. Für Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des Diva, ist diese Entwicklung bemerkenswert: „Neobanken sind erst seit knapp zehn Jahren am Markt. Die Vollbanklizenz erhielt etwa Trade Republic Ende 2023. Offensichtlich treffen Neobanken den Nerv der Menschen, wenn es um ihre Bankgeschäfte geht.“
Die größte Bewährungsprobe steht jedoch noch bevor. Ab Sommer 2026 wird das „Payment-for-Order-Flow“-Modell verboten, das bisher eine zentrale Einnahmequelle der Neobroker darstellt. Die Rückvergütungen von Handelsplätzen machten einen Großteil der Erlöse aus. Mit dem Wegfall dieses Geschäftsmodells müssen die Anbieter nach alternativen Ertragsquellen suchen. Gebührenerhöhungen könnten ihre Wettbewerbsposition schwächen, der Eigenhandel birgt Interessenkonflikte und könnte die Aufsicht auf den Plan rufen. „Die Karten im Wettbewerb werden durch das Verbot ganz neu gemischt, möglicherweise wandern Trümpfe zurück in die Hände der etablierten Anbieter“, sagt Heuser.