EXTRA Betriebliche Altersversorgung: Noch mal nachschleifen

Foto: Panthermedia
Der Berliner Reichstag

In Berlin steht die nächste bAV-Reform an, unter anderem soll die Förderung für Geringverdiener verbessert werden. Was halten die Versicherer davon?

Die Erwartungen waren groß, als das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) im Jahr 2018 in Kraft trat. Mit zahlreichen Maßnahmen sollte die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in Deutschland verbessert werden. Für eine echte Zwischenbilanz des Gesetzes sei es noch zu früh, schrieb der Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV) im Jahr darauf, schließlich brauche jede Reform ihre Zeit, um zu wirken. Und sechs Jahre später?

Da fällt das Fazit der Branche eher verhalten aus. „Wir müssen beim BRSG unterscheiden zwischen dem Sozialpartnermodell auf der einen Seite und der alten bAV auf der anderen Seite“, erklärt Andreas Behrens, Senior Manager Sales Operations & Solutions bei Canada Life, beim Cash. Roundtable zum Thema bAV. Vom Sozialpartnermodell habe sich der Gesetzgeber mit Sicherheit mehr versprochen. Die Modelle, die es auf dem deutschen Markt gibt, könne man an einer Hand abzählen. „Die alte bAV hat meines Erachtens aber einen gewissen Schub durch das BRSG bekommen, zum Beispiel durch die steuerliche Erhöhung des Förderrahmens, die Förderung des Niedriglohnsektors mit der Paragraf-100-EstG-Förderung oder dem verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss“, sagt er. 

„Wir haben dadurch schon Auftrieb bekommen. Es hat auch allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geholfen, das ganze Thema präsenter zu machen“, ergänzt Pascal Baumüller, geschäftsführender Gesellschafter bei Valuniq Pension Consulting, schränkt aber auch ein: „Nichtsdestotrotz glaube ich, dass der Gesetzgeber sich da einen größeren Erfolg versprochen hatte, als wir ihn jetzt haben. Es dürfte also noch mal nachgeschliffen werden.“ Baumüller nennt ein aktuelles Beispiel: „Wir haben im Januar ein neues Mandat übernommen, einen Mittelständler mit mehr als 500 Mitarbeitern. Die haben, bis wir da waren, noch nie was von der bAV gehört. Und das im Jahr 2024. Es ist immer noch erschreckend, wie lange sich das auswirkt und wie lange das dauert.“

Jetzt steht die nächste bAV-Reform an, unter anderem soll die Förderung für Geringverdiener verbessert werden. Für Hubertus Harenberg, Bereichsleiter bAV & Branchenversorgung bei Swiss Life, ist das ein wichtiger Punkt, die Paragraf-100-Förderung müsse dynamisiert und erhöht werden. „Das ist ein ganz wichtiger Förderbaustein für Branchen, die in Deutschland auch für den Zusammenhalt sehr wichtig sind, insbesondere Gesundheit und Pflege. Außerdem wäre es wünschenswert, die Opting-out-Modelle zu vereinfachen“, sagt er. Ruven Simon, Leiter bAV Vertrieb bei der WWK, erhofft sich dagegen nicht so viel von der Politik: „Wir Versicherer würden gut daran tun, erstmal selbst das zu tun, was wir in der Hand haben, um das Geschäft zu forcieren.“

Dieser Artikel ist Teil des EXTRA bAV. Alle Artikel des EXTRA inklusive Roundtable finden Sie hier.

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