Orbital will Rechenzentren für künstliche Intelligenz in den Weltraum verlagern. Das Unternehmen entwickelt dafür Satelliten im niedrigen Erdorbit, die mit NVIDIA-basierten Servern ausgestattet sind und ihre Energie über Solarpaneele beziehen. Die Kühlung soll über Wärmestrahlung ins All erfolgen.
Nach Angaben des Unternehmens ist nicht mehr allein die Verfügbarkeit von Chips der Engpass für den Ausbau von KI-Infrastruktur, sondern vor allem der Strombedarf. Orbital setzt deshalb auf ein Modell, bei dem Energie nicht auf der Erde bezogen, sondern im Orbit erzeugt wird.
Unterstützung erhält das Unternehmen von a16z Speedrun. Die Finanzierung soll die erste Testmission „Orbital-1“ ermöglichen. Andrew Chen, General Partner bei a16z Speedrun, sagt: „Speedrun unterstützt Gründer dabei, ambitionierte Ideen zu verfolgen – je schwieriger das Problem, desto besser. Orbital nimmt sich mit einer mutigen und radikalen Idee der größten Einschränkung der KI an.“
KI-Inferenz statt Modelltraining
Orbital konzentriert sich nicht auf das Training großer KI-Modelle, sondern auf Inferenz. Der Grund liegt in den technischen Anforderungen: Das Training benötigt tausende eng gekoppelte GPUs mit nahezu null Latenz. Diese Architektur lässt sich nach Einschätzung des Unternehmens nicht sinnvoll auf Satelliten übertragen.
Bei der Inferenz sei die Ausgangslage anders. Einzelne Anfragen würden unabhängig verarbeitet und ließen sich deshalb auf viele Knoten verteilen. Genau dort sieht Orbital den Ansatzpunkt für eine Konstellation im All, die parallele KI-Workloads übernimmt.
CEO und Gründer Euwyn Poon sagt: „Der Fortschritt der KI wird durch das Stromnetz begrenzt. Die Wirtschaftlichkeit von Rechenzentren wird von Stromkosten und Kühlung dominiert – und beides wird schwieriger. Im Orbit ist Solarenergie kontinuierlich verfügbar, und Kühlung funktioniert grundlegend anders. Orbital baut eine Recheninfrastruktur, die diese Energiegrenze aufhebt und mit dem Potenzial der KI skaliert.“
Start mit Falcon 9 im April 2027
Der erste Satellit des Unternehmens soll im April 2027 mit einer SpaceX Falcon 9 starten. Mit „Orbital-1“ will das Unternehmen den dauerhaften Betrieb von GPUs im Orbit erproben, die Strahlenhärtung testen und nach erfolgreicher Validierung kommerzielle KI-Inferenz-Workloads im All ausführen. Parallel bereitet Orbital nach eigenen Angaben Anträge bei der US-Kommunikationsbehörde FCC für eine spätere Satellitenkonstellation vor.
Orbital hat zudem seine Forschungs- und Entwicklungsanlage „Factory-1“ in Los Angeles eröffnet. Von dort aus will das Unternehmen die technische Umsetzung seiner orbitalen Recheninfrastruktur vorantreiben.
Gegründet wurde Orbital von Euwyn Poon, einem an der Cornell University ausgebildeten Ingenieur und Juristen. Poon baute zuvor das Mikromobilitätsunternehmen Spin auf, das später von Ford übernommen wurde. Nach seinem Ausstieg investierte er in KI-Infrastruktur. Seine Einschätzung zur aktuellen Entwicklung formuliert er so: „Die Energiegrenze der KI ist keine Theorie – sie ist eine reale Beschränkung, die den Fortschritt von Intelligenz behindern wird. Das ist die Lösung.“
Orbital baut und betreibt GPU-Rechenzentren im niedrigen Erdorbit. Jeder Satellit beherbergt einen kleinen Cluster von NVIDIA Space-1 Vera Rubin GPUs, die durch Solarpaneele mit Energie versorgt und durch direkte Wärmeabstrahlung ins All gekühlt werden. Der erste Satellit, Orbital-1, startet im April 2027 an Bord einer SpaceX Falcon 9.












