Rechtliche Schritte gegen die Fed verhindern weitere proaktive geldpolitische Lockerungen

Foto: SmarterPix/niphon
Die Fed sieht keinen akuten Handlungsbedarf.

Nach kräftigen Zinssenkungen zum Jahresende dürfte die US-Notenbank im Januar innehalten. Robuste Konjunkturdaten und eine weiterhin erhöhte Inflation sprechen gegen weitere Schritte. Zugleich wächst der politische Druck auf die Fed – mit möglichen Folgen für ihre Geldpolitik.

Nach der aggressiven Zinssenkung im Dezember und einer kumulativen Lockerung um 75 Basispunkte in den letzten drei Sitzungen dürfte der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) im Januar eine abwartende Haltung einnehmen. Die jüngsten Makrodaten, darunter ein stärker als erwartetes BIP-Wachstum im dritten Quartal und ein Rückgang der Arbeitslosenquote im Dezember, deuten auf ein anhaltend robustes wirtschaftliches Umfeld hin. Während sich die Kernrate des Verbraucherpreisindexes im Jahresschlussquartal 2025 abschwächte, lag der von der Fed bevorzugte Preisindikator, die Kerninflation des PCE-Index, im November mit 2,8 % gegenüber Vorjahr weiterhin auf einem hohen Niveau. Infolge des Haushaltsstillstands sind diese Zahlen jedoch verzerrt und trüben weiterhin den Blick auf die tatsächliche Inflationsentwicklung. 


Das könnte Sie auch interessieren:

In ihrem im Dezember veröffentlichten Wirtschaftsausblick zeigten sich die geldpolitischen Entscheidungsträger optimistischer hinsichtlich der mittelfristigen Wirtschaftsaussichten. Deutliche Aufwärtskorrekturen der BIP-Wachstumserwartungen sowie moderate Abwärtskorrekturen der Arbeitslosen- und Inflationsprognosen spiegelten das wachsende Vertrauen in ein KI- und produktivitätsgetriebenes Goldilocks-Szenario wider. Doch selbst in diesem optimistischeren Umfeld deutete der durch die sogenannten Dot Plots vermittelte Leitzinspfad angesichts einer großen Bandbreite an Meinungen weiterhin auf Zinssenkungen um 25 Basispunkte sowohl im Jahr 2026 als auch 2027 hin. 

Trotz anhaltender Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt sprechen solide Makrodaten, der grundlegende Optimismus der Fed und eine weiterhin über dem Ziel liegende Inflation für eine Zinspause im Januar. Da das FOMC seine geldpolitische Haltung als „innerhalb einer Bandbreite plausibler neutraler Schätzungen“ ansieht und die finanziellen Rahmenbedingungen bereits wachstumsfördernd sind, dürfte Fed-Chef Powell davon absehen, weitere kurzfristige Zinssenkungen anzukündigen. Er wird sich jedoch vermutlich die Option für weitere Lockerungsmaßnahmen offenhalten wollen, falls sich das optimistische Makroszenario der Fed nicht bewahrheitet.

Angriff auf die Autonomie der Fed schließt die Tür für eine proaktivere Lockerung

Durch die Verladung der Fed durch das Justizministerium hat die US-Regierung die Spannungen mit der Notenbank zu einer rechtlichen Konfrontation eskaliert. Das Risiko einer strafrechtlichen Anklage im Zusammenhang mit der Senatsaussage von Fed-Chef Powell im Juni letzten Jahres zum Renovierungsprojekt des Fed-Hauptsitzes ist dadurch erhöht. Da diese Eskalation zusätzliche Risiken für die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Zentralbank mit sich bringt, könnten dies die geldpolitischen Entscheidungsträger motivieren, geschlossen aufzutreten und Einigkeit zu demonstrieren. Gleichzeitig dürften sie weniger geneigt sein, die Zinsen weiter zu senken, solange keine sichtbare Konjunkturschwäche vorliegt. Hinzu kommen Unsicherheiten hinsichtlich der Nominierung des neuen Fed-Vorsitzenden und die bevorstehende Entlassung von Fed-Gouverneur Lisa Cook.

Finanzmarkt-Auswirkungen der Geldpolitik könnten zunehmend eher von der Politik als von der Wirtschaft dominiert werden

Die Umstellung der Fed-Politik von einem bereits günstigen „Absicherungs-Zinssenkungszyklus” zu einem noch günstigeren Goldilocks-Szenario schafft ein gutes fundamentales Umfeld für die Finanzmärkte. Dies dürfte in den kommenden Monaten jedoch weiter von der anhaltenden Politisierung der Geldpolitik überschattet werden. Kurzfristig könnten Äußerungen von Fed-Chef Powell hierzu während der Pressekonferenz den Markt stärker beeinflussen als die Zinsentscheidung selbst – insbesondere falls er andeuten sollte, dass er auch nach Ende seiner Amtszeit als Fed-Vorsitzender (Mai 2026) bis 2028 als normales Fed-Mitglied im Offenmarktausschuss zu bleiben gedenkt. Die am Markt erwartete Entscheidung unveränderter Zinsen dürfte für sich genommen keine nennenswerten Reaktionen auslösen. In unserem Basisszenario erwarten wir ein moderates Wachstum und eine hartnäckigere Inflation als vom Konsens und der Fed prognostiziert. Daher rechnen wir weiterhin mit einer letzten Zinssenkung für diesen Zyklus im zweiten Quartal 2026, so dass der finale Zinssatz etwas über dem derzeit vom Geldmarkt eingepreisten Wert liegen dürfte.

Autor Michael Krautzberger ist CIO Public Markets bei Allianz Global Investors.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen