Wer einen aktiven ETF kauft, erwartet bewusste Abweichungen vom Vergleichsindex. Das Ziel: durch aktive Steuerung eine Mehrrendite erzielen. Doch eine aktuelle Untersuchung stellt dieses Selbstverständnis infrage.
Jan Tachtler, Leiter Fonds- und Managerselektion bei HQ Trust, analysierte rund 40 in Deutschland verfügbare aktive ETFs. Er berechnete für jedes Produkt den aktuellen Active Share sowie den Tracking Error über das vergangene Jahr. Als Benchmark diente jeweils der im Verkaufsprospekt genannte Vergleichsindex.
Die Auswahl war dabei begrenzt. Der Marktanteil aktiver ETFs liegt weltweit weiterhin deutlich unter zehn Prozent. Zudem sind viele Produkte noch so jung, dass kein einjähriger Track Record vorliegt – eine Voraussetzung für belastbare Kennzahlen.
Active Share und Tracking Error im Fokus
Der Active Share misst, wie stark sich ein Portfolio vom Vergleichsindex unterscheidet. Bei null Prozent entspricht das Portfolio exakt dem Index, bei 100 Prozent gibt es keine einzige gemeinsame Position. Der Tracking Error hingegen zeigt, wie stark die relative Wertentwicklung gegenüber der Benchmark über die Zeit schwankt. Niedrige Werte deuten auf eine enge Orientierung am Index hin, hohe Werte auf größere Abweichungen.
Das Ergebnis fällt eindeutig aus. „Die meisten der analysierten Produkte weisen einen Active Share unter 60 Prozent auf – und einen Tracking Error von unter zwei Prozent.“ Tachtler ordnet das klar ein: „Das entspricht eher einem indexnahen als einem wirklich aktiven, konzentriertem Investmentansatz.“
Damit bleiben viele der untersuchten ETFs deutlich näher an ihrer Benchmark, als es der Begriff „aktiv“ vermuten lässt.
Themen-ETFs als Sonderfall
Vereinzelt finden sich Produkte mit deutlich höheren Abweichungen. „Nur einige wenige ETFs zeigen deutlich höhere Abweichungen.“ Dabei handle es sich häufig um thematische Strategien. „Dabei handelt es sich häufig um eher thematische Produkte – etwa einen Klima-ETF, der als Benchmark den MSCI ACWI verwendet.“
In solchen Fällen führe bereits die thematische Fokussierung zu strukturell höheren Active-Share-Werten – unabhängig davon, wie stark der Manager tatsächlich aktiv steuert. „Hier sorgt schon die Themenfokussierung strukturell für einen höheren Active Share, unabhängig vom Aktivitätsgrad des Managers.“
Auch die Wahl der Benchmark beeinflusst die Kennzahlen erheblich. „Vergleicht man einen aktiven ETF auf US-Aktien nicht mit dem S&P 500, sondern mit dem MSCI USA ergeben sich schon allein durch die unterschiedliche Titelanzahl der Indizes höhere Abweichungswerte. Der eine hat 500 Titel, der andere mehr als 600.“
Benchmarkwahl verzerrt das Bild
Ähnliche Effekte zeigen sich bei globalen Indizes. „Gleiches gilt für MSCI World (rund 1650 Titel) und MSCI ACWI (rund 2900 Titel). Hier entstehen allein durch die Indexwahl Abweichungswerte, ohne dass der Manager zwingend aktiver agiert.“
Die Kennzahlen sind daher stets im Kontext der gewählten Benchmark zu interpretieren. Ein höherer Active Share bedeutet nicht automatisch eine ausgeprägtere Managementleistung.
Zugleich ist der Markt noch in Bewegung. „Der Markt für aktive ETFs ist jung und wächst schnell. Was heute gilt, muss in zwei oder drei Jahren nicht mehr zutreffen.“ Derzeit jedoch, so Tachtlers Fazit, „Aktuell aber dominiert ein indexnahes Management.“









