Trotz US-Konjunktursorgen: Versicherer bauen Private Assets und Kreditrisiken aus

Foto: Cash./Ki-generiert
Mehr als die Hälfte der Versicherer rechnet in den kommenden drei Jahren mit einer Rezession in den USA.

Mehr als die Hälfte der Versicherer rechnet mit einer Rezession in den USA – und investiert dennoch offensiver. Eine globale Studie zeigt: Kreditrisiken steigen, Private Markets gewinnen weiter an Gewicht. Die Branche positioniert sich neu.

Mehr als die Hälfte der Versicherer rechnet in den kommenden drei Jahren mit einer Rezession in den USA. Gleichzeitig erwarten 88 Prozent, dass der S&P 500 das Jahr 2026 höher abschließen wird. Das geht aus der aktuellen globalen Versicherungsumfrage von Goldman Sachs Asset Management hervor.

Die Studie zeigt ein Spannungsfeld zwischen makroökonomischen Risiken und weiterhin robusten Markterwartungen. Als größte Risiken nennen die befragten Investmentverantwortlichen eine wirtschaftliche Abschwächung in den USA sowie geopolitische Spannungen, jeweils von 52 Prozent. Auch Bewertungen an den Kredit- und Aktienmärkten, Inflation und Marktvolatilität bleiben zentrale Einflussfaktoren für die Portfoliosteuerung.

Bemerkenswert ist der Anstieg der Rezessionserwartungen. 55 Prozent der Befragten gehen inzwischen davon aus, dass die USA innerhalb der kommenden drei Jahre in eine Rezession eintreten. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 46 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich ein weiterhin konstruktiver Blick auf die Kapitalmärkte, insbesondere auf US-Aktien.

Private Markets und Kreditstrategien im Fokus

Trotz der unsicheren makroökonomischen Lage planen 62 Prozent der Versicherer, ihre Allokation in Private Assets im laufenden Jahr zu erhöhen. Damit setzt sich ein struktureller Trend fort, der auf der Suche nach stabilen Erträgen und Diversifikation basiert. Parallel dazu beabsichtigen 26 Prozent der Investoren, ihr Kreditrisiko auszubauen.

Im Bereich der alternativen Anlagen stehen insbesondere kreditnahe Strategien im Vordergrund. Asset-Backed Finance weist mit einem Nettoanteil von 38 Prozent die höchste geplante Aufstockung auf. Auch Investment-Grade Private Placements sowie Senior Direct Lending gewinnen weiter an Bedeutung. Private Equity und Infrastruktur-Aktien zählen ebenfalls zu den bevorzugten Anlageklassen.

„Die Ergebnisse der Goldman Sachs Asset Management Insurance Survey in diesem Jahr unterstreichen einen anhaltenden Fokus auf KI und Private Markets, da Versicherer nachhaltige Quellen für Rendite, Einkommen und Diversifikation suchen“, sagt Mike Siegel, Global Head of Insurance Asset Management and Liquidity Solutions.

Private Credit hat sich über die vergangenen Jahre zu einem festen Bestandteil institutioneller Portfolios entwickelt. Versicherer profitieren dabei von ihrem langfristigen Anlagehorizont und ihrer Fähigkeit, illiquide Anlagen zu halten. In volatileren Marktphasen können sie zudem als Kapitalgeber für bonitätsstarke Kreditnehmer auftreten.

Kapitalmarkt-Erwartungen und Zinsausblick

Auch bei den Markterwartungen zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Mehrheit der Versicherer rechnet für 2026 mit moderaten, aber positiven Renditen am US-Aktienmarkt. 55 Prozent erwarten eine Gesamtrendite zwischen fünf Prozent und unter zehn Prozent, während 18 Prozent sogar von einer Rendite zwischen zehn Prozent und unter 20 Prozent ausgehen.

Parallel dazu gehen viele Marktteilnehmer von einem Rückgang der US-Leitzinsen aus. 79 Prozent erwarten, dass die Federal Reserve den Leitzins auf ein Niveau zwischen 3 und 3,5 Prozent senken wird. Für zehnjährige US-Staatsanleihen prognostizieren 81 Prozent eine Rendite in einer Bandbreite von 3,5 bis 4,5 Prozent bis Jahresende.

„Das Investitionsumfeld ist in kurzer Zeit vielschichtiger und komplexer geworden. Schwankende makroökonomische Bedingungen, geopolitische Veränderungen und schnelle technologische Fortschritte schaffen ein Umfeld, in dem eine disziplinierte Asset-Auswahl sowohl auf privaten als auch öffentlichen Märkten wichtiger ist denn je“, ordnet Jared Klyman, Global Head of the Insurance Asset Management Business das Umfeld ein.

KI und Infrastruktur als Renditetreiber

Neben der strategischen Asset-Allokation gewinnt auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Bedeutung. 62 Prozent der Versicherer nutzen bereits entsprechende Technologien, weitere 34 Prozent prüfen deren Einsatz. Die wichtigsten Anwendungsfelder liegen in der Reduzierung von Betriebskosten, der Analyse von Investments sowie der Risikobewertung. Darüber hinaus spielt KI auch auf der Anlageseite eine zunehmende Rolle. 56 Prozent der Befragten sehen die größten Renditechancen im Umfeld von Infrastruktur und Datenzentren. Damit rückt digitale Infrastruktur stärker in den Fokus institutioneller Investoren.

„Wir glauben, dass KI und die nächste Generation digitaler Infrastruktur eine der breitesten und bedeutendsten Investitionsmöglichkeiten unserer Lebenszeit darstellen“, betont Leonard Seevers, Partner, Digital Infrastructure Investing. Auch bei den erwarteten Renditetreibern zeigt sich eine klare Gewichtung. Versicherer sehen die höchsten Ertragschancen in Private Equity, gefolgt von US-Aktien, Rohstoffen und Schwellenländeraktien. Ergänzend gewinnen Secondaries im Private-Equity-Bereich an Bedeutung.

Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 434 Senior Investment-Experten, darunter Chief Investment Officers und Chief Financial Officers aus der globalen Versicherungsbranche. Die teilnehmenden Unternehmen repräsentieren rund die Hälfte der weltweiten Versicherungsbilanzsumme und decken ein breites Spektrum an Regionen und Geschäftsmodellen ab.

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