Umfrage: Mehrheit der Finanzbranche rechnet mit Stellenabbau durch KI

Foto: ChatGPT
Eine aktuelle Umfrage zeigt breite KI-Nutzung in der Finanzbranche, Folgen für Jobs und hohen Weiterbildungsbedarf.

Künstliche Intelligenz ist in der Finanzbranche längst Teil des Arbeitsalltags. Eine Umfrage unter Fach- und Führungskräften zeigt breite Nutzung, positive Erfahrungen und spürbare Folgen für Beschäftigung und Qualifikation. Besonders bei den Erwartungen an den Arbeitsmarkt wird es konkret.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz prägt bereits heute viele Arbeitsplätze in der Finanzbranche. Mehr als 88 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte geben an, dass ihr Arbeitgeber bereits KI-Tools einsetzt. Besonders häufig kommen diese in kundenbezogenen Bereichen wie Privat- und Firmenkunden zum Einsatz. Dort verorten rund 40 Prozent der Teilnehmenden die Nutzung. In zentralen Funktionen wie Risikomanagement, Personal oder Legal und Compliance liegt der Anteil bei etwa 30 bis 35 Prozent.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Technologie in den Instituten angekommen ist, ihr Potenzial aber noch nicht ausgeschöpft ist. „Die Umfrage verdeutlicht, dass KI in der Finanzindustrie bereits heute stark verbreitet ist. Gleichzeitig besteht aber offenbar noch ein erhebliches Potenzial für eine noch intensivere Nutzung“, sagt Professor Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.


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Mit dem Einsatz der Systeme verändern sich auch die Tätigkeiten am Arbeitsplatz. Fast 60 Prozent der Panelisten stellen bereits Veränderungen fest. Auffällig ist zugleich, dass fast 40 Prozent der Befragten bislang keine spürbaren Auswirkungen auf ihren eigenen Arbeitsplatz wahrnehmen.

KI-Nutzung in Banken und Versicherungen

Besonders deutlich fällt der Blick auf die Beschäftigung aus. Etwa 55 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden fünf Jahren einen Rückgang der Beschäftigung in der Finanzindustrie um fünf bis zehn Prozent der Belegschaft. Gut 20 Prozent rechnen sogar mit einem Minus von zehn bis 20 Prozent. Dazu passt, dass knapp 15 Prozent ein hohes bis sehr hohes Risiko sehen, den eigenen Arbeitsplatz in den nächsten fünf Jahren durch KI zu verlieren.

Gleichzeitig bewerten die Befragten die bisherigen Ergebnisse des KI-Einsatzes überwiegend positiv. 72,6 Prozent sprechen von positiven oder sehr positiven Erfahrungen. Für die Institute dürfte damit weniger die Frage im Vordergrund stehen, ob KI genutzt wird, sondern wie schnell und in welcher Tiefe sie in Prozesse eingebunden werden kann.

Ein entscheidender Faktor bleibt die Qualifikation der Beschäftigten. Gut 50 Prozent fühlen sich nach eigener Einschätzung gut oder sehr gut auf den Einsatz von KI vorbereitet. Rund 32 Prozent bewerten ihre Vorbereitung lediglich als befriedigend. „KI kann die Arbeitsproduktivität deutlich erhöhen. Dazu müssen die Unternehmen aber erhebliche Investitionen in Weiterbildung tätigen“, erläutert Brühl.

Regulierung bleibt umstritten

Kontrovers bleibt der regulatorische Rahmen in der Europäischen Union. Der AI Act wird in der Branche unterschiedlich bewertet. In der Umfrage spricht sich jedoch eine klare Mehrheit gegen zusätzliche Vorgaben aus: Nahezu 70 Prozent lehnen eine noch stärkere Reglementierung von KI ab.

Für Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, ist die Richtung klar. „Die Finanzindustrie hat das Potenzial von KI erkannt und setzt sie bereits in großem Umfang mit guten Ergebnissen ein. Die Ängste um Arbeitsplätze sind so alt wie die technologische Entwicklung. Dabei ist Kollege KI die perfekte Antwort auf die demographischen Herausforderungen und die wachsende Komplexität. Das Potenzial für Produktivitätswachstum ist enorm. Ein wesentlicher Beschleuniger hierfür wäre eine anschlussfähige Regulierung mit dem klaren Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der Institute in Deutschland und der EU zu stärken. Diesem Anliegen schließt sich die große Mehrheit der Branche an, wie die Umfrage zeigt“, sagt Väth.


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