Frauen treten bei Finanz- und Immobilienthemen deutlich zurückhaltender auf als Männer. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Dr. Klein in Kooperation mit der Horizoom GmbH unter 2.157 Menschen in Deutschland.
Nur 21 Prozent der befragten Frauen geben an, sich gut mit finanziellen Themen auszukennen. Bei den Männern sind es 44 Prozent. Auch bei Entscheidungen zeigt sich ein Unterschied: Während sich zwei Drittel der Männer bei Finanzfragen sicher fühlen, gilt das nur für knapp die Hälfte der Frauen.
Das wirkt sich auch auf die Verantwortung im Haushalt aus. 70 Prozent der Männer sehen sich als hauptverantwortlich für Finanzentscheidungen, bei den Frauen sind es 51 Prozent.
Beim Erwerb von Wohneigentum setzt sich dieses Muster fort. Männliche Immobilienbesitzer entschieden den Kauf häufiger allein: 41 Prozent kauften ihr Haus oder ihre Wohnung ohne gleichberechtigte Entscheidung mit Partner oder Partnerin. Bei Frauen waren es 29 Prozent.
Frauen gingen den Immobilienkauf dagegen häufiger gemeinsam an. 66 Prozent entschieden gleichberechtigt mit Partner oder Partnerin, bei den Männern waren es 57 Prozent. Andrea Burgstaller, Spezialistin für Baufinanzierung bei Dr. Klein in Dachau, sieht dafür auch wirtschaftliche Gründe.
„In meiner täglichen Beratung erlebe ich, dass eher Männer eine Immobilie allein kaufen als Frauen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Männer verdienen im Durchschnitt oft mehr und über die Jahre hinweg kontinuierlicher. Das führt häufig zu mehr Eigenkapital, das sie dann in die Finanzierung einbringen können. All das zusammen verbessert die finanziellen Voraussetzungen der Männer für einen Immobilienkauf. Frauen hingegen arbeiten aus familiären Gründen nicht selten viele Jahre in Teilzeit, verdienen somit deutlich weniger. Zudem ist es oft auch eine Mentalitätsfrage: Frauen sind in Sachen Eigentumserwerb häufiger Teamplayer als Männer.“
Beratung als wichtiger Faktor
Auch vor dem Immobilienkauf nennen Frauen mehr Unsicherheiten als Männer. 42 Prozent verweisen auf fehlendes Wissen rund um den Erwerb von Wohneigentum, bei Männern sind es 31 Prozent. Angst vor finanzieller Überforderung nennen 61 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer.
Zinsen und Tilgung empfinden 41 Prozent der Frauen als besonders schwierige Themen. Bei den Männern liegt der Anteil bei 28 Prozent. Entsprechend hält knapp die Hälfte der weiblichen Kaufinteressierten eine fachkundige Beratung zur Immobilienfinanzierung für sinnvoll, bei Männern ist es rund ein Drittel.
„Nur weil Frauen unsicherer sind, wenn es um Finanz- oder Immobilienthemen geht, sind sie keineswegs uninteressiert“, resümiert Burgstaller. „Vielmehr suchen Frauen jedoch gerade zu Beginn einer Finanzentscheidung stärker nach Orientierung und Klarheit. Sie holen häufiger mehrere Meinungen ein, vergleichen Optionen intensiver und stellen mehr Rückfragen.“
Generation Z zeigt größte Unsicherheit
Besonders ausgeprägt ist die Unsicherheit bei jungen Frauen zwischen 18 und 29 Jahren. Nur 33 Prozent fühlen sich sicher, finanzielle Entscheidungen zu treffen. Bei den 60- bis 69-jährigen Frauen sind es 54 Prozent.
Auch beim eigenen Finanzwissen fällt der Abstand groß aus. 18 Prozent der jungen Frauen sagen, sie kennen sich gut mit monetären Angelegenheiten aus. Bei jungen Männern sind es 47 Prozent.
„Finanzwissen ist kein Talent, das einem in die Wiege gelegt wird, sondern eine Frage der Erfahrung – und das ganz unabhängig vom Geschlecht“, resümiert Burgstaller. „Sich frühzeitig mit den eigenen finanziellen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, schafft die Basis für monetäre Unabhängigkeit. Wer den Umgang mit Geld zunächst anhand kleinerer finanzieller Weichenstellungen übt, gewinnt Sicherheit und Weitblick und wird fit für die großen Entscheidungen wie zum Beispiel einen Immobilienkauf.“














