Zwischen Sparbuch und Krypto: Was Anleger von Banken heute erwarten

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Kunden und Berater sitzen am Tisch, man sieht einen Laptop und schriftliche Unterlagen.
Foto: Freedomz – stock.adobe.com
Persönliche Anlageberatung ist – mit technischer Unterstützung – weiter gefragt (Symbolbild).

Viele Privatanleger investieren eigenständig, obwohl grundlegendes Finanzwissen häufig fehlt. Gleichzeitig reicht das Spektrum vom ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis bis zu hohen Krypto-Investments. Eine Roland-Berger-Studie zeigt, welche Folgen das für Banken hat.

Eine Studie von Roland Berger zeigt deutliche Unterschiede zwischen dem Anlageverhalten und dem Finanzwissen deutscher Privatanleger. Obwohl digitale Plattformen den Zugang zu Kapitalmärkten erleichtern, können nur rund die Hälfte der Befragten grundlegende Fragen zu Inflation, Diversifikation und Zinseszins richtig beantworten. Für Banken ergibt sich daraus die Aufgabe, Beratung stärker an Wissen, Risikoverständnis und individuellen Bedürfnissen auszurichten.


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Für die Untersuchung wurden 1.000 Retail-Kundinnen und -Kunden ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Anleger eigenständig Entscheidungen treffen, obwohl ihnen häufig die notwendigen Kenntnisse fehlen. Jeder 16. Befragte gibt an, den Großteil seines Vermögens in Kryptowährungen investiert zu haben. Weitere 15 Prozent halten größere Vermögensanteile in dieser volatilen Anlageklasse.

Gleichzeitig bleibt das Sicherheitsbedürfnis hoch. Ein erheblicher Teil der Befragten legt sein Geld vor allem in Bargeld sowie auf Giro-, Tages- oder Festgeldkonten an. Jeder sechste Anleger hält mehr als die Hälfte seines Vermögens auf Tages- oder Festgeldkonten. Mit Blick auf Altersvorsorge und langfristigen Vermögensaufbau sehen die Studienautoren darin eine Herausforderung.

Anlageverhalten unterscheidet sich nach Alter und Informationsquellen

Vor allem jüngere Anleger verfolgen das Ziel, privat für das Alter vorzusorgen. Mehr als 85 Prozent der unter 40-Jährigen nennen dieses Ziel häufiger als Befragte über 40 Jahre. Gleichzeitig investieren sie überdurchschnittlich oft in ETFs, Einzelaktien und Kryptowährungen. Der Wunsch nach Vermögensaufbau geht damit mit einer höheren Risikobereitschaft einher.

Auch bei den Informationsquellen zeigen sich Unterschiede. Viele Befragte orientieren sich zunächst an Familie oder Freundeskreis. Personen mit höherem Bildungsstand nutzen häufiger Online-Quellen oder professionelle Beratung. Nach Einschätzung der Studienautoren beeinflusst dies sowohl das Verständnis grundlegender Finanzthemen als auch die Qualität von Anlageentscheidungen.

Die Untersuchung zeigt zudem, dass persönliche Beratung trotz digitaler Angebote gefragt bleibt. Zwar wünschen sich viele Kunden einfache und kostengünstige digitale Lösungen. Bei größeren Anlageentscheidungen, etwa nach einer Erbschaft, einem Immobilienverkauf oder bei strategischen Vermögensfragen, bevorzugen viele weiterhin das persönliche Gespräch. Acht von zehn Befragten treffen Anlageentscheidungen ungern allein.

Personalisierte Beratung gewinnt an Bedeutung

Für Banken eröffnet sich daraus laut Studie die Möglichkeit, sich über Vertrauen und individuelle Betreuung zu differenzieren. Während 36 Prozent der Befragten derzeit keinen Anlageanbieter nutzen, berichten 27 Prozent von einer langjährigen und vertrauensvollen Beziehung zu ihrem Hauptanbieter. Preisunterschiede spielen zwar eine Rolle, jedoch bezeichnet sich nur etwa jeder zehnte Befragte als stark preissensibel.

„Die Zukunft des Retail Bankings liegt in der Kombination aus smarter Technologie und persönlicher Beratung“, sagt Viktoria Danzer, Senior Partner bei Roland Berger. „Beides ist für die nachhaltige Kundenbindung unverzichtbar.“ Thomas Richter, Partner bei Roland Berger, ergänzt: „Loyalität entsteht nicht durch günstige Gebühren, sondern durch echtes Verständnis.“

Auf Basis der Befragung unterscheidet Roland Berger acht Anlegertypen, darunter digitale Vermögensaufbauer, Next-Gen-Kunden, traditionelle Familienhaushalte, einkommensschwache Single-Haushalte, erfahrene Anleger, sicherheitsorientierte Anleger, nachhaltige Anleger sowie konsum- und renditeorientierte Anleger. Die Einteilung berücksichtigt neben Alter und Vermögen vor allem Finanzwissen, digitale Affinität, Risikoneigung, Informationsverhalten und Betreuungsbedarf.

Künstliche Intelligenz soll Beratung unterstützen

Nach Einschätzung der Studienautoren reichen klassische Kundensegmente künftig nicht mehr aus. Banken müssten Beratung stärker personalisieren und digitale Werkzeuge gezielt einsetzen, um im Wettbewerb mit Neobrokern, Fintechs und Self-Service-Angeboten bestehen zu können. „Finanzielle Absicherung und Vorsorge sind zentrale Anliegen vieler Menschen“, sagt Matthias Tewes, Partner bei Roland Berger. „Gute Beratung muss diese Themen ganzheitlich und generationsübergreifend adressieren.“

Als wichtigen Hebel nennt die Studie die Verbindung persönlicher Beratung mit digitalen Assistenten und automatisierten Prozessen. Digitale Anwendungen könnten unter anderem beim Aufbau einer Notfallreserve, bei der Planung von Sparraten, der regelmäßigen Portfolioüberprüfung oder der verständlichen Vermittlung komplexer Finanzthemen unterstützen. Künstliche Intelligenz biete zudem die Möglichkeit, personalisierte Beratung wirtschaftlich für ein breites Kundensegment bereitzustellen.

Die Studie zeigt außerdem, dass Personen mit einer Notfallreserve ihre finanzielle Situation deutlich positiver einschätzen als Befragte ohne entsprechende Rücklagen.

DAS SAGT DIE REDAKTION

Stefan Löwer
Stefan Löwer Ressortleiter Sachwertanlagen & Immobilien, Ressortleiter Finanzberater

Die Studie bezieht sich auf Banken, die Ergebnisse dürften grundsätzlich aber auch für freie Finanzdienstleister und ihre Kunden relevant sein.


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