Filialsterben: Nur noch jeder zweite Unternehmer besucht seine Bank

Moderne, leere Bankfiliale mit mehreren roten Selbstbedienungs- und Service-Terminals hinter einem langen weißen Empfangstresen. Die Innenarchitektur wirkt minimalistisch und hochwertig, mit warmen Holzelementen, heller Beleuchtung und klaren Linien.
Foto: Emiliia – stock.adobe.com
Immer weniger Mittelständler suchen für Bankgeschäfte eine Filiale auf – digitale Services ersetzen zunehmend den persönlichen Besuch vor Ort.

Erstmals sucht weniger als die Hälfte der mittelständischen Unternehmen in Deutschland eine Bankfiliale auf. Laut KfW-Mittelstandspanel besuchten 2024 nur noch 47 Prozent mindestens einmal ein Kreditinstitut – so wenige wie nie. Was steckt hinter dem anhaltenden Rückgang?

Immer seltener finden mittelständische Unternehmen ihren Weg in eine Bankfiliale. Im Jahr 2024 nahmen erstmals weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen – konkret 47 Prozent – mindestens einen Geschäftstermin in einer Bank- oder Sparkassenfiliale wahr. 2021 lag dieser Anteil noch bei 50 Prozent, 2017 bei 65 Prozent. Der Rückgang setzt sich damit fort, auch wenn er sich im Vergleich zu früheren Erhebungen etwas verlangsamt hat.

JahrAnteil der Unternehmen mit mindestens einem Filialbesuch
201765 Prozent
202150 Prozent
202447 Prozent

Das sind Ergebnisse einer Sonderauswertung zum KfW-Mittelstandspanel, für das kleine und mittlere Unternehmen aller Wirtschaftszweige mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro repräsentativ befragt werden.

In absoluten Zahlen besuchten 1,8 Millionen Mittelständler 2024 eine Bankfiliale – 60.000 weniger als 2021 und 620.000 weniger als 2017. Wer eine Filiale aufsuchte, tat dies im Schnitt 3,15 Mal. In der Summe ergibt das rund 5,7 Millionen Geschäftstermine im Jahr 2024 – etwa 700.000 weniger als 2021 und fast vier Millionen weniger als 2017.

JahrMittelständler mit FilialbesuchGeschäftstermine insgesamt
2017rund 2,42 Millionenrund 9,7 Millionen
2021rund 1,86 Millionenrund 6,4 Millionen
2024rund 1,8 Millionenrund 5,7 Millionen

Investitionszurückhaltung und Digitalisierung als Treiber

Die Ursachen sind vielschichtig. Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, nennt zwei zentrale Faktoren: „Die Bereitschaft im Mittelstand, überhaupt Investitionen anzugehen, stagniert seit vielen Jahren. Wenn die Unternehmen dann Investitionen vornehmen, verzichten sie immer häufiger auf eine Bankfinanzierung. Dadurch benötigen sie auch seltener Kontakt zu Kreditinstituten.“ Hinzu kommt: „Banken und Sparkassen digitalisieren sich immer stärker, die Unternehmen fragen vermehrt digitale Angebote nach. Auch dadurch entfällt die Notwendigkeit, Filialen aufzusuchen.“

Ein weiterer Faktor ist das anhaltende Filialsterben. Seit der Jahrtausendwende haben Banken und Sparkassen in Deutschland 69 Prozent ihrer Zweigstellen geschlossen – einschließlich Außenstellen mit Selbstbedienungsterminals und persönlicher Beratungsmöglichkeit.

Der damit verbundene Mehraufwand für Unternehmen ist bislang aber moderat. 2024 benötigte ein mittelständischer Unternehmer im Schnitt 16,7 Minuten vom Firmensitz bis zur nächstgelegenen Filiale, gegenüber 15,5 Minuten im Jahr 2021. Der Unterschied zwischen Stadt und Land fällt dabei gering aus: In urbanen Gebieten waren es durchschnittlich 16,5 Minuten, im ländlichen Raum 17,1 Minuten.


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Ostdeutsche Unternehmen am weitesten von Filialen entfernt

Deutlichere Unterschiede zeigen sich auf Bundesländerebene. Vor allem in ostdeutschen Bundesländern sind die Wege zur nächsten Bankfiliale spürbar länger. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg benötigen Unternehmen im Schnitt fast 23 Minuten. Am kürzesten sind die Wege in Bremen mit etwas über 13 Minuten sowie in Hamburg und Bayern mit jeweils gut 15 Minuten.

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