Prognose: Inflation in Eurostaaten 2022 höher als erwartet

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Hohe Benzinpreise machen die gestiegene Inflation besonders augenfällig.

Verbraucher müssen sich länger auf höhere Preise einstellen als erwartet. Die Omikron-Welle setzt der europäischen Wirtschaft weiter zu. Auch die Situation in der Ukraine birgt Risiken.

Die Teuerung im Euroraum fällt einer Prognose der EU-Kommission zufolge deutlich höher aus als bislang erwartet.

In diesem Jahr wird die Inflation schätzungsweise einen Höchststand von 3,5 Prozent im Jahresdurchschnitt erreichen, wie aus der Winterprognose der Behörde vom Donnerstag hervorgeht. In der Herbstprognose war die Kommission von 2,2 Prozent ausgegangen.

Die EU-Konjunkturprognose für 2022 wurde auf 4 Prozent gesenkt, im Vergleich zu den im Herbst vorhergesagten 4,3 Prozent. 2023 soll das Wachstum in der EU auf 2,8 Prozent sinken, etwas mehr als bislang erwartet. Die Eurozonen-Wirtschaft wird den Schätzungen zufolge um 4 Prozent in diesem und 2,7 Prozent im kommenden Jahr wachsen. Die Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft wurde im Zuge der Omikron-Welle ebenfalls deutlich nach unten korrigiert.

«Der signifikante Anstieg der Inflation und der Energiepreise, zusammen mit Engpässen bei Lieferketten und Arbeitsmärkten, halten das Wachstum zurück», sagte der für Wirtschaft zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis laut Mitteilung. Später im Jahr werde die Wirtschaft jedoch wieder einen Gang hoch schalten, wenn einige der Engpässe sich lösten.

Der Prognose zufolge wird im kommenden Jahr eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent im Euroraum erwartet, wieder unterhalb der von der Europäischen Zentralbank angestrebten 2 Prozent. In der gesamten EU soll die Inflation in diesem Jahr schätzungsweise 3,9 Prozent erreichen und 2023 auf 1,9 Prozent sinken.

Die Teuerung hält sich vor allem wegen der Energiepreise seit Monaten auf vergleichsweise hohem Niveau. Die EZB hat ihre Geldpolitik trotz der gestiegenen Inflationsrate nicht verändert. Bundesbankpräsident Joachim Nagel, der über die Geldpolitik im EZB-Rat mitentscheidet, hatte zuletzt eine schnelle Reaktion der Währungshüter gefordert, sollte die Inflation bis März nicht sinken.

3,6 Prozent Wachstum für Deutschland erwartet

Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Kommission dieses Jahr um 3,6 Prozent wachsen, während bisher 4,6 Prozent erwartet wurden. Corona-Infektionen stiegen, Krankheitsfälle belasteten den Arbeitsmarkt, und Exporte litten unter Lieferketten-Engpässen, hieß es in der Prognose. Rekordbestellungen und die gute Geschäftsstimmung zeigten jedoch, dass es später im Jahr einen Aufschwung geben könne, sobald sich die Engpässe lösten, sagte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. Für das kommende Jahr erwartet die Kommission, dass Europas größte Volkswirtschaft um 2,6 Prozent wächst – mehr als bisher angenommen.

Die Kommission warnte, dass sich die Pandemie immer noch stark auf die europäische Wirtschaft auswirke, wobei sich die jetzige Infektionswelle voraussichtlich nur kurz auswirken werde. Wenn sich die Preissteigerungen ausweiteten, könne Inflation noch höher ausfallen als erwartet, warnte Gentiloni. Die Kommission nannte auch «geopolitische Spannungen in Osteuropa» als Risiken für Wirtschaftswachstum und Inflation. «Frieden, Stabilität und Wirtschaftswachstum sind natürlich eng verbunden», sagte Gentiloni mit Hinblick auf den russischen Truppenaufmarsch nahe der ukrainischen Grenze. (dpa-AFX)

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