2. März 2012, 18:37
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Provisionsabgabeverbot: BaFin zieht Sprungrevision zurück

Nachdem die BaFin die Revision im Fall des Provisionsabgabeverbots beim Bundesverwaltungsgericht zurückgezogen hat, ist das erstinstanzliche Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt (VG) rechtskräftig. Wie weitreichend die Wirkung dieser Entscheidung ist, wird in der Branche unterschiedlich beurteilt.

Provisionsabgabeverbot: BaFin zieht Sprungrevision zurück

Das VG Frankfurt hatte im Oktober 2011 der Klage des Fondsvertriebs AVL gegen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stattgegeben. Und entschied damit, dass ein Versicherungsvermittler des AVL seine Provision an die Versicherten ganz oder teilweise durchleiten darf (Az.: 9 K 105/11.FG). Die BaFin hatte damals eine Sprungrevision angekündigt.

Medienberichten zufolge hat die Bafin auf die Sprungrevision gegen das Urteil verzichtet. Die Behörde plant nun das Provisionsabgabeverbot grundsätzlich zu prüfen. Wie eine Sprecherin der Behörde der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” mitteilte, sieht die BaFin den konkreten Einzelfall nicht als geeignet, die Rechtmäßigkeit des Provisionsabgabeverbots als Ganzes höchstrichterlich klären zu lassen.

Der Finanzdienstleister AVL ist indes überzeugt, dass das nun rechtskräftige Urteil weitreichende Folgen für die Branche hat. „Damit steht dem freien Preiswettbewerb nichts mehr im Weg – und davon profitiert vor allem der Verbraucher. Denn in einem gesunden Wettbewerb um den Kunden entstehen in der Regel deutlich günstigere Konditionen und bessere Angebote“, kommentiert Uwe Lange, Geschäftsführer von AVL.

Auch der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. (AfW) begrüßt die Rücknahme der Sprungrevision. Der Verband erwartet einen kurzfristigen Abschluss der angekündigten grundsätzlichen Prüfung der Bafin und geht von einem Fall des Provisionsabgabeverbots aus. Der Verband Deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM) fordert eine eindeutige Klärung, ob die Entscheidung des VG Frankfurt richtungsweisend ist. (jb)

Foto: Shutterstock

5 Kommentare

  1. Die Frage ob man Provisionen weiterzugeben braucht oder nicht wird sich nach und nach gar nicht mehr stellen. Der “aufgeklärte” Kunde wird sich vom Makler umfassend KOSTENLOS beraten lassen und dann ganz einfach bei AVL & Co. (Nachahmer werden nicht lange auf sich warten lassen) abschliessen. Der einzige Vorteil: Die von Honorarberatung speziell im reinen Versicherungsbereich wird noch überflüssiger als sie ohnehin schon ist.

    Kommentar von Peter Dienhart — 11. März 2012 @ 14:57

  2. Zu glauben, dass über den Preis ein fairer Wettbewerb vorangetrieben wird ist absurd. Am Ende sollte doch die Qualität der Produkte und Lösungen entscheidend sein. Ein unpassendes oder gar ungeeignetes Produkt wird durch die Weitergabe von Provisionen an den Kunden nicht besser. Im Gegenteil, es vernebelt die Sicht auf das Wesentliche und spielt den Produkt- und Strukturvertrieben in die Hände. Diese haben an einer kundenorientierten Lösung i.d.R. nur wenig oder kein Interesse. In Zukunft geben diese dann noch hohe Rabatte in Form von Provisions- und Courtageweitergaben und „verarschen“ den Kunden völlig, weil dieser denkt, dann auch unter Kostenaspekten die beste Lösung zu bekommen. Aber am Ende bekommt wohl jeder den Berater den er“verdient“!

    Kommentar von StefanPrüß — 7. März 2012 @ 10:30

  3. Ich mache es kurz. Ich habe die Honorarberatung eingeführt und biete dem Kunden auch reine Nettoprodukte an, in denen gar nicht erst Vertriebskosten anfallen. Das Honorar gestalte ich individuell und kann , wenn ich will, am Preiswettbewerb teilnehmen. Somit hat der Kunde in jeder Hinsicht einen wirtschaftlichen Vorteil. Eine Provisionsweitergabe ist doch reine Augenwischerei. Denn wer finanziert denn die Provision ?? Mit freundlichen Grüßen Ralf THode

    Kommentar von Ralf Thode — 7. März 2012 @ 10:14

  4. “Wettbewerb in der Finazberatung”. Ich kann mich dem Vorschlag von Herrn Fischer nur anschließen. Die Provisionsweitergabe kann nur von Vertrieben und Vermittlern begrüßt werden, die Ihr Geschäftsmodell auf reinen Vertriebstrukturen aufgebaut haben und gleichzeitig die bedarfgerechte und kundenornierntierte Beratung im Vorfeld ausschalten. Dem Verbraucher wird dadurch sicher nicht geholfen (oder als zuletzt), auch wenn dieser scheinbar zunächst glaubt einen Vorteil erhalten zu haben.
    Mit “Provisionsdumping” wird die Transparenz der Finanzprodukte und die Kundenorientierung für den Verbraucher sicher nicht verbessert. Dieser Schritt öffnet den reinen absatzorientierten Vertrieben Tür und Tor, Produkte über die Preisschiene an den Verbraucher zu bringen und nicht über eine qualitative Beratung. Mit freundlichen Grüßen Patrick Kalwa

    Kommentar von Patrick Kalwa — 7. März 2012 @ 09:07

  5. “Gesunder Wettbewerb”? Klasse, offenbar setzen einige Marktteilnehmer darauf, das sie das “saure Bier” das sie verkaufen, durch Weitergabe von Provisionen “aufgehübscht” wird. Wer sauber, offen, ehrlich und kundenorientiert berät, eine hervorragende Angebotspallete hinter sich weiß, der braucht definitiv keine Provisionen weitergeben, denn er hat sie sich ehrlich und redlich verdient. Liebe Grüße, Nils Fischer

    Kommentar von Nils Fischer — 6. März 2012 @ 18:39

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