„Die Bedingungen in Deutschland sind gut“

Stefanie Kühn ist Inhaberin der Private Finanzplanung Kühn in Grafing bei München. Mit Cash. hat die Honorarberaterin über die Männerdomäne Finanzvertrieb, ihre Karriere und die unterschiedlichen Bedürfnisse männlicher und weiblicher Kunden gesprochen.

Stefanie Kühn, Private Finanzplanung Kühn: „Stellen Sie sich vor, es gibt eine vorgeschriebene Frauenquote, aber keine Frauen die wollen und können.“

Die Finanzbranche ist im Vertrieb und auf der Führungsebene eine Männerdomäne. Was hält Frauen von der Branche fern?

Kühn: Ich glaube, dass viele Frauen keine Karriere machen möchten. Oder falsche Vorstellungen haben. Es ist meines Erachtens völlig normal, dass eine Frau, die eine Berufspause von 10 Jahren macht, weil Kinder da sind, erstmal einiges nachzuholen hat. Da sind viele Männer einfach schon weiter gezogen.

Die Branche hat – meines Erachtens leider zu recht – keinen guten Ruf. Das schreckt sicherlich auch viele ab.

Warum sind Sie in die Finanzberatung gegangen?

Mein Mann und ich sind beinahe einem richtig schlechten Finanzberater aufgesessen, aus einem Strukturvertrieb. Da war die Idee geboren: Das müsste man besser machen, auf Honorar, ohne Provision. Danach haben wir beide das Studium Finanzökonomie an der European Business School gemacht und dann habe ich mich selbständig gemacht. Seit 1999 bin ich dies nun schon.

 Wie können mehr Frauen für die Beratertätigkeit gewonnen werden?

Ich glaube, die Rahmenbedingungen sind gerade in dieser Branche okay. Selbständige Finanzdienstleisterinnen können sich ja geradezu perfekt selbst organisieren. Auch Banken sind mit Teilzeitjobs recht weit.

Könnte eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote hilfreich sein, den Frauenanteil zu erhöhen?

Nein, ich glaube, dass die Bedingungen in Deutschland gut sind. Das sollte der Markt regeln. Stellen Sie sich vor, es gibt eine vorgeschriebene Frauenquote, aber keine Frauen die wollen und können.

Denken Sie, dass der Frauenanteil im Vertrieb in den nächsten Jahren zunehmen wird?

Ich glaube schon, dass insgesamt der Anteil Frauen im Berufsleben und auch in sogenannten Männerdomänen zunehmen wird. Dafür werden verbesserte Rahmenbedingungen, zum Beispiel bei der Kinderbetreuung, sorgen.

Wie unterscheiden sich die Beratungsgespräche mit männlichen und weiblichen Kunden?

Bei Frauen ist noch immer das Mutmachen mehr von Nöten als bei Männern. Viele Frauen, gerade die jungen, sind finanziell sehr selbständig. Diejenigen aber, die entweder bewusst oder unbewusst zu lange auf den Mann gesetzt haben und das plötzlich nicht mehr können, brauchen viel Ermutigung und viele kleine Schritte.

Was sind die wichtigsten Versicherungen / Finanzprodukte, die frau heute haben sollte?

Eine Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Risikolebensversicherung, wenn Kinder da sind. Dazu ein Tagesgeldkonto, ein Festgeld und einen Fondssparplan. Das gilt übrigens genauso für den Mann.

 

Interview: Julia Böhne

Foto: Private Finanzplanung Kühn 

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