17. November 2014, 08:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Verbraucher kennen Vergütungsstrukturen nicht

Die Diskussion um Provisions- und Honorarberatung geht an der Realität der Verbraucher vorbei, so eine Studie des PFI Private Finance Institute der EBS Business School. Denn nur eine Minderheit kenne sich mit den Vergütungsformen aus.

Provisions- oder Honorarberatung: Verbraucher kennen sich nicht aus

Der Studie zufolge haben die meisten Verbraucher kein beziehungsweise ein falsches Verständnis von den Vergütungsstrukturen und -formen in der Finanzdienstleistungsbranche.

Rund die Hälfte der Befragten (46 Prozent) haben der Studie zufolge schon einmal von Honorarberatung gehört. Dennoch konnten demnach lediglich 28 Prozent derjenigen, die schon einmal vom Konzept gehört hatten, Honorarberatung tatsächlich richtig beschreiben. In der Detailbetrachtung zeige sich dass insbesondere Befragte mit höherer finanzieller Allgemeinbildung beziehungsweise höherem Haushaltsnettogeldvermögen überproportional häufig von Honorarberatung gehört hätten.

Keine klare Vorstellung von Honorarberatung 

“Dies offenbart, dass die mit dem “Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente” auch erst seit dem 15. Juli 2013 erstmals gesetzliche verankerte Honoraranlageberatung den meisten Verbrauchern kein Begriff ist”, so die Studienautoren. Dementsprechend haben der Umfrage zufolge auch lediglich 2,5 Prozent der Befragten bisher ein Angebot zur Honorarberatung genutzt

Provisions- oder Honorarberatung: Verbraucher kennen sich nicht aus

Quelle: PFI Private Finance Institute, EBS Business School: Bedeutung von Vergütungsstrukturen im Nachfrageverhalten nach Finanzdienstleistungen, Studie, Wiesbaden 2014

Aber auch die Vergütung durch Provisionen ist den meisten Verbrauchern demnach kein Begriff. Provisionen und ihre Wirkungsweise seien nur einer Minderheit der Befragten (17 Prozent) bekannt. Fast zwei Drittel der Teilnehmer sind demnach überzeugt, dass eine Beratung in finanziellen Angelegenheiten durch Banken, Sparkassen und andere Finanzdienstleister kostenlos sei.

Keine informierte Entscheidung der Verbraucher

Der Gesetzgeber gehe auch in der Gesetzgebung von einer bewussten Entscheidung eines umfassend informierten Verbrauchers für oder gegen eine bestimmte Vergütungsform aus, so die Studienautoren. Unter den Verbrauchern sei jedoch aktuell eine derartige bewusste Entscheidung nicht festzustellen. “Das Antwortverhalten der befragten Verbraucher lässt den Schluss zu, dass die Verbraucher sich nicht bewusst für das generell dominierende Provisionsmodell entschieden haben”, erläutert Prof. Dr. Rolf Tilmes, einer der wissenschaftlichen Leiter der Studie.

Die mangelnde Kenntnis sei auch die Ursache dafür, dass Honorarberatung bisher nicht als alternative Vergütungsform wahrgenommen werde. “Um einer derartige bewusste Entscheidung herbeizuführen, bedarf es daher zum einen eine bessere finanzielle Allgemeinbildung, die bereits in der schulischen Ausbildung verankert werden sollte”, fordern die Studienautoren.

Für die  Studie “Bedeutung von Vergütungsstrukturen im Nachfrageverhalten nach Finanzdienstleistungen” der PFI Private Finance Institute der EBS Business School unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Rolf Tilmes, Dr. Ralph Jakob und Dr. Johannes Tekathen  wurden bevölkerungsrepräsentativ 1.041 Privatkunden mit Beratungserfahrung in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2013 zu ihren Finanzen befragt. (jb)

 

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Heil bei Grundrente kompromissbereit: Wir sind lösungsorientiert

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat sich im Koalitionsstreit um die Einführung einer Grundrente kompromissbereit gezeigt. “Wir sind lösungsorientiert”, sagte er am Montag vor einer Sitzung des SPD-Parteipräsidiums in Berlin.

mehr ...

Immobilien

Wohn- und Mietenpaket der GroKo: Gute Zeichen für den Wohnungsbau, schlechte Zeichen im Mietrecht

Der beschlossene Wohnpakt trifft nicht überall auf Zustimmung auch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (GdW) äußert sich eher kritisch. Was Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, trifft.

mehr ...

Investmentfonds

Die Krise in Argentinien: Ansteckungsgefahr für die Schwellenländer?

Welche Auswirkungen haben die aktuellen Ereignisse in Argentinien auf das Marktgeschehen in den Schwellenländern? Nach Ansicht von LGIM sind diese eher begrenzt und spiegeln vielmehr eine länderspezifische Entwicklung wider. Ein Kommentar von Magdalena Polan, Senior Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM).

mehr ...

Berater

Digitaler Wandel: „Reflexion ist eine fantastische menschliche Eigenschaft“

Die Transformation beherrscht die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse. Willkommen in disruptiven Zeiten – dass das so ist, belegen nicht nur die Titel auf den Bestseller-Listen. Während Newcomer und Startups auf den Startblöcken stehen, um ganze Branchen umzuwerfen, werden viele etablierte Unternehmen zunehmend unruhig. Ein Gespräch mit Reza Razavi, Senior Manager Culture and Transformation bei BMW Group, Referent bei Club 55 (European Experts of Marketing and Sales).

mehr ...

Sachwertanlagen

AEW erwirbt Wohnportfolio in Helsinki und Espoo für deutsches Individualmandat

Mit dem Erwerb von zwei modernen Apartmenthäusern in der Metropolregion Helsinki erweitert AEW seinen Wohnbestand in Richtung Finnland. Die knapp 90 vollvermieteten Einheiten verteilen sich dabei auf ein Objekt im stark wachsenden Teilmarkt von Jätkäsaari – im westlichen Teil der Innenstadt von Helsinki – sowie eine Liegenschaft im angrenzenden Espoo (Matinkyla).

mehr ...

Recht

Fliegende Dachziegel – Gebäudeeigentümer musste für Sturmschäden haften

Eigentümer einer Immobilie müssen ihr Objekt so absichern, dass es auch erhebliche Sturmstärken aushalten kann, ohne gleich die Allgemeinheit zu gefährden. Wenn sich bei einem Sturm bis zur Stärke 13 Dachziegel lösen und auf die Straße fallen, dann spricht zumindest der Anscheinsbeweis für einen mangelhaften Unterhalt des Gebäudes.

mehr ...