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10. Juli 2018, 09:21
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Infinus-Prozess: “Sie haben vorsätzlich getäuscht”

Viereinhalb Jahre nach dem Ende des Dresdner Finanzdienstleisters Infinus sind am Montag fünf ehemalige Manager zu Freiheitsstrafen zwischen acht Jahren sowie fünf Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts sprach sie des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in Tateinheit mit Kapitalanlagebetrug schuldig.

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Seit November 2015 mussten sich fünf Ex-Manager der größtenteils insolventen Dresdner Infinus-Finanzgruppe wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs im besonders schweren Fall und Kapitalanlagebetrugs verantworten.

Gegen einen weiteren Angeklagten verhängten die Richter viereinhalb Jahre wegen Beihilfe. Zudem verfügten sie, dass deren Vermögen in Höhe von insgesamt über 51 Millionen Euro eingezogen wird. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Verteidiger kündigten Revision an.

“Sie haben vorsätzlich getäuscht und Schaden der Anleger in Kauf genommen”, sagte der Vorsitzende Richter Hans Schlüter-Staats. Die Kammer sieht es als erwiesen an, dass das Geschäftsmodell ein “Schneeballsystem” war und bezifferten den Nettoschaden mit rund 155 Millionen Euro. Die Höhe sei “im Zweifel für die Angeklagten” bewertet worden. Der wirtschaftliche Gesamtschaden liege mit 415,6 Millionen Euro bedeutend höher, sagte der Vorsitzende.

In einem der größten und längsten Wirtschaftsstrafverfahren Deutschlands geht es um etwa 22.000 Anleger. In der Anklage hatte die Staatsanwaltschaft den Schaden zuvor mit rund 312 Millionen Euro beziffert.

Infinus sei bis zuletzt eine “nach außen brillierende, nach innen aber brüchige” und wohl nicht dauerhafte Erfolgsgeschichte gewesen, sagte Schlüter-Staats. “Tatsächlich gab es überhaupt kein echtes Geschäft zum Zweck der Renditegewinnung.” Bei Infinus habe es sich um ein wirtschaftlich eng verwobenes, von außen kaum durchschaubares Geflecht von Firmen gehandelt, die täglich neu gesteuert Geschäfte untereinander machten.

“Eine sich immer schneller drehende Spirale”

Nach Überzeugung der Richter schlossen die zuletzt 22 Gesellschaften untereinander Luftgeschäfte ab. Es seien Gewinne generiert worden, die aber nur auf dem Papier existierten. Gegenüber Vermittlern und Anlegern sei ein funktionierendes Geschäftsmodell dargestellt worden, das es nicht gab. Tatsächlich seien Orderschuldverschreibungen und Nachrangdarlehen mit zu hohen Renditeversprechen gehandelt worden, die nur mit dem Geld von zusätzlich eingeworbenen Anlegern hätten bedient werden können.

Dieser “Schneeballeffekt” habe sich verstärkt, da immer neue, großvolumige Eigenverträge abgeschlossen werden mussten, um in der Gewinnzone zu bleiben. “Es war eine sich immer schneller drehende Spirale”, konstatierte Schlüter-Staats. “Jeder, der es weiterhin betreibt, wird zum Betrüger, weil er weiß, dass der Schaden umso größer ist, je länger es läuft.” Am Ende habe die Finanzierungslücke rund 50 Millionen Euro betragen.

Seite zwei: “Ein sehr intelligenter Betrug”

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3 Kommentare

  1. Zur deutschen Bank: Wo sie Recht haben haben sie Recht Hr. Stangl

    Die war ja ein wesentlicher Verursacher bzw. nicht unwesentlich an der Subprimekrise 2007/08 in den USA beteiligt. Da dazu Dokumentationen gemacht wurden ist dies wohl auch unbestreitbar.

    Nunja – letztendlich wurden die nicht bestraft sondern mit einem Rettungspaket belohnt!

    “To big to Fall” – Aber man hätte Fallen lassen sollen.

    Mit der Sicherheit daß der Staat eingreift wenn man in Schieflage gerät läßt es sich ungeniert weiter spekulieren und zwar auf Teufel komm raus.

    Ich Wünsche niemandem Böses, aber trauig über eine Pleite dieser Bank wäre ich sicher nicht!

    Kommentar von Max Tengelmann — 11. Juli 2018 @ 00:19

  2. Die ganze Sache ist einfach eine Schande. Die Verlierer sind die Anleger, die Gewinner die Insolvenzverwalter. Alle in einen Sack und mit dem Knüppel drauf. Hoffentlich kommt es bald zur Revision und diese Verursacher werden zur Rechenschaft gezogen, denn es war nicht die BaFin, die das ganze angeblich ins Rollen brachte. In internen Kreisen ist sehr wohl bekannt, wer die anonyme Anzeige feige getätigt hat. Sicher aus Neid. Aber Neid ist hart zu erarbeiten und Mitleid bekommt man geschenkt. Und nur dadurch wurden wir Anleger betrogen. Aber man sieht sich immer 2 x.

    Kommentar von MOrgenstern, Matthias — 10. Juli 2018 @ 20:51

  3. Auf alle Fälle und da kann man das Blatt drehen und wenden wie man will. Der Schaden wäre wenn überhaupt ohne dem Einschreiten und vor allem die Art und Weise des Einschreitens der Behörden für die Anleger nicht so hoch geworden wie aktuell. Wenn die Anleger Glück haben bekommen sie eventuell 20 % ihres Vermögens zurück. Es ist für die Anleger sicher uninteressant wer ihr Geld wie auch immer vernichtet hat. Der Insolvenzverwalter und seine Mannen oder die Führung der Infinus. Und selbst wenn die Lenker der Infinus in den letzten 4 Jahren keine Rendite gezahlt hätten wären die Anleger immer noch besser gefahren als mit Hilfe des Staates. Außerdem nur mal nebenbei eine Frage an den “Rechtsstaat”. Die Deutsche Bank z.B. hat mehr als 8500 Klagen am Hals ist wie man der Fachpresse entnehmen kann an fast allen Sauereien welche die Finanzbranche so her gibt irgendwie beteiligt. Wo greift denn dort der sogenannte Rechtsstaat und die BaFin einmal ein? Strafen wenn überhaupt kommen dort nur aus dem Ausland. Aber die sehen das wahrscheinlich völlig falsch was da gespielt wird.

    Kommentar von Winfried Stangl — 10. Juli 2018 @ 16:24

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