21. November 2019, 09:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Razzia gegen “Hawala-Banking”: 22 Millionen Euro sichergestellt

Der mutmaßliche Kopf des illegalen “Hawala”-Bankings, das mit einer bundesweiten Großrazzia zerschlagen wurde, ist der Düsseldorfer Besitzer einer Juwelierkette. In seinen Juwelierfilialen unter anderem in Duisburg sowie in Pfandhäusern in Berlin sollen die illegalen Geldtransfers betrieben worden sein.

126876578 in Razzia gegen Hawala-Banking: 22 Millionen Euro sichergestellt

Etliche Metallkisten mit Gold und Bargeld wurden bei der Großrazzia sichergestellt. 

Bei der Razzia am Dienstag seien 22 Millionen Euro in Form von Bargeld, Gold, Schmuck und Fahrzeugen sichergestellt worden, berichteten die Ermittler am Mittwoch.

“Wir haben einen Fuß in die Tür illegaler Finanzgeschäfte bekommen”, sagte Ermittler Michael Reskau vom Landeskriminalamt NRW. Wegen der illegalen Millionentransfers haben Polizei und Staatsanwaltschaft in Nordrhein-Westfalen 27 Verdächtige im Visier. Insgesamt könnten Vermögenswerte in Höhe von 212 Millionen Euro vorläufig sichergestellt werden, berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU).

Woher das Geld stammt, dazu wollten sich die Ermittler noch nicht äußern. Der Verdacht liege nahe, dass darunter viel illegal erworbenes Vermögen sei. Einzahler seien nicht nur Türken, sondern auch etwa Litauer und Syrer gewesen.

Auf die Spur des in Deutschland verbotenen orientalischen Bankings waren die Ermittler durch ein Verfahren gegen mutmaßliche betrügerische Aktienhändler gekommen. Sie sollen ihre Beute aus dem Verkauf wertloser Aktien auf diese Weise außer Landes geschafft haben.

Das für das Hawala-Banking genutzte Netzwerk reiche vom Ruhrgebiet über den Mannheimer Raum bis nach Rotterdam, so Reul. Der tägliche Umsatz habe zwischen 700.000 und einer Million Euro gelegen, berichtete Reul.

Nicht Teil des islamischen Bankwesens

“Mit dem Hawala-System kann Geld schnell, vertraulich und sehr kostengünstig transferiert werden”, sagte er. Weil der Geldfluss sich der Bankenaufsicht und der Geldwäscheprüfung entzieht, ist es in Deutschland verboten.

Das weltweit eingesetzte, informelle Überweisungssystem hat seine Wurzeln in der frühmittelalterlichen Handelsgesellschaft des vorderen und mittleren Orients. “Es ist nicht Teil des islamischen Bankwesens”, sagte Reul. Aus dem Arabischen kann “Hawala” mit “Wechseln, Überweisen” übersetzt werden.

Weil der Geldfluss überwiegend aus Richtung Deutschland in Richtung Türkei stattfand, waren die Hawala-Banker gezwungen, einen Ausgleich zu schaffen. Dazu hätten sie Gold angekauft und dieses in einem deutsch-türkischen Familienunternehmen bilanztechnisch vom deutschen zum türkischen Unternehmensteil verschoben.

Weiteren Verdachtsfällen auf der Spur

Am Dienstag seien während der Razzien zum “Hawala-Komplex” in Deutschland und im europäischen Ausland insgesamt 105 Objekte durchsucht worden – davon 50 allein in NRW, berichtete Reul. Von sechs Haftbefehlen seien drei vollstreckt worden, sagte Staatsanwalt Stefan Willkomm.

“Das ist eine Riesenaktion”, bilanzierte der Minister. Die neue “Task Force”, in der Steuerfahnder, Staatsanwälte und IT-Spezialisten in NRW gemeinsam daran arbeiten, illegale Finanzströme aufzuspüren, hatte vor einem Jahr ihre Arbeit aufgenommen.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sagte, die Task Force sei bereits weiteren Verdachtsfällen auf der Spur, über die aber noch nicht gesprochen werden könne. An den Durchsuchungen am Dienstag waren mehrere hundert Polizisten, Staatsanwälte und Regierungsbeschäftigte etwa der Bankenaufsicht beteiligt. (dpa-AFX)

Foto: Picture Alliance 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Erster im Markt: Gothaer bündelt bAV- und bKV-Verwaltung in einem Portal

Um den Verwaltungsaufwand für die betriebliche Vorsorge und Absicherung für Arbeitgeber deutlich zu vereinfachen, bündelt die Gothaer als erster Versicherer die bAV und bKV-Verwaltung für Arbeitgeber in einem gemeinsamen Portal.

mehr ...

Immobilien

Stadtflucht wegen Coronakrise?

Treibt Corona die Deutschen aufs Land? Immerhin haben die Vorteile der Stadt in Zeiten von Kontakteinschränkungen und Sperrstunden weniger Relevanz. Große Menschenansammlungen sind auf dem Land leichter zu meiden. Doch spiegelt sich diese landläufige Ansicht auch im Suchverhalten und den Nachfragepräferenzen von Immobiliensuchenden wider?

mehr ...

Investmentfonds

Britische Staatsanleihen: Sorgen Brexit und Corona für negative Renditen?

Die anhaltende Covid-19-Pandemie und der zäh verlaufende Brexit-Prozess könnten die Renditen britischer Staatsanleihen unter die Nullgrenze bringen, kommentiert Colin Finlayson, Co-Manager des Aegon Strategic Global Bond Fund bei Aegon Asset Management.

mehr ...

Berater

Konsolidierung mit Kapital und Köpfen

Suchten Makler in der Vergangenheit Anschluss an einen Pool oder wollten zu einem anderen wechseln, lenkten sie den Blick meist auf die Provisionstabellen. Wettbewerb lief vor allem über die Vergütung und Produktpalette. Diese Zeiten sind vorbei. Natürlich spielen beide Kriterien noch eine Rolle, aber die entscheidende Frage lautet: Wie bewältigt der Pool des Vertrauens die Herausforderungen, die wegen der enorm schnellen und einschneidenden technischen Entwicklung entstehen?

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin nimmt Deutsche Edelfisch DEG II ins Visier

Die Finanzaufsicht BaFin hat den hinreichend begründeten Verdacht, dass die Deutsche Edelfisch DEG GmbH & Co. II KG in Deutschland Wertpapiere in Form von Schuldverschreibungen ohne das erforderliche Wertpapier-Informationsblatt öffentlich anbietet. Im Markt der Vermögensanlagen ist das Unternehmen nicht unbekannt.

mehr ...

Recht

Berliner Verfassungsgerichtshof setzt Mietendeckel-Verfahren aus

Der Berliner Verfassungsgerichtshof hat die Prüfung des umstrittenen Mietendeckels ausgesetzt. Man wolle zunächst den Ausgang der anhängigen Verfahren dazu beim Bundesverfassungsgericht abwarten, teilte das höchste Berliner Gericht am Donnerstag mit.

mehr ...