18. Juni 2018, 11:18
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schiffsfonds: Anlagepleiten der Finanzkrise wiederholen sich heute

Vor fast zehn Jahren schlug die Finanzkrise unbarmherzig zu. Die Folgen waren weltweit zu spüren und sie trafen aus Sicht deutscher Anleger auch ein Finanzprodukt, das wie kein anderes gerade die Globalisierung am Laufen hielt: Geschlossene Schiffsfonds.

Gastbeitrag von Niels Andersen, APS Financial Law

Schiffsfonds: Anlagepleiten der Finanzkrise wiederholen sich heute

Niels Andersen: “Zehn Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise bangen erneut zehntausende Anleger um ihr Geld.”

Mit diesen Fonds wurden Containerschiffe, Tanker oder Stückgutfrachter finanziert, die den internationalen Warenverkehr und die Erfolge des Exportweltmeisters Deutschland überhaupt erst ermöglichten.

Seit 2008 nun sind mehr als 700 Schiffsgesellschaften in die Insolvenz gegangen. Viele Fondsanleger leiden immer noch unter den drastischen Konsequenzen – und inzwischen auch der deutsche Steuerzahler. Bis heute haben sich die Schifffahrtsbranche und deren Financiers nicht davon erholt.

Zehn Milliarden Euro Verlust

In meinem Buch “Unter falscher Flagge: Wie Banken und Reeder Schiffsfonds versenken – und der Steuerzahler Schiffe finanziert“ zeichne ich die Geschehnisse nach, beleuchte aber vor allem Hintergründe und die Verantwortlichen für diese Milliardenverluste – die sich aktuell in fataler Weise wiederholen, nämlich beim Containervermarkter P&R.

Ein Kern des Buchs ist, wie das Geschäftsmodell “Schiffsfonds“ ein Goldesel für alle Beteiligten war, bloß nicht für die Investoren. Deutsche Anleger hatten seit den 70er Jahren mehr als 30 Milliarden Euro in dieses Anlagemodell investiert – und zehn Milliarden Euro allein bis 2014 verloren.

Dabei waren die Schiffsfonds oft für die Altersvorsorge vorgesehen, Privatanleger haben nicht selten 100.000 Euro investiert. Wer die Risiken – durch enorme Interessenkollisionen hervorgerufen – und den Funktionsmechanismus der Schiffsfonds und des Marktes gekannt hätte, wäre wohl kaum eingestiegen.

Schiffsfonds als völlige Fehlkonstruktion

Die Pleite der Schiffsfonds ist ein Lehrbeispiel für eine geplatzte Blase, die von vielen Akteuren über Jahre aufgebläht wurde: 2008 verfügte Deutschland auf diese Weise über die größte Containerschiffsflotte der Erde, maßgeblich finanziert durch deutsche geschlossene Fonds.

Dabei waren sie mit ihrer langen Laufzeit und den anderen gefährlichen Aspekten eine völlige Fehlkonstruktion – unabhängig von der Wirtschaftskrise 2008/2009.

Ursache davon waren besonders auch die horrenden Gebühren und sonstigen Erträge der Emissionshäuser, Reeder und der beteiligten Dienstleister, allen voran der Banken.

Seite zwei: Deutschland auch bei Schiffsfinanzierungen Spitze

Weiter lesen: 1 2

3 Kommentare

  1. In dem Bereich Hausgrundstücke ist das genau das gleiche Spiel!
    Da werden sich viele noch gewaltig umgucken!

    Ursache davon waren besonders auch die horrenden Gebühren und sonstigen Erträge der Emissionshäuser, Reeder und der beteiligten Dienstleister, allen voran der Banken.

    Kommentar von Elisabeth Schwabe — 31. Juli 2018 @ 12:50

  2. Wer Schiffe, Container oder was auch immer kauft, muss doch wissen, dass er eine unternehmerische Beteiligung eingeht. Das ist eben kein Festgeld.

    Kommentar von Ullmann — 19. Juni 2018 @ 19:44

  3. Schön, wenn Leute immer nach einem GAU schlaue Bücher, Artikel und Landingpages schreiben. Wo waren denn die feinen Juristen, Notare und Wirtschaftsprüfer als Testate, Bilanzen, Prospektgutachten und Prospekte zur BaFin-Vorlage geschrieben wurden und da der gute Jurist, schlaue Gutachter und ehrbare Kaufmann notwendig gewesen wäre?! Mich beschleicht hier der Verdacht, dass nun ein weiteres Mal ein gutes Honorar verdient wird. Ein Schelm wer Böses denkt…

    Kommentar von Sebastian Sprenger — 18. Juni 2018 @ 21:50

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Bestnote: DFSI vergibt Triple-A an WWK

Das Deutsche Finanz-Service Institut (DFSI) zeichnet die WWK Lebensversicherung in seiner aktuellen Studie zur Unternehmensqualität als einzigen Lebensversicherer mit der Bestnote AAA (Exzellent) aus. Bewertet wurden die Kriterien Substanzkraft, Produktqualität und Service. Die WWK konnte in allen drei Bereichen überzeugen und wurde damit erneut als führendes Unternehmen in der Branche ausgezeichnet.

mehr ...

Immobilien

Miete oft höher als 30 Prozent des Einkommens

Zwei Drittel der Wohnungssuchenden bereit, mehr für Miete zu zahlen als empfohlen Eine Faustregel lautet: Die Kaltmiete einer Wohnung sollte nicht höher als 30 Prozent des Nettoeinkommens des Mieters sein.

mehr ...

Investmentfonds

Negativzinsen: Mehr als 300 Banken und Sparkassen erheben Strafzinsen auf Einlagen

Die Negativzins-Welle, die im Moment auf Sparer zurollt, hat in den vergangenen Wochen deutlich an Dynamik gewonnen. Allein im Oktober haben bislang mehr als 20 Banken und Sparkassen ein sogenanntes Verwahrentgelt für private Einlagen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto eingeführt. Seit Jahresanfang sind rund 150 Geldhäuser diesem Schritt gefolgt.

mehr ...

Berater

Garantieverpflichtungen: Bei 24 Lebensversicherern reicht es nicht (mehr)

Bei 24 von 82 Lebensversicherern reichten die 2019 erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht aus, um die Garantieverpflichtungen zu erfüllen und die gesetzlich vorgeschriebene Reserve zu bedienen. Das zeigt die aktuelle Analyse des Zweitmarkthändlers Policen Direkt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Finexity bringt dritten digitalen “Club-Deal”

Das Fintech Finexity AG erweitert sein “Club-Deal”-Angebot um ein Neubauprojekt in Hamburg. Das Projekt ist mit einem Volumen von über acht Millionen Euro das bisher größte im Portfolio des Hamburger Unternehmens und steht Investoren mit Anlagesummen ab 100.000 Euro offen.

mehr ...

Recht

Haftpflichtkasse muss Gasthaus für Corona-Schließung entschädigen

In der Klagewelle um die Kosten für Gaststätten, die wegen der Corona-Pandemie schließen mussten, hat ein weiterer Wirt gegen seine Versicherung gewonnen.

mehr ...