Michael Groß: „Berufsbilder werden immer instabiler“

Cash.: Massiver Verlust von Arbeitsplätzen oder Jobwunder? Wie wird sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirken?

Groß: Es passiert beides: Arbeitsplätze gehen massiv verloren, es gibt aber auch Jobwunder. Für bestimmte Berufe findet man keine Leute mehr, zum Beispiel Lkw-Fahrer oder Taxi-Fahrer.

Die wird in zehn Jahren niemand mehr brauchen, viele Berufsfelder verschwinden. Dafür wird es neue Berufsfelder geben, insbesondere im Bereich IT, in die die jüngere Generation automatisch hineinwächst.

Ein Professor der University of California in Berkeley hat übrigens die These aufgestellt, dass Kinder, die heute geboren werden, zum Ende ihrer Berufskarriere nicht mehr den Beruf ausüben werden, mit dem sie angefangen haben.

Noch vor hundert Jahren war es so, dass die Kinder meistens den Beruf ihrer Eltern ausgeübt haben. Das war möglich, weil die Berufsbilder damals sehr stabil waren.

Heute werden sie immer instabiler. Das führt dazu, dass man in seinem Leben höchstwahrscheinlich zwei- oder dreimal einen neuen Beruf ausüben wird.

Bei vielen Absolventen der Wirtschaftswissenschaften gilt mittlerweile ja das Motto: „Wenn überhaupt Finanzdienstleistungsbranche, dann Fintech.“

Der Beruf des Finanzvermittlers ist bei den Berufswünschen der jüngeren Generation völlig unterrepräsentiert. Ich sehe das bei meinen Studenten im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich: Dort will niemand mehr in dieser Branche arbeiten.

Sie wollen nicht in ein Berufsfeld einsteigen, das es möglicherweise in 40 Jahren nicht mehr gibt. In der Finanzdienstleistungsbranche sollte man deshalb schon jetzt schauen, in welche Richtung man sich weiterentwickeln kann – nicht positionsmäßig, sondern fachlich-inhaltlich.

Beim Thema Fintechs vergessen allerdings viele, worauf sie sich einlassen. Ein Fintech bedeutet, dass Leben und Arbeiten eins werden. Und es bedeutet: Gambling. Der ganze Einsatz kann umsonst sein, wenn das Fintech scheitert, was eher die Regel ist. Das ist vielen nicht bewusst.

Seite drei: Führung eines Unternehmens

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