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15. Juni 2005, 00:00
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BaFin schließt weiteren Portfoliofonds

Wegen eines angeblich betriebenen Finanzkommissions-geschäftes hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-aufsicht (BaFin) heute die Schließung des MSF Master Star Fund Deutsche Vermögensfonds I der Berliner DA Deutsche Anlagen verfügt. Zudem wurde die Abwicklung des Fonds verfügt. Als Abwickler wurde bereits der Hamburger Rechtsanwalt Georg Henningsmeier eingesetzt.

?Die BaFin hat uns erstmalig mit Schreiben von Ende Oktober 2004 vorgeworfen, wirwürden ein erlaubnispflichtiges Bankgeschäft betreiben, ohne diese Erlaubnis zubesitzen?, erläutert Walter Rasch, Geschäftsführer des Fonds. ?Wir haben diese Haltung der Behörde, wiewohl wir sie rechtlich nicht teilen, akzeptiert.?

Die BaFin habe am 30. Dezember 2004 mitgeteilt, unter welchen Voraussetzungen eine neue Struktur in Form einer GbR erlaubnisfrei wäre. ?Seit dem 19. Januar 2005 liegt der Behörde ein dementsprechender vollständiger Vertragsentwurf vor?, so Rasch. ?Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Behörde – bis zum heutigen Tage erfolglos – um Freigabe für ein umfassendes Kundeninformations-Schreiben und für eine Ergänzung des Emissionsprospektes mit Hinblick auf die weiterlaufende Platzierung gebeten.?

Eine Sprecherin der BaFin bestätigte gegenüber cash-online, dass bereits seit Oktober 2004 lebhafte Korrespondenz zwischen der Behörde und dem Emissionshaus ausgetauscht worden sei. Die schließlich seitens der Deutsche Anlagen vorgelegte Alternativ-Lösung jedoch habe nicht akzeptiert werden können, da sie nicht tragfähig im Sinne der Anleger gewesen sei, deren Internessen zu schützen schließlich primäre Aufgabe der BaFin sei.

Nach den Worten von Rasch geht die Entscheidung der Aufsicht jedoch vor allem zu Lasten der Anleger. ?Das Fondsvolumen von 200 Millionen Euro ist per Mitte April 2005 voll gezeichnet, und bislang sind über 40 Millionen Euro Einzahlungen geleistet?, sagt der Geschäftsführer. ?Typischerweise aber fallen bei Fonds wie dem unsrigen – vergleichbar mitLebensversicherungen – die wesentlichen Kosten bereits am Anfang an.?

Zudem seien schon 11,4 Millionen Euro plangemäß in das erste Privat-Equity-Investment des Fonds geflossen, die laut Rasch nunmehr aufgrund des Handelns der BaFin als verloren gelten müssen. ?Dabei liegt der Behörde ein Plan vor, wie dieses Investment verkauft und damit dieLiquidität wieder in den Fonds zurückgeführt werden kann?, so Rasch.

Die Private-Equity-Beteiligung sei durch zwei unabhängige Bewertungsgutachten aufBasis des IDW-Standards ES 1 n. F. mit 10,6 Millionen Euro und mit zwölf Millionen Euro (objektivierter Unternehmenswert) bewertet worden. ?Darüber hinaus befinden sich auf dem Fondskonto per 31. Mai bereits sieben Millionen Euro?, sagt Rasch. Dazu aber habe die BaFin jegliches Gespräch verweigert und stattdessen die Schließung verfügt.

?Das Ergebnis wird sein, dass die Anleger aus der Abwicklung des Fonds deutlich weniger als ihre Einzahlungen, im schlimmsten Fall gar nichts wieder sehen werden. Diese Kapitalvernichtung durch die BaFin ist schneller und radikaler als es der schlimmste Vermögensverwalter zustande bekommen hätte?, sagt der DA-Mann. ?Das Aufsichtsamthat den Interessen der Anleger einen Bärendienst erwiesen.?

Hintergrund: Ein Finanzkommissionsgeschäft betreibt, wer im eigenen Namen und auf fremde Rechnung in Wertpapiere wie etwa Investmentfonds investiert. Für solche Geschäfte wird grundsätzlich die Erlaubnis der BaFin benötigt.

Bereits im September vergangenen Jahres sorgte der Fall des MV Capital Management Vermögensfonds des Grünwalder Emissionshauses Emporium für Aufsehen in der Branche. Auch dieser Offerte untersagte die BaFin wegen angeblich unerlaubter Finanzkommissionsgeschäfte die Fortführung der Geschäfte und ordnete die Abwicklung an.

Nachdem zwischenzeitlich das Verwaltungsgericht Frankfurt zumindest den Abwickler ? ebenfalls Rechtsanwalt Henningsmeier aus Hamburg – zurückgerufen hat, streiten BaFin und Emporium über den Vorgang bis heute.

Darüber hinaus befinden sich nach Informationen von cash-online hinter den Kulissen weitere Anbieter von Portfoliofonds zum gleichen Thema im Zwist mit der BaFin.

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