Anzeige
29. April 2005, 00:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Vorsicht bei “Übergangsfonds”

Verlustzuweisungen bei geschlossenen Fonds sind möglicherweise schon für Beitritte ab dem 5. Mai 2005 nicht mehr möglich. Das sieht ein gestern publik gewordener Gesetzentwurf aus dem Bundesfinanzministerium (BMF) vor, der die Übergangsregelung für den geplanten Paragrafen 15b Einkommenssteuergesetz gegenüber der ursprünglichen “Formulierungshilfe” erheblich verkürzt. Weitere Voraussetzung ist, dass die Fonds vor dem 18. März 2005 mit dem “Außenvertrieb” begonnen haben.

Ansonsten sind Verlustzuweisungen nur noch möglich, wenn sie unter zehn Prozent der Einlage liegen. Betroffen von der Neuregelung sind vor allem Medien- und Windenergiefonds, aber auch einzelne Immobilienfonds und Käufe von “modellhaft” aufbereiteten Eigentumswohnungen ab dem 5. Mai.

Verschiedene Initiatoren von geschlossenen Fonds haben ihre Vertriebe bereits aufgefordert, die Akquisition zu intensivieren und möglichst viele Zeichnungsscheine bis zum 4. Mai einzureichen. Die Hamburger Ratingagentur G.U.B. und die Experten ihrer Muttergesellschaft Cash.medien AG raten hingegen, nicht vorschnell zu handeln. “Am 5. Mai wird der Vertrieb abrupt abreißen”, sagt Stefan Löwer, der als Handlungsbevollmächtigter der Cash.medien AG für den Themenbereich geschlossene Fonds in der Unternehmensgruppe zuständig ist.

“Wenn die Fonds bis dahin nicht geschlossen sind oder nur ein geringes Volumen erreicht haben, droht ein Desaster für die bereits beigetretenen Anleger. Sie sollten deshalb prüfen, dass der Fonds entweder bereits ein ausreichendes Volumen erreicht hat oder die Platzierungsgarantie des Initiators zweifelsfrei werthaltig ist”, empfiehlt Löwer.

Für die “Übergangsfonds” gelte zudem weiterhin der Paragraf 2b. Danach erkennen die Finanzämter Verlustzuweisungen nicht an, wenn mit ihnen geworben wurde. “Einige Initiatoren und Vertriebe von Medienfonds scheinen das in den letzten Tagen vergessen zu haben”, konstatiert Löwer. Wenn zu offensiv mit der “letzten Chance” für Steuervorteile geworben werde, könnten die Verlustzuweisungen aberkannt werden.

Wenn der Entwurf unverändert Gesetz wird, sind die Folgen gravierend. Eine Pleitewelle droht vor allem bei Windenergiefonds. Viele Initiatoren dieser Branche haben durch abgeschlossene Verträge für konkrete Projekte und durch Platzierungsgarantien feste Verpflichtungen übernommen, die sie voraussichtlich nicht in allen Fällen aus eigenen Mitteln erfüllen können.

Weniger dramatisch ist die Situation für die Initiatoren von Blind Pools mit offenen Volumen, also die Medienfonds. Diese treffen die Investitionsentscheidungen erst später. Allerdings können sie zukünftig keine Medienfonds mehr nach dem bisherigen Strickmuster anbieten und deshalb in Schwierigkeiten geraten.Über die Gründe für die Verkürzung der Übergangsregelung kann nur spekuliert werden. Vermutlich will sich die Bundesregierung zum einen Spielraum für die Verhandlungen mit der Union schaffen (der Bundesrat muss dem Gesetz zustimmen).

Zum anderen will sie augenscheinlich verhindern, dass bis zu dem ursprünglich vorgesehenen Termin für den spätesten Beitritt, dem 30. September 2005, ein Run auf die noch geschützten Fonds – vor allem auf Medienfonds – einsetzt. “Ich erwarte, dass zumindest für jene Fonds, die bereits verbindliche Investitionsentscheidungen getroffen haben, die Frist für den Beitritt noch verlängert wird”, vermutet Löwer. Für Medienfonds und andere Blind Pools mit offenem Volumen allerdings werde es wohl bei dem Termin 5. Mai bleiben.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 10/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset – Kfz-Policen – Immobilieninvestments – Ruhestandsplanung

Ab dem 13. September im Handel.

Jubiläumsheft

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Zukunft der Versicherungsbranche + Unangenehme Wahrheiten: Vermittlerzahlen täuschen

Versicherungen

bAV: Nürnberger stellt Pensionsfonds neu auf

Die Nürnberger Pensionsfonds AG erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten in der betrieblichen Altersversorgung (bAV). So kann sich beim bilanzförmigen Pensionsfonds die Kapitalanlage zukünftig automatisch an aktuelle Marktentwicklungen anpassen, um eine langfristig stabile Wertentwicklung zu erreichen. Mit Fidelity International konnte zudem ein neuer Partner im Bereich der Fondsanlage gewonnen werden.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Zinsen werden volatiler

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschäftigt sich unter anderem mit der finanziellen Lage Italiens, während die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wieder einmal am Leitzins gedreht hat.

mehr ...

Investmentfonds

Sieben Anlagestrategien für den Spätzyklus

Die USA erleben ihre zweitlängste wirtschaftliche Expansion, die bereits zehn Jahre andauert. Und auch wenn derzeit kein Ende in Sicht ist, stellt sich die Frage, wie lange dieser noch anhalten wird. Laut Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, spricht vieles dafür, dass sich die US-Konjunktur im Spätzyklus befindet. Er nennt sieben Strategien, mit denen Anleger ihre Portfolios defensiver Ausrichten können.

mehr ...

Berater

Fintechs: Die fairsten digitalen Finanzberater

Auf dem deutschen Markt tummeln sich bereits über 300 verschiedene sogenannte Fintechs – Tendenz laut Experten steigend. Welche davon am fairsten aufgestellt sind, hat das Analysehaus Servicevalue in Kooperation mit Focus Money untersucht.

mehr ...

Sachwertanlagen

Falschberatung: Sparkasse muss zahlen

Mangelhafte Beratung kann den Berater teuer zu stehen kommen. Das erfährt eine oberpfälzische Sparkasse gerade am eigenen Leib, wie ein aktuelles Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth zeigt.

mehr ...

Recht

Heckenschnitt: Was gilt im Streitfall?

Landesrechtliche Regelungen geben oft vor, wie hoch eine Hecke auf einer Grundstücksgrenze sein darf. Nachbarn können jedoch nicht verlangen, dass der Eigentümer seine Hecke vorsorglich im Herbst und Winter so stark herunterschneidet, dass sie im Sommer die zulässige nicht Höhe überschreitet. Dies entschied laut D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH das Landgericht Freiburg.

mehr ...