28. Dezember 2010, 10:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Feuerwerk der Fondskonzepte“

Zu Platzierungszahlen, Restrukturierungen und Schiffsfondskonstruktionen der Zukunft befragte Cash. den Vorstandsvorsitzenden des Hamburger Emissionshauses Lloyd Fonds AG Dr. Torsten Teichert.

Teichert-Online in „Feuerwerk der Fondskonzepte“

Cash.: Für Lloyd Fonds standen in 2010 einige Fondssanierungen an. Sie haben sich in der Restrukturierung für die Nachschuss-Variante entschieden. Wie lautet Ihr Fazit?

Teichert: Wie nahezu alle anderen Emissionshäuser wollten auch wir von der bestehenden Möglichkeit zur Rückforderung geleisteter Ausschüttungen keinen Gebrauch machen. Diese Entscheidung war ein Prozess reiflicher Überlegung und ist heute ja sozusagen Marktstandard. Jeder Anleger, der an der von uns entwickelten Variante mit Vorzugskapital freiwillig teilnimmt, ist, bildlich gesprochen, vorne und hinten mit dabei. Diejenigen Anleger, die nicht daran teilnehmen wollen oder können, bleiben dann – um im Bild zu bleiben – hinten. Diese Restrukturierungsvariante bietet eine echte Entscheidungsmöglichkeit für jeden Altanleger. Die Lösung lässt uns zudem die Möglichkeit, fremdes Kapital einzuwerben, wobei wir solches bisher sehr spärlich einsetzen mussten. Von insgesamt zwölf abgeschlossenen Refinanzierungen insgesamt haben wir nur in einem Fall einen Drittkapitalgeber aufgenommen. Die anderen wurden sämtlichst von den Altanlegern alleine getragen. Mehr, als dass die Gesellschafter tatsächlich bereit sind, in einer Krisensituation nochmals in die KG zu investieren, kann man wirklich nicht verlangen. Ein solches Bekenntnis erlebt man in der Finanzwelt nicht alle Tage. Ich halte dies für einen eindrucksvollen Beweis für die Leistungsfähigkeit des KG-Modells und das Verantwortungsbewusstsein der Anleger.

Cash.: Die Gesellschafter haben demnach gar aktiv die Sanierungen begleitet?

Teichert: Anlegerschelte – wie teils verbreitet – ist tatsächlich alles anderes als angebracht. Beispielsweise haben wir in Telefonkonferenzen eine hohe Resonanz von Kommanditisten, aber auch Vertriebspartnern erfahren – deutlich mehr als in Präsenzveranstaltungen. Natürlich wird dort auch Kritik geübt, aber das Feedback ist grundsätzlich konstruktiv.

Cash.: Müssen die Anleger Ihres Fonds Air Portfolio II durch die Insolvenz von Hamburg International nun auch für einen Flugzeugfonds Nachschüsse leisten?

Teichert: Nein, dort muss kein Anleger zusätzlich einzahlen. Es kam zur Insolvenz von Hamburg International, weil mitten im Prozess der Unternehmensrefinanzierung ein Leasinggeber – es war ausgerechnet die Tochter einer Landesbank -ausscherte und die Verträge kündigte. Damit kam es zu einem Dominoeffekt und auch wir waren letztlich gezwungen, unsere Verträge zu kündigen. Unsere Maschinen haben wir nun zurück. Sie sind weiter versichert und auf einem Flughafen geparkt, wo sie regelmäßig technisch gewartet und flugtauglich gehalten werden. Die Suche nach einem neuen Leasingnehmer ist in vollem Gange.

Cash.: Wie optimistisch sind Sie, bald einen geeigneten Nachfolger präsentieren zu können?

Teichert: Wir befinden uns aktuell in erfolgversprechenden Gesprächen. Auch der Hamburger Wirtschaftssenator Karan hat sich eingeschaltet und versucht nun, Hamburg International zu retten. Wir vertreten allerdings ausschließlich die Interessen des Fonds und das heißt: Wir suchen jetzt die bestmögliche Charter für die nächsten Jahre.

Cash.: Welche Konsequenzen hat diese Beschäftigungspause für die Anleger?

Teichert: Es sieht derzeit so aus, dass wir die Maschinen so gut verleasen können, dass wir neben dem Kapitaldienst auf jeden Fall auch Ausschüttungen leisten können. Airportfolio II ist kein Sanierungsfall. Der Fonds hat genügend Liquidität um diese Remarketingphase – wie es im Flugjargon heißt – zu überbrücken. Wir werden aber auch noch mit den Banken über die Finanzierungsbedingungen sprechen. Vielleicht gelingt es uns ja, dem Fonds noch mehr Luft zu verschaffen.

Seite 2: So lief das Platzierungsgeschäft in 2010

Weiter lesen: 1 2 3 4

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Versicherer europaweit unter Druck

Der Stoxx Europe 600 Insurance mit den Versicherungswerten ist am Freitag mit einem Abschlag von drei Prozent mit weitem Abstand schwächster Sektor in Europa gewesen. Auch im Dax lagen Allianz und Munich Re mit minus 1,5 Prozent am Ende.

mehr ...

Immobilien

Wohnungspolitik in Zeiten der Corona-Krise weltweit: Herausforderungen und Lösungen

Die Corona-Pandemie, die im Dezember 2019 ihren Anfang nahm und sich derzeit weltweit rasch ausbreitet, wirkt sich auf die Wirtschaft und damit auch auf den Immobilienmarkt spürbar aus. Private MieterInnen sind betroffen, wenn sie wegen der Eindämmungsbestimmungen kein oder deutlich weniger Einkommen beziehen. Erste Vorschläge und staatliche Maßnahmen zielen darauf ab, den gewerblichen und privaten MieterInnen und WohnimmobilienbesitzerInnen in diesen schwierigen Zeiten möglichst unbürokratisch zu helfen. Welche Regierung was beschlossen hat oder plant, stellt das DIW Berlin vor.

mehr ...

Investmentfonds

Coronakrise: “Gesundheit und stabile Wirtschaft schließen sich nicht aus”

Die geltenden Beschränkungen in Gesellschaft und Wirtschaft allmählich zu lockern und dabei die medizinische Versorgung der gesamten Bevölkerung zu sichern – dafür plädiert jetzt eine interdisziplinäre Gruppe renommierter Wissenschaftler. In ihrem Positionspapier zeigen die Forscher um ifo-Präsident Clemens Fuest und Martin Lohse, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Wege zu diesem Ziel auf.

mehr ...

Berater

DIN-Norm 77230: Prüfungen jetzt online möglich

Wegen der Coronakrise bietet das Defino Institut für Finanznorm Prüfungen für die Zertifizierung zum “Spezialisten für die private Finanzanalyse – DIN 77230” ab sofort auch im Online-Verfahren an.

mehr ...

Sachwertanlagen

BVT schließt institutionellen US-Fonds und investiert erneut in Boston

Die BVT Unternehmensgruppe, München, hat über ihre Kapitalverwaltungsgesellschaft Derigo für den von ihr verwalteten geschlossenen Spezialfonds BVT Residential USA 12 die dritte Investition vorgenommen. Ein Nachfolge-Spezialfonds ist geplant.

mehr ...

Recht

Neuer Mieterschutz in Kraft: Wie Sie durch die Krise kommen

Ab heute gilt für Mieterinnen und Mieter, die durch finanzielle Einschnitte in besonderem Maße von der Corona-Krise betroffen sind, ein erweiterter Kündigungsschutz. Es ist aber für Betroffene laut GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen weitere Unterstützung nötig.

mehr ...