Flugzeugfonds setzen zu neuen Höhenflügen an

Das Emissionshaus hat mit der börsennotierten Fluggesellschaft Air Berlin einen berichtspflichtigen Leasingnehmer gefunden. Dadurch lassen sich etwaig auftauchende wirtschaftliche Schwierigkeiten früher absehen als bei Hamburg International. Der Geschäftsbericht von Air Berlin weist zwar einen Jahresfehlbetrag für 2009 in Höhe von 9,5 Millionen Euro aus, die Airline ist dadurch aber nicht in ihrer Existenz gefährdet.

Die Airline nutzt das Flugzeug bereits seit 2008, hat Ende 2018 die Möglichkeit, den Vertrag zunächst um 1,5 Jahre und im Anschluss um weitere vier Jahre zu verlängern. In der ersten Optionsperiode rechnet Commerz Real mit einem Abschlag von 20 Prozent, in der zweiten von 30 Prozent gegenüber der ers­ten Nutzungsrate. Diese Kalkulation basiert auf den Erfahrungen von mehr als 1.000 Maschinen, die Airbus seit Markteinführung des Fliegers im Jahr 1996 ausgeliefert hat. Gleiches gilt für den im Jahr 2024 geplanten Veräußerungserlös in Höhe von 14,51 Millionen US-Dollar.

Geht die Rechnung auf, erhalten die Anleger damit eine Schlusszahlung in Höhe von 100,5 Prozent ihrer Einlage zurück. Zuvor sollten sie jährlich neun Prozent erhalten haben. Auf das Mittelstreckensegment setzt seit September dieses Jahres auch der Münchener Initiator Real I.S., dessen Beteiligungsangebot Aero Garant in zwei A320-Flieger investiert.

Eine deutlich längere Emissionserfahrung mit Flugzeugen können die KGAL aus Grünwald und der Hamburger Initiator HEH vorweisen: Der aktuelle Fonds der Hanseaten ist bereits das elfte Beteiligungsangebot im Segment der Regionalflugzeuge, die Bayern haben 53 Luftfahrtfonds aufgelegt, ein Drittel davon ebenfalls mit kleinen Kurzstreckenfliegern. Die kleinen Maschinen können mit einer vergleichsweise hohen Wertstabilität und einer langen Marktpräsenz punkten, die es den Fondskonzeptionären leicht macht, Prognosen abzugeben.

Zumindest bisher allein auf weiter Flur ist dagegen das in München ansässige Emissionshaus DCM, das mit dem Flugzeugfonds 3 bereits das fünfte  Transportflugzeug vom Typ 777F aus dem Hause Boeing finanziert. Der Lastesel kann in beladenem Zustand mehr als 9.000 Kilometer nonstop zurücklegen. Wie die anderen Maschinen von DCM  ist sie an Aero Logic verleast, ein Joint-Venture-Unternehmen von Lufthansa Cargo und DHL Express.

Beide Muttergesellschaften stehen gesamtschuldnerisch für die Zahlung der Leasingraten ein, sodass diese nur ausbleiben sollten, wenn die Deutsche Post und die Kranich-Airline Insolvenz anmelden müssten. Die Frachtflieger haben eine Nutzungsleistung zwischen 35 und 40 Jahren und sind deutlich fungibler als Passagierflugzeuge. Ist ein neuer Leasingnehmer oder Eigentümer gefunden, kann dieser gleich durchstarten.

Teure und langwierige Umbaumaßnahmen sind unnötig, da der Frachtraum schließlich leer ist, wenn die Übergabe stattfindet. Lediglich die Außenhaut der Maschine muss mit Logo und Schriftzug des neuen Nutzers versehen werden.

Der DCM Flugzeugfonds 2 hat eine siebzehnjährige Fondslaufzeit, ist vermögensverwaltend konzipiert und wird derzeit von der Deutschen Bank platziert. Finanziert werden zwei der genannten Boeing-Flieger. Bei dem Nachfolgefonds hat DCM an verschiedenen Stellschrauben gedreht: „Dem DCM Flugzeugfonds 3 haben wir eine gewerbliche Struktur mit einer Laufzeit von zehn Jahren gegeben, was von Anlegern und Vertriebspartnern honoriert wird, auch wenn dafür der Restwerterlös versteuert werden muss und die Gesamtausschüttungen geringfügig niedriger ausfallen“, erläutert DCM-Flugzeugabteilungsleiter Michael Trentzsch.

Das Eigenkapitalvolumen von gut 94,5 Millionen US-Dollar werde über den freien Vertrieb angeboten und sei zu mehr als 50 Prozent platziert. Allerdings ist der  Fonds auch schon seit rund eineinhalb Jahren im Vertrieb – verglichen mit der durchschnittlichen Platzierungszeit einer Offerte, die in eine noch immer spektakuläre A380-Maschine investiert, ist das eine halbe Ewigkeit.

Jedoch gehen mit der anziehenden Wirtschaft auch wieder mehr Zeichnungsscheine bei DCM ein. Bleibt zu hoffen, dass die anziehende Resonanz der Anleger nicht durch die jüngsten Paketbomben aus dem Jemen und Griechenland und den dadurch augenscheinlich gewordenen Sicherheitslücken im Frachtverkehr wieder gebremst wird.

Doric-Geschäftsführer Matthias Böhm möchte sich zwar noch nicht zu seinen für das erste Quartal 2011 geplanten Fondsprojekten äußern, allerdings auch nicht ausschließen, dass ein Frachtflugzeug dabei ist – und zwinkert.

Fotos: DCM, Hansa Treuhand, Dr. Peters, Shutterstock

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