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15. Oktober 2010, 13:00
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Bit-Vorstand Schulz-Jodexnis: „Innovation folgt Sicherheit“

Cash. hat seine traditionelle Marktübersicht zu geschlossenen Fondsveröffentlicht und Bit-Treuhand-Vorstand Helmut Schulz-Jodexnis zu aktuellen und künftigen Markt- und Produkttrends, seinem Einsatz für den freien Vertrieb und neuen Vergütungsmodellen befragt.

Schulz-Jod-top in Bit-Vorstand Schulz-Jodexnis: „Innovation folgt Sicherheit“

Helmut Schulz-Jodexnis

Cash.: Was waren die wichtigsten Produktinnovationen des Jahres 2010 am Markt?

Schulz-Jodexnis: Die Renaissance der Core-Immobilie als solche, zumal als Hollandfonds verpackt, hat in ihrem Ausmaß sicherlich überrascht. Mit der stabilen Marktsituation, dem Verzicht auf Währungsrisiken und den Vorteilen aus dem bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen hatten die Vertriebspartner mehrere Argumente, um ihre Kunden zu überzeugen. Aus Sicherheitsgründen ist ein staatlicher Mieter nach wie vor fast schon ein Platzierungsgarant, aber auch die zahlreichen Greenbuildings fanden Anklang. Die Kunden sind meist selbst Hausbesitzer und glauben an das Wertsteigerungspotenzial und die bessere Vermietbarkeit der zertifizierten Objekte. Bei den Schiffsfonds wurden die meisten Produkte mit einer antizyklischen Investitionsstrategie zwar schon vor 2009 aufgelegt, hatten jedoch mit wenigen Ausnahmen erst in den letzten Monaten das Kapital zur Verfügung, um ganze Schiffe oder Anteile an ihnen auf dem Erst- und Zweitmarkt zu erwerben. Allerdings reduziert sich mit dem Anziehen der Schifffahrtsmärkte auch die Zahl der Schnäppchen.

 

Cash.: Seit wenigen Wochen werden wieder vereinzelt klassische Ein-Schiff-Fonds angeboten. Halten Sie die Erholung auf den Märkten und bei den Anlegern für stabil genug dafür?

 

Schulz-Jodexnis: Sicherlich stecken dem einen oder anderen Schiffsfondsanleger die schlechten Erfahrungen noch in den Knochen. Allerdings lassen sich solche Angebote durchaus wieder vertreiben, vor allem, wenn sie mit einem einleuchtenden Sicherheitskonzept ausgestattet sind, wie es die Emissionshäuser ja auch tun. Langfris­tige Chartervereinbarungen sind beispielsweise wieder gefragt und ich bin davon überzeugt, dass ab Anfang 2011 auch wieder Beteiligungsangebote an Containerschiffen aufgelegt werden.

Cash.: Schlagen sich ähnliche Überlegungen auch in der Fondskonzeption anderer Branchen nieder?

 

Schulz-Jodexnis: Ja. Die Innovationen folgen der Sicherheit und nicht mehr umgekehrt. So geht der Trend klar zu eigenkapitalbasierten Fonds mit kurzer Laufzeit und hohem Cashflow. Ein Grund für den zunehmenden Verzicht auf Eigenkapital-Vorfinanzierung liegt darin, dass Fremdkapital nach wie vor schwierig zu bekommen ist und die Banken gezeigt haben, wer am längeren Hebel sitzt. Daher rechne ich auch damit, dass die durchschnittlichen Investitionsvolumina der Fonds abnehmen werden. Da die Herausforderungen bei der Objektfinanzierung noch eine Weile bleiben werden, erwarte ich mittelfristig wieder eine Zunahme der Blind-Pool-Offerten.

 

Cash.: Erneuerbare-Energien-Fonds spielten in 2010 eine große Rolle. Rechnen Sie damit, dass die starke Nachfrage nach diesen Produkten in 2011 unverändert anhält?

Schulz-Jodexnis: Meiner Einschätzung nach haben wir die Hochphase der Publikumsfonds  dieses Segments bereits gesehen. Ich erwarte allerdings, dass sich die Anbieter nicht zuletzt aufgrund der schlankeren Kostenstruktur verstärkt institutionellen Investoren zuwenden werden.

 

Cash.: Werden wir bald zunehmend Produkte mit neuen Provisionsmodellen wie Bestandsvergütungen am Markt sehen?

 

Schulz-Jodexnis: Das wird und muss kommen, allerdings müssen Zeit und Markt auch dafür reif sein. Wenn sich vornehmlich Immobilien- und Solarfonds vertreiben lassen, die traditionell ohnehin niedrig provisioniert werden und viele Initiatoren unter Verkaufsdruck stehen, sind beide Voraussetzungen nicht erfüllt. Eine Akzeptanz wird es bei dem Vertrieb nur geben, wenn auch die Produktanbieter auf einen Teil ihrer anfänglichen Margen verzichten.

 

Cash.: Hat Ihre neu gegründete Initiative für den freien Vertrieb mittlerweile einen Namen und warum ist sie unter das Dach des Votum-Verbandes geschlüpft?

Schulz-Jodexnis: Wir vertreten Plattformen und Pools und wollten keinen neuen eigenen Verband gründen, sondern dazu beitragen, die bestehenden schlagkräftiger zu machen. Bisher agieren wir unter dem Arbeitstitel Brancheninitiative Vertrieb geschlossene Fonds. Die Verbände Votum und VGF haben uns vor den Anhörungen zu den Regulierungsberatungen eingeladen und nach unseren Einschätzungen gefragt. Wichtig ist uns, auf politischer Ebene, aber auch mit dem VGF auf Augenhöhe zu verhandeln und die Interessen der freien Vertriebe zu vertreten.

 

Cash.: Welche Themen stehen in diesem Kontext ganz oben auf Ihrer Agenda?

Schulz-Jodexnis: Dazu zählt der Verfall der  Prospekthaftung nach sechs Monaten. Ein Bereich, der sich dem Einfluss des Beraters entzieht. Da fordern wir eine Gleichstellung aller Anleger durch den Gesetzgeber und die Emittenten. Daneben wird es natürlich um die Konsequenzen aus dem Regulierungsbeschluss gehen. Da setzen wir uns für eine transparente, einheitliche und verständliche Verbraucheraufklärung ein. In diesem Zusammenhang wird auch das Thema der einheitlichen Offenlegung von Kosten und Provisionen eine zentrale Rolle spielen. Wir sehen uns in diesem Punkt gemeinsam mit den Emissionshäusern in der Pflicht, die geforderte Kostentransparenz zu schaffen. Die reine Offenlegung von Provisionen ist keine Qualitätsaussage über das Produkt oder den Vertrieb.

Interview: Andreas Friedemann

Foto: Cash.

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1 Kommentar

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