16. Dezember 2010, 09:45
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schifffahrt: Erholung ja, Entwarnung nein.

Professor Dr. Burkhard Lemper vom Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) hat die Schifffahrtsmärkte analysiert und sagt exklusiv auf Cash.Online, wo die Reise mit Containern, Bulkern und Tankern hin geht.

Lemper in Schifffahrt: Erholung ja, Entwarnung nein.

Unerwartet lebhaft haben sich im Lauf des Jahres 2010 die Chartermärkte für Containerschiffe gezeigt. Insbesondere Eigner von mittelgroßen Einheiten um 4.000 TEU (Zwanzig-Fuß-Standardcontainer) konnten im Sommer ansehnliche Charterraten für ihre Tonnage erzielen. Doch wohin geht die Reise angesichts des sich abzeichnenden saisonalen Abschwungs?

Aktuell finden Containerschiffe grundsätzlich positive Rahmenbedingungen vor, die Krise aber ist noch nicht endgültig ausgestanden. Mit einer Dynamik, welche die meisten Marktbeobachter zum Anfang des Jahres nicht für möglich gehalten hätten, hat sich die Containerschifffahrt von der schwersten Krise ihrer Geschichte erholt. Beflügelt vor allem von einer stark anziehenden Weltkonjunktur hat der globale Containerumschlag trotz einer leichten Abflachung des Wachstums im September nach Daten des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in Bremen allein in den ersten neun Monaten 2010 um rund 16 Prozent zugelegt.

Für das Gesamtjahr geht das ISL sehr vorsichtig von einem Containerverkehrswachstum von zwölf Prozent aus und unterstellt für die kommenden Jahre – ausgehend vom prognostizierten weiter starken Weltwirtschaftswachstum – Zuwächse in einer Größenordnung von acht bis zehn Prozent per annum. Damit ist eine solide Basis für eine zügige Erholung der Containerschifffahrt und auch der Charterraten gelegt.

Neben diesem Wachstum muss berücksichtigt werden, dass es der Branche durch umfangreiche Bemühungen wie die Hinauszögerung von Ablieferungen, durch Verschrottung älterer Einheiten und Stornierung von Aufträgen gelungen ist, das Flottenwachstum deutlich zu reduzieren. Anstatt der ursprünglich für 2009 geplanten zwei Millionen TEU an zusätzlichen Stellplätzen auf neuen Schiffen sind nur rund eine Million realisiert worden. Und auch das ursprünglich für 2010 erwartete Flottenwachstum von 1,9 Millionen TEU dürfte geringer ausfallen. Aktuell schätzt das ISL, dass die Kapazität der Vollcontainerflotte im Gesamtjahr um 1,2 Millionen TEU ansteigen wird (entsprechend einem Jahreswachstum von 9,5 Prozent).

Die hohe Auslastung der Liniendienste, deren Kapazität durch umfangreiches Slow-Steaming (also das Fahren mit verminderten Geschwindigkeiten) im Krisenjahr 2009 stark gestutzt wurde, führte zwischenzeitlich zu einer Tonnageknappheit bei den aus heutiger Sicht mittelgroßen Containerschiffen um 4.000 TEU. Dies hatte entsprechend positive Auswirkungen auf die Charterraten dieses Segments, erfasste nach und nach auch die jeweils nächstkleineren Größenbereiche und trug somit dazu bei, die inaktiven Kapazitäten im Jahresverlauf um rund 80 Prozent zu reduzieren.

Dadurch fällt der heutige Ausblick für die Containerschifffahrtsmärkte deutlich positiver aus, als dies noch vor einem Jahr der Fall war. Der Angebotsüberhang wurde durch das Nachfragewachstum einerseits und die konzertierten Maßnahmen aus Verschiebungen, Stornierungen und Slow-Steaming andererseits deutlich abgebaut.

Seite 2: Für eine endgültige Entwarnung ist es noch zu früh

Weiter lesen: 1 2 3 4

1 Kommentar

  1. […] und Logistik (ISL) hat die Schifffahrtsmärkte analysiert und sagt exklusiv auf […] Cash.Online: News- und Serviceportal für Finanzdienstleistungen Share and […]

    Pingback von Schifffahrt: Erholung ja, Entwarnung nein. | Mein besster Geldtipp — 19. Dezember 2010 @ 12:03

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Universa baut Fondspalette aus und bringt neue Kfz-Versicherung

Die Universa Versicherungen, Nürnberg, stockt die Fondspalette auf und bietet jetzt fünf iShare-ETFs von Blackrock Asset Management an. Neben einem weltweiten und deutschen Aktienindex werden somit nun auch ETFs angeboten, die einen Aktienindex in Europa und in Schwellenländern sowie einen Index aus Unternehmensanleihen in der Eurozone nachbilden.

mehr ...

Immobilien

Deutsche wollen smarter wohnen

Das Smart Home gilt seit einigen Jahren als der Standard von morgen. Eine Deloitte-Studie zeigt: Das Interesse an diesen Anwendungen ist groß, der Datenschutz bleibt jedoch ein wichtiges Thema. Immerhin 13 Prozent der Haushalte verfügen bereits über einen intelligenten Lautsprecher. Bei der Art der bevorzugten Smart-Home-Lösungen gibt es zudem Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

mehr ...

Investmentfonds

BaFin präzisiert Vorschriften der MiFID II

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Neufassung ihres Rundschreibens “MaComp” veröffentlicht und präzisiert darin unter anderem die Grundsätze zur “Zielmarktbestimmung” und diverse weitere neue Vorschriften. Zwei Punkte allerdings fehlen noch.

mehr ...

Berater

Neue Kooperationspartner der BCA AG

Der Oberurseler Maklerpool BCA präsentiert mit der xbAV Beratungssoftware GmbH sowie Honorar Konzept GmbH zwei Unternehmen, die ihre Services den BCA-Partnern zur Verfügung stellen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Umbau von Aktionärsstruktur und Aufsichtsrat abgeschlossen

Die Lloyd Fonds AG teilt mit, dass die im März angekündigten Änderungen in ihrer Aktionärsstruktur nun umgesetzt und die üblichen Vorbehalte aufgehoben wurden. Zudem wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich neu besetzt.

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...