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10. Februar 2012, 10:06
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Vier Hausaufgaben für die Branche

Seit Beginn der statistischen Erhebungen zu geschlossenen Fonds wurde noch in keinem Jahr – lässt man das institutionelle Geschäft unberücksichtigt – so wenig Eigenkapital platziert wie 2011. Die Branche sollte lange überfällige Reformen in Angriff zu nehmen. Die vier wichtigsten Schritte sind Fokussierung, Asset-Management-Kompetenz, Interessenkongruenz und Transparenz.

Gastkommentar von Dirk Hasselbring, Hamburg Trust.

Dirk Hasselbring vom Emissionshaus geschlossener Fonds Hamburg Trust

Dirk Hasselbring, Hamburg Trust

Fokussierung: Die Zeiten, als Initiatoren für sich beanspruchten, in fünf oder sechs Assetklassen kompetent zu sein, sind vorbei. Es ist schwierig genug, eine einzige Assetklasse, etwa Immobilien, gut zu beherrschen. Und auch innerhalb der Immobilienanlagen sollten sich Initiatoren auf wenige Nutzungsarten konzentrieren. Spezialisten wird eher vertraut als Generalisten.

Asset-Management-Kompetenz: Die deutsche Fondsindustrie, ob nun im Bereich der offenen oder der geschlossenen Fonds, war über viele Jahrzehnte Weltmeister im Vertrieb und im Einsammeln von Eigenkapital. Dagegen wurde das Asset-Management oftmals stiefmütterlich behandelt. Wer sich vor allem auf den Vertrieb eines Fonds konzentriert und nicht auf das Management der Immobilien, kann kurzfristig erstaunliche Platzierungsergebnisse erzielen, aber langfristig keine überzeugende Performance für die Anleger. In dieser Hinsicht besteht in Deutschland generell ein hoher Nachholbedarf, nicht nur bei den geschlossenen Beteiligungen.

Interessenkongruenz: Anleger haben das Vertrauen zu vielen Fondshäusern verloren. Dieser Vertrauensverlust ist nicht durch vordergründige Imagekampagnen wiedergutzumachen. Das wäre so, als striche man eine welke Blume grün an. Die wichtigste Aufgabe besteht darin, die Interessen der Fondsinitiatoren, der Anleger und auch der Vertriebe in Einklang zu bringen. Entwickelt sich ein Fonds gut, dann ist der Anleger auch bereit, dem Initiator auskömmliche Gebühren zu zahlen. Aber Anleger werden langfristig nicht mehr akzeptieren, dass anfänglich hohe Weichkosten produziert werden und somit Initiatoren und Vertriebe auch dann verdienen, wenn sich der Fonds später schlecht entwickelt. Die anfänglichen Kosten sollten reduziert werden, und zwar zugunsten stärker erfolgsabhängiger Vergütungen in der Bewirtschaftungsphase.

Transparenz: Um das Vertrauen bei Anlegern wieder zu gewinnen, ist eine höchstmögliche Transparenz notwendig. Reporting-Standards, wie sie im institutionellen Immobiliengeschäft üblich sind, sollten auch im Segment der geschlossenen Fonds angestrebt werden. Dazu gehören beispielsweise Quartalsberichte und auch die regelmäßige Wertermittlung für die Immobilien, die ohnehin früher oder später durch die AIFM-Richtlinie Pflicht werden wird. Geschlossene Fonds sind schon heute bei Neuauflage eines Produktes das transparenteste Vehikel. Darauf weist die Branche zu Recht mit einem gewissen Stolz immer wieder hin. Nach einigen Jahren gilt dies jedoch nicht mehr, weil der Anleger zwar jährlich einen Geschäftsbericht bekommt, aber nicht weiß, wie viel seine Beteiligung Wert sind. Auch hier besteht also Nachholbedarf.

Wenn die Fondsbranche solche Reformen mutig umsetzt, dann hat sie auch eine Zukunft. Diejenigen Initiatoren, die sich deutlich fokussieren, die eine hohe Asset-Management-Kompetenz nachweisen können, die gegenüber den Anlegern transparent kommunizieren und die durch entsprechende konzeptionelle Gestaltungen eine Interessenkongruenz mit ihren Anlegern herstellen, werden auf jeden Fall im Vorteil gegenüber jenen Marktteilnehmern sein, die all dies nicht tun.

Dirk Hasselbring ist CEO beim Hamburger Emissionshaus Hamburg Trust.

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