Schiffsbetriebskostenanalyse ist die Benchmark

Die Schifffahrt hat die sich aus der Diskussion zu einem verbesserten Umweltschutz ergebenden Themen aufgegriffen. Die flächendeckende Versorgung von Treibstoffen mit reduziertem Schwefelgehalt, der in den Emission Control Areas eingesetzt wird, ist weitgehend gegeben. Der Einsatz von Liquid Natural Gas (LNG) als maritimer Treibstoff wird derzeit nur von wenigen Reedern geplant. Die für das Bordnetz der im Hafen liegenden Schiffe benötigte elektrische Energie wird in der Regel durch dieselbetriebene Generatoren erzeugt. Die Versorgung mit emissionsärmerem Landstrom stellt für über zwei Drittel der Reeder eine Alternative dar.

In der schwierigen wirtschaftlichen Situation, in der sich die meisten KG-Schiffe befinden, werden alle Kostenpositionen kritisch geprüft. Den Betriebskosten (OPEX) kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Zur Analyse der Betriebskosten von rund 430 Containerschiffen standen anonymisiert von TPW Todt & Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Daten aus Jahresabschlüssen und von Meridian 10 durch Shipping-Investment-Analysten erhobene Daten aus Jahresabschlüssen und Finanzberichten zur Verfügung.

Die Daten lagen in der Währungs- und Zeiteinheit Euro pro Jahr vor, in der auch üblicherweise das Reporting an Kommanditisten erfolgt. Die der Visualisierung der Analyseergebnisse dienenden zahlreichen Charts verwenden daher die Größe Euro/Jahr. Die Schifffahrts-Industrie verwendet die Größe US-Dollar pro Tag. In der Tabelle sind beide Größen angegeben.

Wesentliches clusterbestimmendes Merkmal ist die nominelle Containerstellplatzkapazität, die auch als „Intake“ bezeichnet wird. Darüber hinaus wird eine Unterteilung in Schiffe mit und ohne Ladegeschirr vorgenommen, sodass die Analyse insgesamt 14 Schiffsklassen umfasst.

Private und Instis profitieren

Die beiden größten Posten der Schiffsbetriebskosten sind die Personalkosten, deren prozentualer Anteil mit zunehmender Schiffsgröße sinkt und die technischen Kosten, deren Anteil entsprechend steigt. Die Spannweite der jeweiligen Kosten ist zum Teil sehr groß. Einen Kostenvorteil größerer Reedereien lässt sich über alle Schiffsklassen hinsichtlich der Versicherungskosten nachweisen. Demgegenüber sind die Personalkosten kleinerer Reedereien häufig am geringsten.

Die Schiffsbetriebskosten eines einzelnen Jahres sollten nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer im Zusammenhang mit dem Unterhaltungszustand des jeweiligen Schiffes gesehen werden. Unterschiedliche Kosten ergeben sich auch aus den jeweiligen Fahrtgebieten. Die Studie ist aufgrund der praxisnahen Clusterbildung, der Anzahl der ausgewerteten Schiffe und der Qualität der zugrunde gelegten Daten die Benchmark in der Containerschifffahrt. Mit ihm wird auch privaten Anlegern ein Zugang zu Informationen eröffnet, die sonst nur wenigen institutionellen Investoren zur Verfügung stehen.

 Foto: Shutterstock

Autor André Menze ist Diplom-Kaufmann, hat langjährige Erfahrung in der Konzeption geschlossener Fonds und ist als Autor des „Ship Management Report“ für die Beratungsgesellschaft Naves Corporate Finance tätig.

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