19. November 2009, 00:07
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Offene Immobilienfonds: „Die Vorteile bleiben“

cash-online: Die alte Regierung hatte vor der Wahl nicht mehr auf Ihre Vorschläge reagiert. Glauben Sie, dass sich die neue Koalition mit den Lösungsvorschlägen der Branche beschäftigen und das Investmentgesetz entsprechend reformieren wird?

Fink: Wir erwarten, dass sich der Gesetzgeber nun mit dem Lösungspaket beschäftigt, das die Branche bereits im Januar 2009 auf die Ereignisse des vorangegangenen Herbstes an ihn adressiert hat. Der Koalitionsvertrag stimmt uns zuversichtlich, dass die Vorschläge bei der neuen Regierung Anklang finden und umgesetzt werden.

cash-online: Wie tief sitzt der Schock für die Branche durch die Wertberichtigung im Portfolio des Morgan Stanley P2 Value?

Fink: Der OIF von Morgan Stanley ist ein Einzelfall und hat ein deutlich anderes Risiko-Chance-Profil als die anderen OIFs. Das macht ein Blick auf die geografische Verteilung der Immobilien deutlich. Beispiel: Im Schnitt sind insgesamt bei allen OIFs etwa zwölf Prozent aller Liegenschaften außerhalb Europas, beim MS-Fonds aber gut 40 Prozent. In weltwirtschaftlichen Rezessionsphasen ist solch  ein Produkt dann stärker betroffen, als OIFs, die überwiegend in den wertstabileren Märkten Kerneuropas aufgestellt sind. Umgekehrt weist der MS-Fonds in wirtschaftlichen Wachstumsphasen ein höheres Chancenpotenzial auf. Anleger in anderen OIFs brauchen also Abwertungen, wie sie der MS-Fonds jetzt erfahren hat, nicht zu fürchten, zumal der MS-Fonds auch erst Ende 2005 aufgelegt wurde und vor allem in den Jahren 2006 und 2007, also in der Boomphase, Immobilien erworben hat. Die meisten offenen Immobilienfonds haben ihre Portfolios über mehrere Wirtschaftszyklen aufgebaut und auf entsprechend unterschiedlichen Preisniveaus eingekauft.

cash-online: Nun haben die OIFs Degi International und Axa Immoselect wegen Liquiditätsproblemen erneut ihre Pforten schließen müssen. Welchen Schaden verursacht die wiederholte Schließung und rechnen Sie mit weiteren Aussetzungen der Anteilrücknahme?

Fink: Die Gründe für die Rückflüsse beim Degi International dürften auch in der neuen Gesellschafterstruktur liegen. Die Abflüsse wurden nach dem Eigentümerwechsel – anders als bei anderen Fonds – nicht mehr durch Zuflüsse neuer Anlagegelder ausgeglichen. Der Hauptabsatzkanal war bei der früheren Degi die Dresdner Bank, bekanntermaßen nun eine Marke der Commerzbank. Mit weiteren Aussetzungen rechnen wir nicht. Es gibt keinen Grund, der in den Immobilienportfolios begründet wäre. Die Anleger haben dem Segment der OIFs in diesem Jahr per saldo gut 3,1 Milliarden Euro neues Kapital anvertraut. Wesentliche Abflüsse hatte es nur im Juli gegeben, vor allem bedingt durch die Wiederaufnahme der Anteilrücknahme von zwei großen Fonds. In allen anderen Monaten seit März 2009 verzeichnete die Branche deutliche Zuflüsse. Auch sprechen die bislang stabilen Ergebnisse – bis auf die von Ihnen genannten Fonds – die steuerfreien Renditeanteile und die breite Risikostreuung weiter für diese Anlageklasse. Insbesondere vor aufkeimenden Inflationsängsten sind Immobilien ein guter Schutz.

cash-online: Ergeben sich Konsequenzen für diejenigen offenen Fonds, die die Aussetzung der Anteilsscheinrücknahme Ende Oktober um erneut ein Jahr verlängert haben?

Fink: Im Prinzip ändert sich wenig, wenn die Kapitalanlagegesellschaft – kurz KAG – nach Ablauf eines Jahres seit der Rücknahmeaussetzung die Aussetzung durch Bekanntmachung um ein weiteres Jahr verlängert. Wie im ersten Jahr ist die KAG auch im zweiten Jahr verpflichtet, Immobilien zu angemessenen Bedingungen verkaufen, um Liquidität in den Fonds zu schaffen.

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