Keine nachhaltige Belebung in Europas Wohnungsbau

Die 19 Euroconstruct-Institute haben aktuelle Daten und Prognosen  zum Wohnungsbau in Europa vorgelegt. Demnach erreicht der europäische Wohnungsbau in diesem Jahr seine Talsohle. Die deutschen Zahlen liegen weiterhin unter europäischem Durchschnitt.

Julia Schöne, BFW
Julia Schöne, BFW

„Auch wenn die Baufertigstellungszahlen in Deutschland leicht gestiegen sind, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland mit 1,9 fertiggestellten Wohnungen je 1000 Einwohnern deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt von 3,2 Wohnungen zurückbleibt“, kommentiert Julia Schöne, Leiterin des Brüssler Büros des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, die Ergebnisse.

„Die historisch niedrige Wohnbautätigkeit der vergangenen Jahre ist einer der Gründe, warum es bereits heute an qualitativ hochwertigem Wohnraum mangelt. Klimawandel und demografische Entwicklung machen die Bereitstellung von Wohnungen, die den Kriterien Energieeffizienz und Altersgerechtigkeit genügen, unumgänglich“, so die Vertreterin des Spitzenverbands der privaten Immobilienwirtschaft weiter.

Die Leiterin der BFW-Europageschäftsstelle verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass durch die schwache Sanierungstätigkeit in den osteuropäischen Ländern die dortige Energiebilanz des Bestandes noch unzureichend ist. „Dieses Ergebnis belegt, dass erst eine Evaluierung der Umsetzung der bisherigen Mindeststandards stattfinden muss, ehe neue Maßnahmen ergriffen und weitere Anforderungen wie z.B. die geplante EU-Richtlinie zur Wasserverbrauchseffizienz von Gebäuden geschaffen werden. Andernfalls wird nicht nur die Verbesserung der Energiebilanz in diesen Ländern misslingen, sondern sich auch die Wohnstandards innerhalb Europas weiter voneinander entfernen“, erklärte Schöne.

Schöne betont zudem die Notwendigkeit der EFRE-Mittel (Europäische Fonds für Regionale Entwicklung) und forderte, dass Deutschland dieses Angebot der EU in Höhe von 680 Millionen Euro stärker nutzen solle. Bislang haben alle Bundesländer ihre operationalen Programme so aufgestellt, dass die Mittel nicht für die energetische Sanierung von Gebäuden genutzt werden. Dabei stünden ihnen vier Prozent der gesamten deutschen EFRE-Mittel allein für die energetische Sanierung zu.

„Dies ist ein fatales Signal von Deutschland nach Europa, da der Anschein erweckt wird, wir benötigen die Mittel nicht. In der Konsequenz könnte in der nächsten Förderperiode ab 2014 die Mittelfreigabe gestrichen werden. Die Klimaschutzziele der EU und der deutschen Bundesregierung sind jedoch ohne Förderung allein durch die Wohnungsunternehmen nicht tragbar“, fürchtet Schöne. (te)

Foto: BFW

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