Europas Immobilienmärkte sind zweigeteilt

Die europäischen Immobilienmärkte werden auch in 2012 vom unsicheren Ausgang der Euro- und Staatsschuldenkrise geprägt sein. Die Zweiteilung in Core- und Peripheriemärkte wird dadurch noch weiter verstärkt. Das zeigt der Marktausblick der Researcher von Henderson Global Investors. 

Immobilien-Krise-Europa-zweigeteiltDemnach wird sich das Gros der Investoren auf Core-Immobilien in den wirtschaftlich stabileren Kernländern Europas wie Österreich, Finnland, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Polen, Schweden und Großbritannien konzentrieren. Vor allem Deutschland und Schweden würden im Fokus stehen. Die Immobilienmärkte der peripheren Länder sollten von Investoren aber weiter beobachtet werden. „Wer seine Vorurteile gegenüber den südeuropäischen Märkten zu Hause lässt und sehr selektiv vorgeht, wird in 2012 zunehmend attraktive Preise und Einstiegsmöglichkeiten vorfinden. Voraussetzungen für ein Engagement in diesen Ländern sind jedoch eine antizyklische Strategie, eine gewisse Risikobereitschaft und ein langer Atem“, sagt Stefan Wundrak, Director of Research bei Henderson Global Investors.

Die Henderson-Researcher gehen von zwei möglichen wirtschaftlichen Szenarien aus, die sich sehr unterschiedlich auf die Immobilienmärkte auswirken würden: Mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit erwarten sie infolge der staatlichen Sparmaßnahmen und dem Rückbau des Bankensektors ein über Jahre hinweg eher schwaches Wirtschaftswachstum in der Eurozone (Hauptszenario). Ein Ausufern der Schuldenkrise könnte Europa jedoch in eine schwere Rezession rutschen lassen. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen schweren Banken- und Staatsschuldenkrise beziffern die Experten auf circa 20 Prozent. „Zwar ist ein europaweiter Kollaps weniger wahrscheinlich. Dennoch wäre es falsch ein Zusammenbrechen der peripheren Märkte völlig auszublenden. Ein solches Szenario hätte dramatische Auswirkungen auf alle europäischen Länder und Immobilienmärkte“, warnen die Marktbeobachter bei Henderson.

Die Krise traf die europäischen Gewerbeimmobilienmärkte 2008 besonders hart, da die Immobilien viel zu hoch bewertet waren. Im Gegensatz dazu sind die heutigen Niveaus der Anfangsrenditen und Mieten sehr moderat. Ein Absturz im selben Ausmaß wie 2009 ist daher im angenommenen Hauptszenario eines langsamen Wachstums für 2012 nicht zu befürchten. „Die potentielle Fallhöhe ist heute einfach viel geringer“, so das Henderson-Research.

In den Kernländern Europas sind 2012 demnach sogar weitgehend stabile Anfangsrenditen und Spitzenmieten bei Gewerbeimmobilien zu erwarten. Einzige Ausnahme bildeten Objekte in B-Lagen, deren Preise und Mieten unter Druck geraten könnten. Die Finanzierung von B-Objekten werde infolge von gestiegener Risikoaversion und Bankenregulierung zudem schwieriger. Im Falle eines länger anhaltenden, schwachen Wachstums würden aber auch die Mieten im Spitzensegment der Kernländer mittelfristig nur sehr moderat zulegen.

Seite 2: Chancen für Immobilien-Investoren in Peripherie-Ländern

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