Anzeige
30. Oktober 2012, 12:37
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Diskussion um Verlagerung der Provision löst Problem nicht“

In den Metropolen und Ballungszentren lassen sich Mietwohnungen großteils nur noch über Makler finden. Eine aktuelle Analyse von Immobilienscout24 zeigt, dass in Hamburg 82 Prozent, in München 76 Prozent und in Berlin 61 Prozent der der Mietobjekte über Makler angeboten werden, deren Provision zumeist vom Mieter gezahlt wird. 

Stilke-tt in „Diskussion um Verlagerung der Provision löst Problem nicht“

Marc Stilke, Immobilienscout24

Der jüngst aus Hamburg gekommene Vorschlag, dass zukünftig der Vermieter die Provision trägt, werde laut Marc Stilke, CEO von Immobilienscout24, die Situation auf dem Wohnungsmarkt aber nicht entspannen.

In deutschen Großstädten nimmt die Zahl der Interessenten pro angebotene Mietwohnung stetig zu, so das Ergebnis der Erhebungen des Online-Markplatzes: Während in 2007 auf ein inseriertes Berliner Mietobjekt auf der Plattform noch vier Gesuche kamen, sind es in diesem Jahr schon 33. In Hamburg verringerte sich dieses Verhältnis in den vergangenen fünf Jahren von eins zu elf auf eins zu 58. In der Bayernmetropole München kommen aktuell 50 Gesuche auf ein inseriertes Objekt, 2007 waren es lediglich sieben.

Das zunehmend geringere Wohnungsangebot führe, laut Immobilienscout24 naturgemäß gleichzeitig zu steigenden Mieten. In München sind die Mieten in den letzten zwölf Monaten demnach um rund sechs Prozent gestiegen, in Hamburg um fünf und in Berlin sogar um durchschnittlich acht Prozent. Insbesondere für Großstadt-Mieter bedeute die Übernahme der Maklerprovision eine zusätzliche finanzielle Belastung zu den ohnehin schon höheren Mietkosten. Dass die Vermittlungsgebühr vor allem in den Metropolen fällig wird, zeigt eine Studie von Mindline Energy, die vergangenes Jahr im Auftrag von Immobilienscout24 durchgeführt wurde: Fast jeder Zweite (44 Prozent) derjenigen, die für den Verkauf oder die Vermietung einen Makler einschalten, wohnt überwiegend in größeren Städten mit über 100.000 Einwohnern. Die Mehrheit derjenigen, die keinen Makler nutzen (41 Prozent), lebt dagegen in eher kleineren Orten unter 20.000 Einwohnern.

Für Stilke ist die Initiative, die Maklerprovision künftig nach dem Bestellerprinzip zu regeln, nachvollziehbar: “Dass derjenige, der den Makler beauftragt, auch zahlt, ist nur fair.” Jedoch stellt für ihn die derzeitige politische Diskussion ein Feigenblatt dar, mit dem das eigentliche Wohnungsproblem nicht gelöst werden kann: “Anhand unserer umfassenden Marktdaten sehen wir, dass sich der Mietmarkt in den vergangenen fünf Jahren vor allem in den Metropolen stark angespannt hat. Die gestiegenen Mieten lassen sich ganz klar auf ein geringeres Angebot zurückführen. Eine neue gesetzliche Regelung zur Übernahme der Courtage wird deshalb die Mieten nicht senken. In angelsächsischen Ländern beispielsweise wird der Makler seit Jahren vom Vermieter bezahlt. London ist aber nach wie vor eine der teuersten Metropolen Europas.” Der Immobilienscout24-CEO warnt: “Wenn pauschal die Vermieter die Maklerprovision übernehmen sollen, kann dies eher zu einer Umlage auf die Kaltmiete führen; dadurch würde indirekt doch der Mieter zur Kasse gebeten. Gefragt ist vielmehr die Politik, gerade in den Großstädten die Weichen für mehr Neubau und entsprechende Grundstücksvergaben zu stellen.”

Hintergrund: Die rot-grün regierten Bundesländer wollen die Vermittlungsprovision zukünftig nach dem Bestellerprinzip geregelt sehen. So sieht es ihr Vorhaben, Anfang 2013 einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundesrat einzubringen, vor. Derjenige, der den Makler beauftragt, soll die Courtage bezahlen. Bisher ist nicht gesetzlich geregelt, ob der Vermieter oder der Mieter die Gebühr entrichten muss. Lediglich ihre maximale Höhe – zwei Monatskaltmieten plus Umsatzsteuer − ist festgelegt. Während Vermieter in bevölkerungsarmen Landstrichen die Maklerkosten häufig selbst tragen, wird die Gebühr in Metropolen wie Hamburg, München, Köln oder Düsseldorf meist auf den Mieter abgewälzt. (te)

Foto: Immobilienscout24

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

Wintereinbruch: Diese Pflichten haben Eigentümer und Mieter

Der Winter ganz Deutschland im Griff: Selbst in schneearmen Regionen und Städten wie Köln bleibt die weiße Pracht auf Straßen und Gehsteigen liegen. Die Winterlandschaft bringt Verpflichtungen für Hauseigentümer oder Mieter mit sich – zum Beispiel die gesetzliche Pflicht zum Schneeräumen. Auch versicherungstechnisch ist das Räumen und Streuen des Gehwegs relevant.

mehr ...

Immobilien

Zwölf Städte vereinen 30 Prozent des Gewerbeimmobilienumsatzes

London ist 2018 der Top-Performer für globale gewerbliche Immobilien-Investitionen. Investoren bevorzugen weiterhin Städte, mit denen sie vertraut sind und die über gut etablierte Investment-Märkte und hohe Transparenz verfügen. Dazu gehören mit Frankfurt, Berlin, Hamburg und München vier deutsche Städte.

mehr ...

Investmentfonds

Tim Bröning: Worte statt Taten

Viele Menschen starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Sie möchten häufiger ins Fitnessstudio gehen, weniger Süßigkeiten essen und sich generell einen gesünderen Lebenswandel zulegen.

Die Bröning-Kolumne

mehr ...

Berater

Hat die Finanzbranche #MeToo verschlafen?

Auf Branchenmessen begegnet man auch in Zeiten der “Me-too”-Debatte noch immer vielen Hostessen. “Nett aussehen, während die Männer Geschäfte machen: Der Beruf der Hostess ist so aus der Zeit gefallen wie kaum ein anderer”, schrieb kürzlich die “Süddeutsche Zeitung”. Hat die Branche eine wichtige gesellschaftliche Entwicklung verschlafen?

mehr ...

Sachwertanlagen

RWB steigert das Platzierungsvolumen kräftig

Die auf Private-Equity-Konzepte für Privatanleger spezialisierte RWB Group hat im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 76 Millionen Euro platziert und damit ein Umsatzplus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht (2017: etwa 59 Millionen Euro).

mehr ...

Recht

Kartellwächter: Mastercard muss Millionenstrafe zahlen

Der Kreditkartenanbieter Mastercard muss wegen Verstößen gegen EU-Kartellvorschriften 570 Millionen Euro bezahlen. Das teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Auf den US-Konzern könnten zudem Schadenersatzklagen zukommen.

mehr ...