Baufinanzierung: Standardrate erreicht neues Tief

Der Trendindikator Baufinanzierung des Finanzdienstleisters Dr. Klein verzeichnet die niedrigste Darlehensrate seit Aufzeichnungsbeginn Anfang 2009. Immobilienkäufer nutzten dies für höhere Darlehenssummen.

Im April 2013 war eine private Baufinanzierung günstig wie nie zuvor. Die durchschnittliche monatliche Standardrate für ein Darlehen von 150.000 Euro mit zehnjähriger Sollzinsbindung, zweiprozentiger Tilgung und einem Beleihungsauslauf von 80 Prozent lag nach Angaben von Dr. Klein bei 566 Euro. Das sei der niedrigste Wert seit Aufzeichnungsbeginn des Trendindikator Baufinanzierung Anfang 2009. Aufgrund der niedrigen Baufinanzierungszinsen liege die durchschnittliche Standardrate für April 2013 um 90 Euro unter Vorjahresniveau.

Darlehenshöhe steigt

Die durchschnittliche Darlehenshöhe stieg nach Angaben von Dr. Klein  gegenüber dem Vormonat um 5.000 Euro auf 168.000 Euro und liege damit 15.000 Euro über dem Vorjahreswert. Sie spiegele damit den allgemeinen Preisanstieg für Wohnimmobilien wider. So habe auch der Europace Hauspreisindex (EPX) im April 2013 einen Preiszuwachs für Eigentumswohnungen sowie Neubau- und Bestandshäuser angezeigt.

„Viele Erwerber nutzen das günstige Zinsniveau, um höhere Darlehenssummen zu finanzieren, die auf Grund der niedrigen Standardrate erschwinglicher geworden sind“, sagt Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher bei Dr. Klein.  Der Anstieg des durchschnittlichen Tilgungssatzes von 2,27 Prozent auf 2,30 Prozent zeige, dass Darlehensnehmer die Situation bewusst nutzen und durch eine höhere Tilgung vorausschauend eine schnelle Entschuldung anstrebten. Vor einem Jahr lag der durchschnittliche Tilgungssatz noch bei 2,12 Prozent.

„Der gestiegene Eigenkapitalanteil von 22,17 Prozent auf 22,39 Prozent zeigt ebenfalls, dass Erwerber sicherheitsorientiert handeln. Bei gleicher Standardrate kann bei einem höheren Eigenkapitaleinsatz ein Objekt schneller abbezahlt werden“, erläutert Gawarecki. Entsprechend sinke der durchschnittliche Beleihungsauslauf von 77,83 auf 77,61 Prozent. Vor einem Jahr sei der Fremdkapitalanteil mit 78,52 Prozent etwas höher gewesen.

Sollzinsbindung leicht rückläufig

Die durchschnittliche Sollzinsbindung ging den Angaben zufolge im April minimal von zwölf Jahren auf 11 Jahre und 11 Monate zurück. Damit liege sie immer noch sechs Monate über Vorjahresniveau. „Dieser Trend setzt sich beim Anteil von Annuitätendarlehen mit einem festen Zinssatz fort. Er verringert sich von 69,06 Prozent auf 68,15 Prozent, liegt aber noch über dem Niveau des Vorjahres (66,35 Prozent). Trotz eines leicht rückläufigen Trends ist das Bewusstsein für die Festschreibung des Zinssatzes vorhanden“, so Gawarecki. Der Rückgang des Anteils von Annuitätendarlehen mit einem variablen Zinssatz von 1,45 Prozent auf 1,12 Prozent weise ebenso darauf hin, dass die Spekulation auf sinkende Zinsen abnehme. Vor einem Jahr habe der Wert noch bei 2,79 Prozent gelegen.

Der Anteil von KfW-Darlehen sank laut Dr. Klein von 15,57 Prozent auf 14,11 Prozent. Die Forwardfinanzierung habe im April hingegen an Bedeutung gewonnen. Ihr Anteil sei um 27 Prozent im Vergleich zum Vormonat gewachsen und liege aktuell bei 14,21 Prozent. Kreditnehmer hätten damit das aktuell niedrige Zinsniveau genutzt, um frühzeitig günstige Baufinanzierungszinsen für die Zukunft zu sichern. (bk)

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Foto: Shutterstock

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