Krisenbilanz: Immobilieninvestoren lassen Chancen liegen

Immobilieninvestoren konzentrieren sich in Krisenzeiten nach wie vor auf vermeintlich starke Länder, wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich und ignorieren Staaten mit langfristigen Chancen weitgehend. Zudem werden nicht alle Standorte den Erwartungen – positiv wie negativ – gerecht. Das zeigt eine aktuelle Patrizia-Studie.

„Strukturelle und realwirtschaftliche Einflussfaktoren wie Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsstärke und ein funktionierender institutioneller Rahmen beachten Investoren bei ihren Entscheidungen immer noch zu selten“, sagt die Autorin der Studie, Karin Siebels, aus der Researchabteilung des Immobilienunternehmens. Dabei seien es gerade diese Parameter, die schon frühzeitig Hinweise auf die Entwicklung und Werthaltigkeit der jeweiligen Immobilienmärkte geben könnten. Zwar ließe sich erst im Nachhinein sagen, ob Investoren mit ihrer Markteinschätzung richtig lagen. „Es ist jedoch auffällig, dass Immobilienmarkttrends ausgehend von aktuellen Daten einfach fortgeschrieben werden. Gute Stimmung aufgrund positiver Erfahrung in der jüngsten Vergangenheit führt zu guten Prognosen und umgekehrt“, erläutert Siebels.

Die schon in den Vorjahren zu beobachtende Polarisierung in vermeintlich sichere und stabile Länder auf der einen und solche mit hohen Risiken auf der anderen Seite habe sich demnach 2012 weiter fortgesetzt. So sind die Transaktionsvolumina in Südeuropa seit 2008 um mehr als 80 Prozent eingebrochen, Großbritannien dagegen fand in den vergangenen drei Jahren wieder Anschluss an sein Niveau von vor 2006, und Skandinavien und Deutschland avancierten nach Großbritannien zu den am meisten nachgefragten Investmentregionen, die nur durch das fehlende Angebot ausgebremst wurden.

Positive Entwicklungen auf alternativen Märkten werden nicht honoriert

Allerdings, so zeigt die Studie, hält die Realität der Erwartungshaltung der Investoren nicht unbedingt stand: So wurden die deutschen, aber auch die skandinavischen Märkte, von den Investoren vielfach unterschätzt, und viele vormals schwache Länder befinden sich in einem Aufholprozess. So habe beispielsweise Irland durch eine konsequente Umorientierung der Wirtschaft seit den 1990er Jahren große Fortschritte erzielt und liegt mittlerweile in Sachen Innovationsleistung gleichauf mit Frankreich und Großbritannien. Beachtlich seienauch die Anstrengungen Polens, die den ersten Schritt weg vom kostengünstigen Produktionsstandort hin zu einer Wissensgesellschaft markieren. Solche Entwicklungen würden aber von den Investoren bisher kaum honoriert.

Der Studie zufolge sind alle deutschsprachigen Länder sowie Dänemark, Schweden und Norwegen, Luxemburg und die Niederlande die Regionen in Europa, die über das stärkste Fundament verfügen. Hier stimmen die Voraussetzungen für Immobilieninvestitionen. Frankreich und Großbritannien dagegen schneiden, obwohl sie zu den großen Investmentländern zählen, deutlich weniger gut ab. Auf dem Weg nach oben befinden sich demzufolge Polen, Irland, Estland und mit Abstrichen auch Tschechien. Problematisch bleiben gemäß der Untersuchung Italien, Spanien, Portugal und Ungarn, wobei Spanien im Gruppenvergleich Südeuropa der Studie zufolge die hoffnungsvollsten Ansätze zeigt. (te)

Foto: shutterstock.com

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