3. Juli 2014, 09:00
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Angst fressen Backstein auf? Zeit für Kreativität und Lösungen!

Wer bisher meinte, die Immobilienwirtschaft in all ihren interessanten Facetten zu überschauen, muss seit geraumer Zeit zur Kenntnis nehmen, dass es neue Mitstreiter gibt. Die sogenannte Öffentlichkeit oder im Singular: der Bürger.

Die Beyerle-Kolumne

Stuttgart 21

“Mit dem Projekt Stuttgart 21 wurde eine Schwelle der Agitation erreicht, an welcher sich der “gesunde Immobilienverstand” die Frage stellen muss um was es hier eigentlich geht?”

Genauer gesagt in der Kombination “Öffentliche Belange” und “Großprojekte”. Das was Anfang der 90er Jahre am Beispiel Berlin Potsdamer Platz (“Größte Baustelle Europas”) noch zu vermitteln war, geriet Ende der 90er Jahre am Beispiel Hafencity (“Größte Baustelle Europas”) schon zu einer ernsten, aber dann weitgehend gelösten Herausforderung für die Freie und Hansestadt und die Immobilieninvestoren.

Neue Schwelle der Agitation

Doch mit dem Projekt Stuttgart 21 (“Größte Baustelle Europas”) wurde seitdem eine Schwelle der Agitation erreicht, an welcher sich der “gesunde Immobilienverstand” die Frage stellen muss, um was es hier eigentlich geht?

Um ein Immobilienprojekt “Abriss des alten Bahnhofs”? Um eine “neue Stadtentwicklung”? Eine Mobilitätsrevolution auf dem Weg von Wien nach Paris? Oder um die zukünftige “Unmöglichkeit von Infrastrukturleistungen” (Kanzlerin Merkel)?

Seit Stuttgart 21 scheint der Damm gebrochen. Beliebte Taktik: erst einmal dagegen sein, und dann schauen, um was es eigentlich geht. Nachhaltige Immobilienwirtschaft war immer die maßgebliche Eigenschaft und Triebkraft um Objekte zu errichten, zu betreiben und damit selbstverständlich eine Gewinnerzielungsabsicht zu verfolgen.

Gutachten versus Gegengutachten

Doch wie soll die Branche mit dieser neuen Mitsprache umgehen? Negieren, tolerieren oder einbinden und akzeptieren? Die Antwort ist klar: auf jeden Fall einbinden. Und sich die Frage stellen, was die Branche zukünftig anders beziehungsweise besser machen kann. Stichwort Mediation.

Jeder Shoppingcenter-Entwickler kann ein Lied davon singen, was es an Mediationsanstrengungen bedarf bis der innerstädtische Konsumtempel endlich seine Pforten öffnet – oder auch nicht. Dass Flughafenausbauten wie aktuell in Frankfurt/Rhein-Main, Planungen in Stuttgart oder gar die neue Stromtrasse selten zu Jubelstürmen führt von Menschen, welche in der Einflugschneise leben oder Sichtkontakt haben, liegt auf der Hand.

Dass fast immer Gutachten durch Gegengutachten ausgehebelt werden, scheint aktuell in Deutschland – leider – “state of the art” zu sein. Was also tun? Der Hinweis auf die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze, Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, Grünflächen etc. und Ausgleichsleistungen durch neue Entwicklungen fruchtet offensichtlich immer weniger.

Latente Angst vor Veränderungen

Warum? Es ist eine latente Angst vor Veränderungen zu spüren im Süden, Norden, Osten und Westen der Republik. Unbehagen und Angst entsteht aber in dem Unvermögen sich Dinge vorzustellen – gerade wie Immobilienprojekte sich nach Fertigstellung darstellen – wie sich etwas entwickeln könnte und welche Veränderungen dies mit sich bringen wird. Mehr auch nicht.

Es ist genau diese Angst vor Veränderung, was offensichtlich den Widerstand gegen diese Projekte immer stärker anwachsen lässt. Und dass die neuralgische Stufe oder Klippe einer Auseinandersetzung immer ist, mit denen umzugehen, die schlichtweg dagegen sind – und zwar fundamental.

Seite zwei: Kompromisse erzeugen Mehrwert

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2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Beyerle,
    .
    vielen Dank für diesen durchaus umsichtigen Kommentar. Da sie so Leute wie mich ansprechen, will ich Ihnen gerne einige der aufgeworfenen Fragen aus der Sicht des kritischen Bürgers beantworten:
    .
    “Der Hinweis auf die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze, Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, Grünflächen etc. und Ausgleichsleistungen durch neue Entwicklungen fruchtet offensichtlich immer weniger.”
    .
    Wundert sie das? Inzwischen ist auch beim letzten Hinterwäldler angekommen, dass das allermeistens leere Versprechungen und Wunschdenken sind. Krasses Beispiel: Im Planfeststellungsbeschluss zu Stuttgart 21 steht geschrieben, dass der neue Bahnhof mit 39 Zügen/h überfordert sein wird. Aktuell fahren 38,5 Züge/h, das schafft der bestehende Bahnhof also mindestens. Und im Prospekt zu diesem Prokjekt wurde zur gleichen Zeit von “Doppelter Leistungsfähigkeit” gesprochen. Also eine klare Lüge. Fakt ist, der neue Bahnhof wird entgegen aller “Hinweise” kleiner als der bisherige sein.
    .
    “Es ist genau diese Angst vor Veränderung, was offensichtlich den Widerstand gegen diese Projekte immer stärker anwachsen lässt.”
    .
    Eine grundsätzliche Angst vor Veränderung vermag ich nicht auszumachen. Im Gegenteil, die Stuttgart-21-Gegner sind z.B. ausdrückliche Freunde der Eisenbahn und begrüssen jede sinnvolle, nachvollziehbare Verbesserung der Schienen-Infrastruktur. Sie erstellen sogar eigene Planungen.
    .
    Gleichzeitig ist man auch sehr zufrieden mit dem, was man bereits hat. “Alles abreissen und neu machen” ist da eben keine so tolle Idee. Da werden nicht nur Werte geschaffen, es werden auch beinahe eben so viele vernichtet.
    .
    Um der Immobilienbranche wieder eine sorgenfreie Zukunft in Aussicht zu stellen zu können, müssen sich aus meiner Sicht vor Allem zwei Dinge etablieren:
    .
    1. Eine neue Ehrlichkeit. Blumige Versprechungen mit weiss strahlendem Beton glaubt ihnen niemand mehr. Statt dessen braucht es solide, sinnvolle, nachvollziehbare Planungen. Bauen nicht um des bauens willen, sondern bauen, um Herausforderungen im Sinne der Nutzer, der Bewohner zu meistern. Gerne auch in einer Qualität, die hundert Jahre hält.
    .
    2. Liebe für’s Detail. Ganze Stadtviertel abzureissen und wieder hinzustellen ist Grössenwahn vor gestern. Gigantische Shopping-Malls haben schon wieder ausgedient. Statt dessen macht man sich Freunde, wenn man bestehende Substanz respektiert und diese nicht ersetzt, sondern ergänzt.
    .
    Bauen sie für die Bürger, dann stehen die Bürger auch hinter Ihnen.
    .
    In diesem Sinne,
    Markus Hitter

    Kommentar von Markus Hitter — 3. Juli 2014 @ 23:42

  2. Sehr geehrter Herr Beyerle,

    vielen Dank für diesen durchaus umsichtigen Kommentar. Da sie so Leute wie mich ansprechen, will ich Ihnen gerne einige der aufgeworfenen Fragen aus der Sicht des kritischen Bürgers beantworten:

    “Der Hinweis auf die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze, Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, Kitas, Grünflächen etc. und Ausgleichsleistungen durch neue Entwicklungen fruchtet offensichtlich immer weniger.”

    Wundert sie das? Inzwischen ist auch beim letzten Hinterwäldler angekommen, dass das allermeistens leere Versprechungen und Wunschdenken sind. Krasses Beispiel: Im Planfeststellungsbeschluss zu Stuttgart 21 steht geschrieben, dass der neue Bahnhof mit 39 Zügen/h überfordert sein wird. Aktuell fahren 38,5 Züge/h, das schafft der bestehende Bahnhof also mindestens. Und im Prospekt zu diesem Prokjekt wurde zur gleichen Zeit von “Doppelter Leistungsfähigkeit” gesprochen. Also eine klare Lüge. Fakt ist, der neue Bahnhof wird entgegen aller “Hinweise” kleiner als der bisherige sein.

    “Es ist genau diese Angst vor Veränderung, was offensichtlich den Widerstand gegen diese Projekte immer stärker anwachsen lässt.”

    Eine grundsätzliche Angst vor Veränderung vermag ich nicht auszumachen. Im Gegenteil, die Stuttgart-21-Gegner sind z.B. ausdrückliche Freunde der Eisenbahn und begrüssen jede sinnvolle, nachvollziehbare Verbesserung der Schienen-Infrastruktur. Sie erstellen sogar eigene Planungen.

    Gleichzeitig ist man auch sehr zufrieden mit dem, was man bereits hat. “Alles abreissen und neu machen” ist da eben keine so tolle Idee. Da werden nicht nur Werte geschaffen, es werden auch beinahe eben so viele vernichtet.

    Um der Immobilienbranche wieder eine sorgenfreie Zukunft in Aussicht zu stellen zu können, müssen sich aus meiner Sicht vor Allem zwei Dinge etablieren:

    1. Eine neue Ehrlichkeit. Blumige Versprechungen mit weiss strahlendem Beton glaubt ihnen niemand mehr. Statt dessen braucht es solide, sinnvolle, nachvollziehbare Planungen. Bauen nicht um des bauens willen, sondern bauen, um Herausforderungen im Sinne der Nutzer, der Bewohner zu meistern. Gerne auch in einer Qualität, die hundert Jahre hält.

    2. Liebe für’s Detail. Ganze Stadtviertel abzureissen und wieder hinzustellen ist Grössenwahn vor gestern. Gigantische Shopping-Malls haben schon wieder ausgedient. Statt dessen macht man sich Freunde, wenn man bestehende Substanz respektiert und diese nicht ersetzt, sondern ergänzt.

    Bauen sie für die Bürger, dann stehen die Bürger auch hinter Ihnen.

    In diesem Sinne,
    Markus Hitter

    Kommentar von Markus Hitter — 3. Juli 2014 @ 23:40

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