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27. Juni 2017, 07:40
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“Das Bestellerprinzip beim Immobilienkauf ist ein Irrweg”

Die Erwerbsnebenkosten beim Immobilienkauf über das Bestellerprinzip zu senken, sei die falsche Strategie. Davon ist IVD-Präsident Jürgen Michael Schick überzeugt. Für diese Ansicht nennt er sechs Gründe.

Juergen Michael Schick Ivd in Das Bestellerprinzip beim Immobilienkauf ist ein Irrweg

Jürgen Michael Schick, Präsident des IVD: “Wir erwarten, dass die SPD das Bestellerprinzip streicht, denn es ist abwegig und spiegelt in keiner Weise die Realität wider.”

“Die SPD will die Erwerbsnebenkosten beim Kauf einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses senken. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Ein Irrweg ist aber zu glauben, dass ein Bestellerprinzip bei Kaufimmobilien der entscheidende Hebel dafür ist.” sagt der Präsident des Immobilienverbandes IVD, Jürgen Michael Schick.

Die SPD will das Prinzip “Wer bestellt, bezahlt” auch für Maklerkosten beim Kauf von Wohneigentum einführen. Demnach würde der Verkäufer grundsätzlich die Kosten tragen. Die entsprechende Passage ist in dem am Wochenende beschlossenen Wahlprogramm.

Bestellerprinzip ist abwegig

“Der IVD ist gegen ein Bestellerprinzip beim Kauf per Gesetz. Wir erwarten, dass die SPD dieses Vorhaben streicht, denn es ist abwegig und spiegelt in keiner Weise die Realität wider. Offenbar geleitet von der Fehlvorstellung, dass die Situation bei Kaufimmobilien ähnlich sei wie bei der Vermietung, hat die SPD diesen falschen Weg eingeschlagen”, sagt Schick.

Schicks erstes Gegenargument ist, dass sich die Kaufpreise erhöhen würden. Zahlt stets der Verkäufer die Maklerprovision, werde er sie im Kaufpreis einpreisen, soweit der Markt dies zulässt. Das würde die Kaufpreise verteuern und die Summe aus Kaufpreis und Maklerprovision bleibe für den Käufer gleich.

Bestellerprinzip widerspricht Verbraucherschutz

Zweitens würde davon einzig die öffentliche Hand profitieren, denn durch die Erhöhung des Kaufpreises würde sich auch die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer erhöhen. Der Käufer zahle somit nicht nur auf den Kaufpreis, sondern auch auf die Provision Grunderwerbsteuer. Ein Bestellerprinzip würde den Käufer nicht entlasten, sondern die Belastung nur verschieben, ohne dass der Käufer hierfür eine Gegenleistung erhielte. Die Politik wäre der Preistreiber.

Seite zwei: Mieter schutzbedürftiger als Käufer

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1 Kommentar

  1. Das ist zwar recht nett dargestellt …. spiegelt aber nicht wirklich den Markt wieder.

    Die Provision beim Erwerb von Immmobilien zahlen grundsätzlich sehr wohl die Erweber — in der Regel, in meiner Region, zwichen 3,57% und 4,76% vom notariell festgelegten Kaufpreis.

    Was Herr Schick aber vielleicht meint, ist dass es tatsächlich zwischenzeitlich Immobilienmakler gibt, die sich sowohl vom Verkäufer, als auch vom Erwerber 3,57% – 4,76% des notariell beurkundeten Kaufpreises einer Immobilie zahlen lassen ….. wodurch deren Einkommen natürlich sicher sprunghaft angestiegen, aber weder dem Käufer, noch dem Verkäufer tatsächlich essentiell gedient ist ….

    Die “wertvolle Beratungsleistung”, die dem Erwerber nach Ansicht von Herrn Schick verloren gehen könnte, mit einer Einführung des Bestellerprinzips bei Kaufimmobilien, ist leider auch nicht zwingend etwas, was tatsächlich schützenswert wäre.

    Wer sich die Immobilien-Exposées in den einschlägig bekannten Immobilien-Portalen einmal ansieht, wird feststellen, wie “blumig und Sach-inhaltsleer” diese häufig verfasst sind ….. und genau so ist, nach meiner Erfahrung, häufig dann auch die “Fachberatung des Maklers” gegenüber dem Kaufinteressenten.

    Nein, Immobilienmakler stehen weder auf der Seite des Verkäufers, noch auf der Seite des Kaufinteressenten. Sie stehen häufig grundsätzlich einzig und allein auf der Seite des eigenen Wirtschaftsinteresses. Das ist auch völlig normal, denn auch der Immobilienmakler muss am Ende zusehen, dass er genug verdient, um seinen eigenen Lebensunterhalt und evtl. zudem den seiner Familie bestreiten zu können.

    Auch das Argument, Verkäufer würden die Maklerprovision bei Einführung des Bestellerprinzips auf den Kaufpreis aufschlagen, greift nicht. Viele Verkäufer würden einfach nur davon Abstand nehmen, einen Immobilienmakler einzuschalten. Man würde viel mehr wieder auf eigene Initiative seine Immobilie am Markt anbieten. Wahrscheinlich würden auch wieder vermehrt Immobiliengutachten in Auftrag gegeben, um einen marktgerechten Verkaufs- bzw. Kaufpreis zu ermitteln. So hätte der Verkäufer auch ein wirklich schlagkräftiges Argument für den von ihm gewünschten Kaufpreis und der Kaufinteressent eine Sorge weniger, nämlich dass er eine Immobilie zum völlig überhöhten Preis kaufen könnte. Eine Sicherheit, die am heutigen Immobilienmarkt völlig “aus der Mode” gekommen ist.

    Dabei wäre so ein Immobiliengutachten von einem zertifizierten Gutachter auch für den Verkäufer in der Regel deutlich günstiger, als die Provisionsforderungen, die Immobilienmakler in Rechnung stellen.

    Und die Immoobilie selbst ist wie sie ist …. da braucht es keinen Immobilienmakler, der dem Erwerber erklärt, wo die Heizung steht, wie sich die einzelnen Zimmer in der Immobilie vetrteilen und Ähnliches. Welche handfesten Vor- und Nachteile eine Immobilie hat, kann ein Kaufinteressent sicher deutlich besser in einem Gutachten lesen, als es aus den Worten eines Immobilienmaklers in aller Konsequenz heraus hören zu wollen. Und der Erwerber hätte es sogar schriftlich …. “Mißverständnisse zu Gesagtem und Gehörtem” würde es auch nicht geben können.

    Nein, Herr Schick, Ihre Ausführungen täuschen definitiv nicht darüber hinweg, dass Sie nicht den Erwerber schützen wollen, sondern den status quo eines Wirtschaftszweiges, der bei Einführung eines Bestellerprinzips damit rechnen müsste, dass manch ein Immobilienmakler am Markt keine Aufträge mehr erhalten würde, wenn die Auftraggeber selbst in die Tasche greifen und die Provisionen zahlen müssten. Denn dann würden die Veräußerer von Immobilien einen deutlich höheren Qualitäts-Anspruch an den beauftragten Immobilienmakler stellen, und dem würde sicher nicht Jeder gerecht werden können.

    Und die Annahme, dass sich die Immobilien marktübergreifend verteuern würden, wenn Verkäufer die Maklerprovisionen zahlen müssten, läuft definitiv, bei genauerem Hinsehen, auch ins Leere.

    Die jüngsten Immobilienpreissteigerungen sind nämlich,nach meinen Beobachtungen, vor allem darauf zurück zu führen, dass Immobilienmakler die derzeitige Tiefzinsphase am Hypothekenmarkt dafür ausgenutzt haben, bei den Verkaufsgesprächen mit Kaufinteressenten den Gesprächsfokus immer möglichst vom Kaufpreis der Immobilie entfernt zu halten und viel lieber auf die “ach so niedrige monatliche Finanzierungsrate” hinzuweisen.

    Das hilft dem Käufer aber gar nichts, wenn er die Immobilie völlig überteuert kauft. Wenn die Niedrigzinsphase ihr Ende erreicht hat, werden die danach Kaufwilligen wieder deutlich mehr auf die Werthaltigkeit einer Immobilie schauen. Die jetzt gekauften Objekte werden dann nicht nur ein paar Jahre älter sein, nein, sie werden auch in ihrer Substanz dann wieder viel neutraler und sachdienlicher bewertet werden.

    Dies hat, mit größter Wahrscheinlichkeit, zur Folge, dass diese Immobilien plötzlich einen deutlichen niedrigeren Wiederverkaufspreis erzielen werden, als der Erwerber in den Jahren des Hypotheken-Niedrigzinses selbst gezahlt hat. Es wird also eine Schere aufklappen, zwischen dem Wiederverkaufswert der Immobilie und den finanziellen Aufwendungen des Eigentümers durch Kaufpreis und den zusätzlich geleisteten Zinsen.

    Aber der Immobilienmakler ist dann ja aus dem Schneider ….. eine Haftung trifft diesen ja genauso wenig, wie die finanzierende Bank, die schlicht eine Liquiditäts- und eine Bonitätsberechnung durchführt und schaut ob die mathematische Berechnung von Einnahmen, Ausgaben und vorhandenem Eigenkapital für den Erweber ein positives Ergebnis ergibt.

    Dass dabei in Kauf genommen wird, dass manch ein Erwerber mit dem Kauf einer (z. B. durch die “ach-so-günstige-Rate-Beratung” durch einen Immobilienmakler) überteuerten Immobilie sein mühsam erspartes Eigenkapital verlieren kann, wenn`s ganz schlecht läuft, sogar die Immobilie dann in einigen Jahren durch Zwangsversteigerung verliert, das interessiert heute sicher erst mal niemanden.

    Herr Schick, wir brauchen keinen Schutz für Immobilienmakler, wir brauchen, wie bereits oben erwähnt, mehr handfeste, substantielle Wertgutachten, dann regelt sich der Immobilienmarkt sicher auf ganz wunderbare Weise von selbst. Und die wirklich fähigen Immobilienmakler bekommen dann immer noch ausreichend Aufträge, um davon leben zu können. Für die anderen greift dann halt wieder einmal das Wort “Marktbereinigung” …. und das ist nicht von vornherein immer schlecht, auch wenn`s schwer fällt, das zu akzeptieren.

    AD

    Kommentar von AD — 27. Juni 2017 @ 17:42

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