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29. September 2017, 14:39
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“Die Zinswende liegt hinter uns”

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat vorerst auf eine weitere Zinserhöhung verzichtet. Ob die EZB sich im Oktober für eine Anhebung entscheidet, bleibt abzuwarten. Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, erläutert, welche Entwicklung der Bauzinsen in Deutschland er in den kommenden Monaten erwartet.

Qualitypool-Neumann in Die Zinswende liegt hinter uns

Michael Neumann, Dr. Klein: “Der Ausgang der Bundestagswahl hat nur einen geringen Einfluss auf die Zinsentwicklung.”

Am vergangenen Mittwoch veränderte die amerikanische Notenbank, Federal Reserve (Fed), den Leitzins nicht. Zuletzt hatte sie ihn im Juni auf ein bis 1,25 Prozent erhöht. Janet Yellen, Chefin der Fed, blieb damit bei ihren Ankündigungen. Ab Oktober wird sie sukzessive Anleihen abstoßen.

Die amerikanische Notenbank bereitet den Markt stets behutsam auf Veränderungen vor, indem sie diese über Monate im Voraus immer wieder ankündigt. Deshalb glaube ich nicht daran, dass dieser Rückzug nun eine Schubumkehr zur Folge haben wird. Zudem tritt die Fed nicht als Verkäufer auf, sondern sie ersetzt auslaufende Papiere nur zum Teil.

Fed will Überhitzung der Märkte vorbeugen

Neben der Nullzinspolitik setzte die Fed auf ein zweites Werkzeug, um der Finanzkrise zu begegnen: Seit November 2008 kaufte sie immer wieder Staatsanleihen und verfolgte damit mehrere Ziele.

Zum einen sollte es den Bürgern zeigen, dass die Notenbank an eine Konsolidierung und baldige Genesung der eigenen Wirtschaftskraft glaubt. Zum anderen fallen durch die künstlich gesteigerte Nachfrage die Renditen der Staatsanleihen – was wiederum gleichbedeutend mit rückläufigen Zinsen ist.

Damit können Unternehmen günstiger Kredite aufnehmen, Investitionen werden angeregt. Die Wirtschaft erholt sich. Mittlerweile hat die amerikanische Notenbank auf diese Weise Anleihen im Wert von fast 4,5 Billionen Dollar angesammelt.

Mit dem nun eingeläuteten Rückzug will Yellen einer Überhitzung der Märkte durch zu viel Intervention des Staates vorbeugen.

Wird die EZB folgen?

Ob Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, es seiner amerikanischen Kollegin gleich tut, wird die Sitzung im Oktober zeigen. Die Kerninflation in Deutschland ist in den letzten Monaten recht stabil und schwankt lediglich um 0,1 Prozentpunkte. Im August lag sie bei 1,6 Prozent.

Die europäische Teuerungsrate, deren Zielwert die EZB bei 2,0 Prozent sieht, liegt leicht darunter: In der EU stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,5 Prozent.

Hat die Bundestagswahl Auswirkungen auf die Zinsen?

Der Ausgang der Bundestagswahl hat nur einen geringen Einfluss auf die Zinsentwicklung. In der Regel zeigen sich nennenswerte Effekte nur, wenn es zu einem überraschenden Wahlergebnis kommt und/oder extreme Parteien unerwartet viel Zulauf erhalten.

Der Einzug der Rechtspopulisten in den Bundestag wurde allerdings prognostiziert und kam daher nicht mehr überraschend. Für eine leichte Verunsicherung am Markt sorgte lediglich die Entscheidung der SPD, keine Koalitionsverhandlungen zu führen und stattdessen in die Opposition zu gehen.

Für ein Bündnis aus FDP, Grünen und CDU/CSU könnten langwierige Koalitionsverhandlungen nötig sein. Auf welche politische Agenda sich die Parteien einigen, ist noch unklar. Diese Unsicherheit hat vorübergehend Auswirkungen auf die Finanzmärkte.

Baufinanzierungszinsen sinken leicht um 0,15 Prozentpunkte

Der Bestzins für zehnjährige Hypothekendarlehen ist im letzten Monat um knapp 15 Basispunkte auf 0,97 Prozent gesunken (Stand 26. September 2017). Das sind allerdings übliche Marktschwankungen, die sich eher durch den Wettbewerb seitens der Anbieter begründen als durch tatsächlich sinkende Zinsen am Markt. Denn die bewegen sich in den letzten zwölf Monaten sukzessive nach oben.

Ich glaube, dass die Zinswende hinter uns liegt. In den kommenden zwölf Monaten werden die Bauzinsen tendenziell weiter moderat steigen. Dies wird aber nicht rasant geschehen. Geschweige denn werden wir binnen der nächsten zwei Jahre wieder in Regionen von vier oder mehr Prozent bei zehnjähriger Zinsbindung vorstoßen.

Interessierte Käufer sollten sich davon nicht unter Druck setzen und in ein Objekt oder eine Finanzierung drängen lassen. Wichtiger als das letzte Hundertstel hinter dem Komma ist die passende Immobilie zum fairen Preis.

Autor Michael Neumann ist Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG

Foto: Dr. Klein

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