6. Juli 2017, 07:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Neues Geldwäsche-Pflichtenheft für Vermittler

Seit Ende Juni treffen Vermittler von Versicherungen, Finanzanlagen und Immobilien verschärfte Pflichten zur Vermeidung von Risiken der Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung. Vermittler und Vertriebe sollten sich zeitnah mit den erweiterten Pflichten des neuen Geldwäsche-Gesetzes befassen.

Gastbeitrag von Jürgen Evers und Sascha Alexander Stallbaum, Kanzlei Blanke Meier Evers Rechtsanwälte

Neues Geldwäsche-Pflichtenheft für Vermittler

Rechtsanwälte Jürgen Evers (links) und Sascha Alexander Stallbaum.

Die Novellierung des Geldwäsche-Gesetzes (GwG) lässt erwarten, dass verstärkt mit aufsichtsbehördlichen Prüfungen zu rechnen ist, zumal auch der Bußgeldrahmen für Verstöße gegen das GwG deutlich angehoben wurde (auf bis zu 5,0 Millionen Euro oder zehn Prozent des jährlichen Umsatzes).

Deshalb sollten sich Vermittler und Vertriebe zeitnah mit den erweiterten GwG-Pflichten befassen, sofern sie nicht als produktakzessorische Versicherungsvermittler oder gebundene Versicherungsvertreter tätig sind. Das neue GwG erweitert den so genannten risikobasierten Ansatz. Damit werden dem Vermittler keine definierten Fallgruppen mehr vorgegeben, für die ein bestimmtes Geldwäscherisiko anzunehmen ist.

Vielmehr muss der Vermittler anhand einer eigenen Analyse von Faktoren und Anzeichen das Risiko der Geldwäsche bewerten und je nach dem, ob er es als gering oder hoch einstuft, Maßnahmen zur Vermeidung eines Geldwäscherisikos festlegen. Die 4. Geldwäsche-Richtlinie und das GwG enthalten in den Anhängen Listen der dabei zu berücksichtigenden Faktoren und Anzeichen für potentiell geringere (Anlage 1) und höhere (Anlage 2) Risiken.

Vermittler und Vertriebe müssen standardisierte Prozesse einführen

Die Risikomerkmalsfaktoren sind nach den drei Kategorien Kundenrisiko, Produkt-, Transaktions- sowie Vertriebskanalrisiko und geografisches Risiko unterteilt. Erfolgt die Vermittlung etwa an Kunden mit Wohnsitz in Mitgliedstaaten der EU, darf der Vermittler für die Kategorie geographisches Risiko von einem tendenziell geringen Geldwäscherisiko ausgehen.

Dagegen wird bei Kunden, die bargeldintensive Unternehmen betreiben, in der Kategorie Kundenrisiko ein potenziell höheres Risiko zu unterstellen sein. Aus dem risikobasierten Ansatz folgt, dass Vermittler und Vertriebe gleichermaßen standardisierte Prozesse einführen müssen, damit der Aufwand überschaubar bleibt.

Diese Standardisierung ist zum Beispiel möglich, indem Kunden-, Geschäftsart- und Herkunftsrisiken typisiert erkannt und gemäß den Merkmalsfaktoren der Anhänge erfasst und eingeordnet werden. Der Vermittler muss weiter über ein “wirksames Risikomanagement” verfügen (Paragraf 4 GwG).

Seite zwei: Dokumentationspflicht wird ausgeweitet

Weiter lesen: 1 2 3

Ihre Meinung



 

Versicherungen

“Ob die Zinszusatzreserve dann langfristig ausreicht, kann sehr unterschiedlich sein”

Die Lebensversicherer steuern auf eine neue Talsohle niedriger Zinsen zu. Dies meldet die Deutsche Presse Agentur (dpa) heute morgen. Cash.Online fragt nach, Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertungen bei Assekurata, antwortet.

mehr ...

Immobilien

Mietkauf: DIW fordert Politik zum Handeln auf

In die Diskussion um den angespannten Wohnungsmarkt hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ein staatlich gefördertes Mietkauf-Modell eingebracht, von dem vor allem einkommensschwache Familien profitieren sollen. Was nun geplant werden soll.

mehr ...

Investmentfonds

Libra: Zentralbanken legen Facebook Forderungskatalog vor

Facebook muss nach Einschätzung von Zentralbanken und Weltwährungsfonds vor einer möglichen Einführung seiner Digitalwährung Libra noch viele Fragen klären. Was im nun durch die G7 Zentralbanken überreichten Forderungskatalog steht.

mehr ...

Berater

Fehlende Trennschärfe im Verbraucherschutz

Verbraucherschützer sind auf das Thema fixiert und einmal mehr warnte der „Marktwächter Finanzen“ letzte Woche vor Praktiken im „Grauen Kapitalmarkt“. Doch der war diesmal überhaupt nicht gemeint. Der Löwer-Kommentar

mehr ...

Sachwertanlagen

Familien: Chance auf Eigenheim durch Mietkauf

Mietkaufmodell könnte mehr Menschen den Erwerb einer Immobilie und damit den Aufbau von Vermögen erlauben. Monatliche Zahlungen würden sich Berechnungen zufolge im Rahmen aktueller Mieten bewegen.

mehr ...

Recht

BGH entscheidet über zeitliche Festlegung von Rechtsschutzfällen

Wann ist eine Rechtsschutzversicherung zur Zahlung verpflichtet? Mit dieser Frage musste sich der Zivilsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) Anfang dieses Monats auseinandersetzen.

mehr ...