23. Mai 2018, 13:30
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Baugenehmigungen: Darf es etwas mehr sein?

Der Wohnungsbau in Deutschland reicht bisher längst nicht aus, um die hohe Nachfrage in den Ballungsräumen zu decken. Insbesondere in Berlin ist die Lücke groß. Dabei gibt es vielversprechende Ansätze, um dem Mangel abzuhelfen. Gastbeitrag von Patrick Herzog-Smethurst, DKW Gruppe

Patrick-herzog-smethurst-dkw-gruppe in Baugenehmigungen: Darf es etwas mehr sein?

Patrick Herzog-Smethurst. DKW Gruppe: “Initiativen wie in Hamburg und Sachsen zeigen, wie wir den Wohnungsbau gemeinsam ankurbeln könnten.”

In unseren Großstädten wird zu wenig gebaut. Das ist keine bloße Plattitüde. Sie lässt sich faktisch belegen. Vergangenes Jahr ging die Anzahl der Bauanträge nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bundesweit um acht Prozent zurück. Der Wert ist enttäuschend.

Seit etlichen Monaten versucht die Immobilienwirtschaft, der Politik deutlich zu machen, dass mehr getan werden muss in Sachen Wohnungsbau. Erst dann würden die Immobilienpreise in den Metropolen wie Berlin, München und Düsseldorf nicht mehr so stark steigen wie im Augenblick.

Nun könnte man meinen, in der Stadt Berlin läuft es etwas besser. Immerhin hat sich die Anzahl der Baugenehmigungen in den ersten drei Quartalen 2017 um fünf Prozent erhöht. Das könnte doch ein Neuanfang sein, wird manch Außenstehender denken. Wenn es Zeichen eines Auftaktes ist, dann ist er auf jeden Fall zu zaghaft.

Neubau in Berlin bisher unzureichend

Den 50.000 Menschen, die derzeit jährlich neu in die Stadt kommen, stehen gerade vorläufig 15.600 Baugenehmigungen aus dem Jahr 2017 gegenüber. Das ist eindeutig zu wenig, bemerkt auch der Monitorbericht der Deutschen Bank. Für das vergangene Jahr resümiert er für die Hauptstadt: „Der Neubau ist träge“.

Anscheinend ist die Tatsache, dass in Berlin zu wenig gebaut wird, beim Berliner Senat noch nicht vollends angekommen. Denn die Bauabteilung spricht öffentlich von „Wachstumsschmerzen“; als handele es sich quasi um eine Krankheit, die nicht zu bekämpfen sei. Eher zaghaft bemüht man sich um Abhilfe.

Immerhin bekommt Berlin vom Bund Fördergelder, die in den Wohnungsbau für möglichst viele Bürger fließen könnten. Doch der Jahresförderbetrag von 211 Millionen Euro wurde fast ausschließlich für den sozialen Mietwohnungsneubau am Stadtrand eingesetzt. Hatten wir die Idee reiner Sozialbausiedlungen nicht schon einmal vor Jahren ad acta gelegt?

In Hamburg führt ein Bündnis zu mehr Bauaktivität

Andernorts kommt der Wohnungsbau deutlich schneller voran. In Hamburg etwa führte ein Bündnis aus Wirtschaft und Politik zu vorzeigbaren Ergebnissen. In den ersten neun Monaten 2017 hat sich dort die Zahl der Baugenehmigungen um 48 Prozent erhöht, besonders im Geschosswohnungsbau.

Wartezeiten auf Baugenehmigungen haben sich nach Rücksprache mit einzelnen Bezirken mittlerweile halbiert. Es gibt weitere Positivbeispiele umsichtig agierender Bürgermeister und Landesregierungen.

Sachsen fördert alle, die bauen wollen

In Sachsen erhält das Land für Städte wie Leipzig und Dresden pro Jahr fast 100 Millionen Euro Fördermittel. Das ist weniger als in Berlin. Umso interessanter ist, wie sie verteilt werden. Das ostdeutsche Bundesland erhöhte die Einkommensgrenze pro Haushalt für die Förderung auf ein Jahreseinkommen von 100.000 Euro.

Ein aufschlussreicher Effekt stellte sich ein: Nur 30 Prozent der Wohnungskäufer und Eigenheimbauer aus der unteren Einkommensgruppe nutzten das Fördergeld, 70 Prozent stammten aus der mittleren und gehobenen Gruppe. Insgesamt entstand neuer Wohnraum.

Klare Konzepte notwendig

Initiativen wie in Hamburg und Sachsen zeigen, wie wir den Wohnungsbau gemeinsam ankurbeln könnten. Doch besonders dort, wo die regionale Politik und die Bundespolitik vor Ort sind, nämlich in Berlin, scheint es nicht zu gelingen, ausreichend klare Impulse für den Wohnungsbau zu setzen.

Wie kann es dann bundesweit gelingen? Stadtplaner, Politik und private Wirtschaft müssen möglichst bald zusammenkommen und eine gemeinsame Lösung dafür finden, dass in unseren Städten wieder ausreichend gebaut wird. Eigentumserwerber zu fördern, wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Autor Patrick Herzog-Smethurst ist Vorstand der DKW Gruppe.

Foto: DKW Gruppe

 

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